Gehen wir an Silvester zu Ute oder Klaus? Oder lassen wir uns doch lieber auf der schnittigen Party von Rüdiger blicken? Solche Fragen stellen sich für Karl Boltz nicht. Er schaut zwar zum Jahreswechsel sogar bei zwei Partys vorbei. Aber in erster Linie, um dort zu arbeiten. Der 28-Jährige ist nämlich DJ. Und als solcher ist er an Silvester gleich doppelt gebucht. Vor Mitternacht legt er im Barococo in Heilbronn auf, danach will er im Gaston-Tatort in Ludwigsburg die Tanzfläche zum Brodeln bringen.
Dass ihm das gelingt, daran dürfte es wenig Zweifel geben. Zum einen steht der Musikfan schon die Hälfte seines Lebens an den Turntables, bringt also eine Menge Erfahrung mit. Zum anderen attestieren Beobachter, dass Karl Boltz das gewisse DJ-Gen hat. Heißt: Er weiß, welchen Titel er wann spielen muss, vermag die Gefühlswelt des Partyvolks mit seinen Songs zu steuern. Er weiß aber auch, "wann die Stimmung zu kippen droht", sagt der Hof und Lembacher. "Durch aggressive Musik könnte es hierbei eskalieren", fügt er hinzu. Also nimmt er in diesen Fällen den Fuß vom Gas, um die Lage zu beruhigen.
Angefangen hat sein Leben an den Plattentellern im zarten Alter von 14 Jahren. Seinerzeit lernte er die Freunde seiner Cousinen kennen, die jeweils Diskjockeys waren. Nach den ersten eigenen Gehversuchen habe er gemerkt, "dass ich das auch machen will. Und seitdem komme ich nicht mehr raus", erzählt Karl Boltz lachend. Die ersten öffentlichen Auftritte hatte er bei Basketball-Mitternachtsturnieren im Rems-Murr-Kreis. Mit der Volljährigkeit erreichte das Ganze eine neue Stufe und Qualität. Denn erst von da an durfte er in die Clubs. Damals wurde auch sein Alter Ego K-Flip geboren. Unter diesem Künstlernamen rockt er bis heute Veranstaltungen vor allem mit englischsprachigem Hip-Hop und Rhythm and Blues.
Vor gut einem Jahr hat er sich freilich mit David Disco ein zweites Pseudonym zugelegt. "David Disco spricht eher die breite Masse an", sagt Boltz. "Das wird sehr viel gebucht", fügt er hinzu. Aufgelegt wird die ganze Palette der modernen Rock- und Popmusik, garniert mit einer Prise Salsa und einem Schuss Hits aus den 60ern. Obgleich Karl Boltz für vieles offen ist: Die Grenzen sind bei Ballermann-Gedudel und Schlagern erreicht.
Grundsätzlich versteht sich Karl Boltz aber als Dienstleister. "Man darf nicht zu sehr nach dem eigenen Kopf gehen. Entscheidend ist, dass die Leute ihren Spaß haben", findet er. Wenn also ein Gast mit einem Musikwunsch auf ihn zukomme, bemühe er sich, diesen Titel im Laufe des Abends an einer passenden Stelle einzubauen. Mit einer festen Setlist macht er sich ohnehin nicht auf den Weg zur Arbeit. Er verlässt sich lieber auf seine Intuition - und seine ausgeprägte Beobachtungsgabe. Man muss sich das ungefähr so vorstellen: Da sitzt jemand an der Theke und fängt erst bei einem bestimmten Sound an, mit dem Kopf zu nicken. Das registriert der DJ, legt ein entsprechendes Stück nach, das womöglich auch die Füße in Schwung bringt, bis der Besucher irgendwann nicht anders kann, als auf die Tanzfläche zu stürmen.
Solche Dinge vermittelt Karl Boltz auch auf der Vibra DJ-Schule in Stuttgart, an der er unterrichtet. Geld verdient der gelernte Veranstaltungs- und Tontechniker zudem mit dem Vertrieb von technischem Equipment - aber nicht zuletzt eben an den Turntables. Sein Hauptauftraggeber sei die Heilbronner Firma Diginights. Er nimmt Engagements in Clubs, auf Hochzeiten, Messen und bei anderen Events entgegen. Selbst geht er nur noch selten in Diskotheken - da muss schon die Arbeit rufen.
Kontakt Karl Boltz ist per E-Mail webmaster@djk-flip.de und unter
http://www.djk-flip.de zu buchen und zu erreichen.