1. Höpfigheimer Flohmarkt Neue Heimat für das alte Lieblingsherz

Von Cornelia Ohst
Erfahrene Stöberer wissen: Irgendwas Brauchbares wird man in einer der vielen Kisten schon finden. Foto: Ralf Poller//Avanti

Erster Flohmarkt im Steinheimer Ortsteil Höpfigheim: Mehr als 80 Anbieter haben sich daran beteiligt.

Steinheim - Wie von einem Salzstreuer verteilt, liegen die mehr als 80 Stände der Flohmarktbeschicker quer über den Steinheimer Ortsteil Höpfigheim verstreut. Mit Luftballons sind die diversen Hofeinfahrten, Garagenplätze und andere Grundstücksflächen an diesem Samstag markiert, um dem Vorbeieilenden zu signalisieren: hier ist ein Sammelsurium an Altem, Ausgedientem und Brauchbarem, dessen derzeitiger Besitzer sich freut, wenn ab sofort ein anderer Nutzen darin sieht.

Schmuck und Schallplatten

Familie Rothfuß in der Marbacher Straße hat ihre großzügige Stellfläche vor dem Haus von 9 Uhr an mit Tischen und einem Kunterbunt an Waren bestückt, die zum Teil vererbt seien oder aus Haushaltsauflösungen stammten. Rund 25 Interessierte hätten bis etwa zur Mittagszeit die Auslage gesichtet, die Holzdeko, Glaswaren, Schuhe, Nippes für den Setzkasten, eine große Menge an Schmuck oder auch viele Schallplatten zum charakteristisch-kleinen Flohmarktpreis bereithält. Der Familie fällt es offenkundig nicht schwer, die Sachen herzugeben. „Lediglich die Spiele vom Sohn“, schränkt Mama Rothfuß ein, „das tut schon etwas weh.“

„Was möchten Sie für dies hier?“ lautet an anderer Stelle in der Nähe des Schlosshofs, die an diesem Tag häufig gestellte Frage beim 1. Höpfigheimer Flohmarkt, der durch das Engagement des Steinheimer Bürgernetzwerks realisiert wurde. Kornelia Hatwieger hat rasch eine Antwort darauf und die Transaktion eines farbigen Metallherzens, „das lange Zeit mein Lieblingsherz war“, geht ruck, zuck über die Bühne. Im ausgestellten Fundus der Familie finden sich gut erhaltene Kleidungsstücke, aber auch Blumentöpfe und Tupper-Artikel: „Noch von meiner Schwiegermutter.“

Gummibärchenmaschine gefällig?

Ihr Schwiegersohn Dennis Pottenfußer hat derweil einen Blick auf die Kiste mit zahlreichen Spielzeug-Autos und -Lastwagen: „Die habe ich als Kind gesammelt“, sagt der junge Mann, der beobachtet hat, „dass manche Leute bis zu 15 Minuten lang einfach schauen, was es hier gibt. Es dauert, bis das Auge alles erfasst hat“, zieht er Resümee. Auch Emine Zor hat Kundenkontakte, weiß aber: „Die meisten wollen nur gucken.“ In ihrem Angebot lassen sich als Besonderheit frisch geerntete Haselnüsse aus der türkischen Heimat finden. „Und Handgearbeitetes von meiner Schwägerin.“ Ihre Tochter verzichtet hingegen auf eine Gummibärchenmaschine: „Sie hat sie nur einmal benutzt, dann war Schluss.“

Robert Gottschick aus Freiberg ist mit Samuel Miggiano unterwegs und durchforstet das Angebot nach Militär-Historischem. „Noch haben wir nichts gefunden“, so der 18-Jährige, „aber wir sind ja erst am Anfang. In Stuttgart, wo ich oft Flohmärkten besuchte, bin ich meist fündig geworden.“ Auch Andrea Michelfelder sitzt vor dem Haus in der Sonne und hofft auf Käufer. „Mein Fundus ist so groß – von allem ebbes“, sagt die Flohmarkt-Teilnehmerin, die den Verlauf als zögerlich beurteilt, aber keine große Erwartungshaltung mitgebracht habe. Helmut Freyhardt ist ambitionierter Gitarrist. Entsprechend musikalisch fällt ein Teil des Angebots aus, das er mit Partnerin Brigitte feilbietet: „Ich beabsichtige, drei Gitarren, drei Bässe sowie Equipment zu verkaufen.“ Damit potenzielle Käufer hören, wie sie klingen, spielt Freyhardt immer wieder darauf.

In der Pandemie viel angehäuft

Babykleidung und ausgediente Schuhe von ihren Söhnen, denen diese entwachsen sind, hat Miriam Röhlich in der Gartenstraße im Angebot. Die Idee, einen Flohmarkt auf dem eigenen Grundstück zu machen, findet sie ebenso wie ihre Mutter Sabrine Vietmeier „richtig gut“. Denn „es hat sich über die Coronazeit viel angehäuft“, klagt die Frau, die vor der Pandemie gern auf Kleiderbazaren die gut erhaltenen Dinge angeboten hat. „Jetzt aber stapelt sich allmählich viel im Schrank“, sagt Miriam Röhlich, die im vergangenen Jahr viele Stücke nach Rumänien gespendet hat.

Eine verzweifelte Aktion

Angela Völker und Madlin Schüle sind zwei von mehreren Aktiven der privaten Initiative „Flutopferhilfe ausm Ländle“, die am Samstag in der Höpfigheimer Kelter dafür sorgten, dass der Bestand an Sachspenden , die für die Opfer der Flutkatastrophe im Ahrtal eingingen, wieder abnimmt. Denn nur noch bis Ende Dezember dürfen die Helfer die Kelter als Lagerort nutzen, dann ist Schluss.

Doch wohin mit den Sachen, die momentan keinen Absatz finden, weil viele Flutopfer immer noch keine feste Bleibe haben?

Die Flohmarkt-Idee des Bürgernetzwerkes Steinheim kam da gerade recht. Mit ihr lassen sich die Sachspenden nun in Münzen umwandeln: Geld, das weiterhin so dringend im Ahrtal benötigt wird. „Zu hundert Prozent geht der beim Flohmarkt erzielte Geldbetrag als Spende an die Opfer“, garantieren die Helfer, die sich freuten, dass rund ein Zehntel der Sachspenden am Samstag wegging. „Jeder der reingeht, nimmt auch etwas mit. Das liegt daran, dass es wirklich gute Sachen sind und kein Ramsch“, haben die beiden Frauen erfahren, die viele Spenden vorsortiert hatten.

Noch vor Weihnachten soll ein weiterer Flohmarkt dafür sorgen, dass die vielfach hochwertigen Sachspenden, darunter Spielsachen, Geschirr, Töpfe und Kinderwagen, in die Hände von Menschen kommen, die sie benötigen.