Marbach Unerbittlich mit der eigenen Angst konfrontiert worden sind Kinder nächtens bei den verfluchten Ferien. Von Astrid Killinger
In der Tat lässt das Sommerferien-Programm des Jugendhauses Planet-x keine Zweifel aufkommen, dass es Ernst macht mit dem diesjährigen Motto "Reise durch Transsylvanien". Für dieses "schlimme Mitmach-Abenteuer für Kinder von sechs bis zwölf Jahren" werden "Katastrophen in pechschwarzen Nächten" prophezeit und es wird gleich klargestellt: "Weinen hilft nicht". Dabei könnte manch eines der insgesamt 15 Kinder in den zwei Nächten schon gleich am Anfang heulen. Eine völlig in Schwarz gehüllte, gesichtlose "Wächterin der Nacht" nimmt beim Eintritt von jedem eine Blutprobe. Dazu wird auf eine Oblate gespuckt. Je nachdem, wie der darauf gestreute Zucker reagiert, lautet die Blutgruppe ätzend, sauer oder gallig. Obwohl bei der nächsten Station zwei unverkleidete Helferinnen ganz freundlich fragen, wer zum Frühstück am nächsten Morgen kalten oder warmen Kakao oder lieber Tee möchte, bekommen manche Kinder Magengrimmen, denn gleichzeitig sollen sie jetzt das Teigblättchen mit der eigenen Spucke schlucken. Das erscheint manchen schlimmer als die Blutabnahme beim Doktor, und sie laufen mit der Oblate zum Abfalleimer. Schon etwas abgehärtet durch diesen Eingangstest trinken sie kurz darauf im Sitzkreis tapfer ein "Zeugs", das die Wächterin der Nacht unter dramatischer Musikbegleitung in einer Schüssel hereingetragen hat. Dann geht es mit den Fackeln, die eine Ecke des von Spinnweben durchzogenen Raums erhellen, hinaus in die Nacht.
Schon richtig in transsylvanische Stimmung versetzt, sieht ein Junge Mumien aus dem Acker emporsteigen. "Was passiert, springt einer raus, kommt die Feuerwehr?" Während die Kinder sehr aufgeregt sind, geben sich die Betreuerinnen ahnungslos, auch dann, als sich von hinten langsam ein Licht nähert, das immer wieder ausgeht. Plötzlich schreit jemand "Der Sensenmann", und die kleine Gruppe fängt schreiend zu rennen an. Ein Junge aber, vielleicht der, der auch von den anderen etwas Mut forderte, dreht sich abrupt um, sagt "Jetzt reicht"s" und geht mit seiner Taschenlampe auf das Licht zu. Hervor kommt Betreuerin Jeanette, die dann noch ein paar "nette" Geschichten zum Besten gibt, wie die vom Radfahrer mit dem Kopf unterm Arm.
Obwohl der Mond nicht scheint, ist auch vom Werwolf die Rede, und plötzlich springt mit wildem Geschrei eine Gestalt aus dem Maisfeld. Rasch löst sich der Schreck in Lachen auf, denn das Ungetüm war nur Betreuerin Tanita. "Wir dürfen uns nicht erschrecken", mahnt ein Mädchen, als es durch eine enge, geheimnisvolle Baumallee geht. Die Kinder kuscheln sich an Betreuerinnen oder aneinander, und dann ist endlich das Licht des Jugendhauses wieder in Sicht. Dort können sie Holz für ein Lagerfeuer suchen, Spinnen basteln, Fratzen malen, beim Werwolfeierdraculafleischragout herstellen helfen und sich gebackene Geisterbananen schmecken lassen. Vom kurzen Schlaf auf dem Matratzenlager werden sie dann schon um sechs Uhr morgens mit dem Dracula-Cha-Cha-Cha geweckt werden.
09.09.2010 - aktualisiert: 09.09.2010 19:48 Uhr
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