Gerlingen Am Wochenende bauen Kunstfreunde die Freiluftgalerie Gerlinale auf. Von Klaus Wagner
Die Kunstfreunde wünschen sich für ihren Auftritt beim Straßenfest eines: dass die Zahl der Besucher möglichst gering bleibe, die äußerst gelangweilt und mit einer fetttriefenden Bockwurst in der Hand vorbeischlappten und den Bildern kaum einen halben Blick gönnten. Das Verkaufen sei zwar nicht das Wichtigste, sagt Christel Ziegler, aber "möglichst viele und gute Gespräche über Kunst und künstlerische Motive" mit Kunstinteressierten sollten schon stattfinden. "Es soll Spaß an der Freud sein, und es tut gut, wenn man bestätigt wird." Othmar Grasmuck wird an beiden Tagen an der Staffelei stehen - und eine Frau malen, die dafür Modell steht.
Apropos verkaufen: die Preise beginnen bei einem Euro für eine Postkarte, ein größeres Bild kann durchaus einige hundert Euro kosten. Eine Tombola gibt"s auch - und an jedem Stand ein Bild zu gewinnen. "Damit wollen wir die Nähe zum Publikum bekommen", erklärt Zloch. So bunt wie die Motive und Stilrichtungen der Maler sind, so vielfältig ist auch ihre Herkunft. Christel Ziegler hat sich an der Freien Kunstschule in Stuttgart ausbilden lassen, Othmar Grasmuck hat die Kunst- und Grafikschulen in Graz und Wien besucht und als Schriftenmaler und Werbegestalter gearbeitet. Und Jürgen Zloch bezeichnet sich als begeisterten Autodidakten. Alle drei eint die Begeisterung für die künstlerische Betätigung, der Ausdruck von Gedanken, Themen und Gefühlen mittels Farbe und Formen.
Ebenfalls vor der Stadthalle wird am Wochenende eine zweite Künstlergruppe vertreten sein: "Start" um Gemma Rosique. Vor drei Jahren hatte sie sich von den Kunstfreunden nach einem heftigen Streit getrennt. Beide Gruppen würden jetzt etwas anderes machen, sagt Christa Gläser, eine Schülerin von Rosique. "Wir stehen uns neutral gegenüber und haben mittlerweile keine Probleme mehr miteinander."
Rosique und Gläser haben in den vergangenen Wochen mit Kindern und Jugendlichen eine vier mal zwei Meter große Leinwand mit einem Piratenschiff und begleitenden Motiven bemalt. Diese Leinwand wird beim Straßenfest ausgestellt - und in Teilen verkauft, die sich die Besucher aussuchen und gleich auf Rahmen spannen lassen können. Zum zweiten Mal geht der Erlös an den Verein Trottoir, bei dem Bedürftige die gleichnamige Straßenzeitung verkaufen. Die Gruppe Start will ein Netzwerk sein für Kunst für Jedermann; das Angebot umfasst nicht nur Malerei, sondern beispielsweise auch Improvisationstheater.
Veranstaltung Das 31. Straßenfest findet statt in der unteren Hauptstraße, in der Urbanstraße und am Rathausplatz. Am Samstag, 11. September, sticht der Bürgermeister Georg Brenner um 15 Uhr das erste Fass an. Am Sonntag wird gefeiert von 11 bis 20 Uhr. 47 Gruppen, Organisationen und Vereine aus Gerlingen und den Partnerstädten Vesoul und Tata haben Stände, die Feuerwehr aus dem mit Gerlingen befreundeten Gefell brät Thüringer Bratwürste.
09.09.2010 - aktualisiert: 09.09.2010 06:10 Uhr
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