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Verlässliche Pause für die Angehörigen

Ludwigsburg Wer andere pflegt, kann nicht ohne weiteres in den Urlaub. Von Franziska Kleiner
 

Plötzlich seien Angehörige mit ihrem pflegebedürftigen Verwandten und gepackten Koffern vor der Tür des Hauses Guldenhof gestanden und hätten für den Senior einen Kurzzeitpflegeplatz gefordert: auch das sei schon im Hirschlander Pflegezentrum vorgekommen, berichtet die Verwaltungschefin Silke Bötz-Lange. Mit viel Glück ist kurzfristig einer der sieben Kurzzeitpflegeplätze zu haben. Doch die Regel ist das nicht. Man sei "gut ausgelastet", heißt es nicht nur im Guldenhof, sondern ist rundum im Strohgäu aus den Altenpflegeeinrichtungen zu hören.

Wer seinen Angehörigen daheim Tag und Nacht versorgt, will bisweilen allein Urlaub machen. Um den Vater oder die Mutter in dieser Zeit gut versorgt zu wissen, sollte man sich am besten schon zum Jahresbeginn um einen Kurzzeitpflegeplatz bemühen, empfehlen die Pflegezentren. Im Spitalhof Münchingen gibt es zwei Kurzzeitplätze, einer davon werde das gesamte Jahr über als Ferienplatz belegt, sagt die Verwaltungsmitarbeiterin Gisela Weber: "Wer für den Sommer einen Platz braucht, sollte im Februar buchen."

Im Guldenhof werden inzwischen schon Stammgäste begrüßt. Wiederkehrende Gäste kennt man aber auch in den Pflegehotels im Ellental in Bietigheim sowie im Ludwigsburger Elisa Seniorenstift. Im Ellental stehen 20 Apartments für diesen Zweck zur Verfügung und in dem von Doris Linhart-Beck geleiteten Ludwigsburger Pflegehotel werden seit dem vergangenen Jahr sieben Plätze angeboten. Man habe eine "Marktlücke erkannt und darauf reagiert", sagt die Mitarbeiterin Ute Knoblich.

Die Hotelgäste brauchen zwar Hilfen im Alltag, wie sie etwa ein ambulanter Pflegedienst bei der Morgentoilette leistet. Ihren Alltag aber meistern sie selbstständig, doch sind sie bei Bedarf umsorgt und nicht allein. "Mit Kurzzeitpflege hat das nichts tun", stellt Knoblich klar. Der Gast erhalte für seinen Aufenthalt zwei Rechnungen: Eine für die Hotelleistungen, die andere für die Pflegeleistungen, die mit der Krankenkasse abgerechnet werden.

Kurzzeitpflege hingegen bedeutet eine vorübergehende Betreuung in einer vollstationären Einrichtung. Die Pflegeversicherung übernimmt die Kosten in der Regel für längstens vier Wochen im Jahr. Kreisweit sind 133 Kurzzeitpflegeplätze bekannt. Der Bau von Pflegeheimen wird vom Land, den Landkreisen und Kommunen gemeinsam finanziert. Sie werden reagieren müssen, denn der Bedarf sowohl an Kurzzeit- als auch an Dauerpflegeplätzen steige, bestätigt Andreas Fritz, der Sprecher des Landratsamtes. Für den Zeitraum 2005 bis 2020 gehen die Planer von einer Steigerung um 41 Prozent aus. Derzeit gibt es 3561 Pflegeplätze, knapp 300 mehr, als nach dem Kreispflegeplan vorgesehen. "Pflegende Angehörige brauchen verlässliche Pausen. Die Kurzzeitpflege stellt hier eine adäquate Versorgungsform für die Pflegebedürftigen dar", sagt Fritz.





09.09.2010 - aktualisiert: 09.09.2010 06:09 Uhr

 






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