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Ein Traumschiff nimmt Kurs auf den Bodensee

Leonberg Mehr als 100 Modelle haben die Mitglieder der "Abteilung Schiff" des Leonberger Modellbauclubs schon ins Wasser gelassen.Mit dem Bau ihres Flaggschiffes "MS Leonberg" haben sie sich einen besonderen Wunsch erfüllt. Von Daniel Renkonen
 

Willkommen an Bord", heißt es beim Modellbauclub Leonberg. Das ist nicht wortwörtlich gemeint, denn Passagiere können die Modellschiffe natürlich nicht befördern. Die Bastler aus Leonberg lieben es etwas kleiner, aber dafür um so feiner. Die Club-Werft um den 44-Jährigen "Steuermann" Joachim Bürklen, den Leiter der Schifffahrts-Gruppe, sitzt tief im Keller der örtlichen Gerhart-Hauptmann-Realschule. Jeden Dienstag löten, feilen und sägen die Modellbauer hier - auch die Jugendlichen, denn der Modellbauclub kann sich über fehlenden Nachwuchs nicht beklagen. 25 Elf- bis Sechzehnjährige verstärken inzwischen die erwachsenen Vereinsmitglieder.

Altersunterschiede hin oder her. Lange Jahre einte alle großen und kleinen Modellbauer ein Wunsch: einmal ein Traumschiff bauen. Mittlerweile steht es in den gut gehüteten Werkhallen des Vereins. Die "MS Leonberg" mit einer Länge von 3,56 Metern ist der ganze Stolz der Vereinsmitglieder. Sie ist vor zwei Jahren im Leonberger Parksee vom Stapel gelaufen. Ein Prozedere war"s wie bei großen Schiffen, berichtet Bürklen. Drei Jahre haben die Modellbaufreunde benötigt, um den Luxusliner im Maßstab von eins zu 33 zu errichten. "Das Modell ist also 33-mal kleiner als das Original", erläutert Joachim Bürklen. Das Schiff gebe es übrigens wirklich: Die "MS Regina Maris" diente als Vorbild. Sie ist als Fährschiff Ende der sechziger Jahre in der Rostocker Flender-Werft vom Stapel gelaufen. Der Kreuzfahrer ist im Original gute 116 Meter lang, etwa 16 Meter breit und kann hunderte Passagiere beherbergen. Ein Traumschiff ist es, das schon oft den Besitzer wechselte. Jetzt gehört das schwimmende Hotel - Kosten etwa 200 Millionen Euro - einem griechischen Milliardär , der damit regelmäßig die Trauminseln des Mittelmeers ansteuern lässt.

Dass Joachim Bürklen und seine Mitstreiter die stolze Regina Maris originalgetreu nachbauen konnten, verdanken sie der Werft. Sie lieferte seinerzeit die Modellbaupläne gleich mit. Unbedarfte Beobachter lässt allein der Anblick der komplizierten technischen Zeichnungen erst einmal verzweifeln. "Ein ungeübter Hobbybastler könnte mit dem Modellplan nichts anfangen", weiß der Mechaniker und Vorrichtungsfachmann Wolfgang Ziener. Der 57-Jährige ist wie die anderen in der Gruppe ein leidenschaftlicher Modellbauer. Schifffahrt fasziniere ihn generell, sagt er. "Was wir hier machen, hat mit Kreuzfahrten ansonsten übrigens wenig zu tun." Es gehe um die Liebe zum Detail. Und natürlich müsse ein Modellschiff auch in richtigen Seen und Flüssen fahren können.

Um das zu gewährleisten, arbeiten die Modellbauer millimetergenau. Grundsätzlich gilt: Der Schwerpunkt eines Schiffes muss immer tief liefen. Auch müssen die Heimwerker den Innenraum freilassen, unter anderem für die ganze Elektrik - sonst bleibt kein Platz, um die Fernsteuerung anzuschließen. Bei ihrer Materialauswahl haben die Leonberger Clubmitglieder dagegen mehr Möglichkeiten.

Im Fall der MS Leonberg haben sie die komplette Hülle, die "Beplankung", aus dünnem Pappelsperrholz hergestellt. "Man könnte auch Birkenholz oder Kunststoff verwenden", sagt Bürklen, der bereits mit 14 Jahren den Modellbau als großes Hobby entdeckt hat. Der Vorteil des Pappelsperrholzes aber sei seine hohe Elastizität und seine enorme Biegsamkeit. Eine Grundierung mit wasserlöslichen Farben macht das Holz haltbar.

Die MS Leonberg ist zwar ihr Flaggschiff und Prunkstück, daneben haben die Modellbauer aber bereits mehr als 100 Modelle vom Stapel laufen lassen. Polizeiboote und Raddampfer finden sich in ihrem Sortiment, ebenso wie Frachter und sogar U-Boote. Nur an den Stolz der deutschen Seefahrt, das legendäre Segelschiff Gorch Fock, haben sie sich noch nicht herangetraut. "Auch wenn es andernorts Verrückte gibt, die das in Angriff genommen haben", sagt Bürklen. Besonders die Anordnung der Segel stelle jeden Modellbauer vor fast unüberwindliche Hürden.

Der neunjährige Pascal hat hingegen bei seinem jüngsten Projekt alle Hürden überwunden. Er hat sein Einstiegsmodell, eine Motoryacht, erfolgreich zusammengesetzt. Nun will er mit dabei sein, wenn die Vereinsmitglieder ihren Luxusliner MS Leonberg nicht im geschützten Parksee, sondern im rauen Bodensee zu Wasser lassen. Im kommenden Sommer soll der Miniatur-Kreuzfahrer nämlich zwischen Dinkelsdorf und Überlingen in See stechen. "Ich hoffe, dass der Wind nicht so stark ist", bangt Otto Thalheimer, der Gesamt-Vorsitzende des Modellbauvereins "Schon 40 Zentimeter hohe Wellen könnten die MS Leonberg in große Seenot bringen."





09.09.2010 - aktualisiert: 09.09.2010 06:10 Uhr

 






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