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Was bisher geschah Unmögliche Möglichkeiten

Rückblick Im Kreis geht es so rund, dass einem leicht schwindelig wird. Diese Woche: von Nachrückern und Nachmachern.
 

In Wahrheit ist es doch so, dass derjenige zum Arzt gehen sollte, der keine Visionen hat. Schließlich muss man immer wieder das Unmögliche versuchen, damit das Mögliche entsteht. Das hat der kluge Hermann Hesse gewusst, den zwar schon vor 48 Jahren das Zeitliche gesegnet hat, doch in Ludwigsburg bemüht man sich, sein Andenken in Ehren zu halten. Zumindest geschieht hier ziemlich viel Unmögliches. Oder hätte es jemand für möglich gehalten, dass ausgerechnet das Ludwigsburger Porzellan dem so genannten Film- und Medienstandort neuen Glanz verleiht?

Genau das plant die Hamburger Ozcapital. Falls (!!!) sie die Manufaktur kaufen darf, will sie die feinen Produkte im Fernsehen groß rausbringen. Aus der Sicht eines unmöglichen Wochenrückblicks ist so ein Product-Placement eine ausgezeichnete Idee. Die Kaffeekränzchen bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" werden mit Ludwigsburger Hilfe noch besser; ein Kapitänsdinner auf dem "Traumschiff" hat gleich mehr Stil und Scherben aus der Barockstadt bringen den Liebenden von Rosamunde Pilcher unerträglich viel Glück. Vom Glück der Porzellanproduzenten ganz zu schweigen.

Wobei in dieser hochtechnisierten Welt keine Manufaktur mehr nötig ist, um Scherben zu produzieren. Stoff für alle möglichen Drehbücher bietet auch die Politik. Kaum war dem Roten Kreuz aufgegangen, dass eine Mitarbeiterin in die Kasse gegriffen hatte, gab diese zwar nicht das Geld zurück, dafür aber ihre Ämter als Kommunalpolitikerin der SPD. Weil dies dramaturgisch viel zu schwach gewesen wäre, nimmt die gewählte Nachfolgerin das Ratsmandat einfach nicht an. Nicht, weil Andrea Vogt durch unehrenhaftes Verhalten aufzufallen drohte, sondern - ganz einfach - weil ihr eingefallen ist, dass sie keine Zeit hat.

Spätestens da zeigt sich, wie clever es von der CDU ist, dass sie ihren Ralf Siegmund auf seinem Stühlchen sitzen lässt. Würde der Finanzjongleur den Gemeinderat verlassen, folgte ihm ein Ex-Stadtrat nach, der mutmaßlich nicht ohne Grund zum Ex wurde - nachdem er betrunken und ohne Führerschein am Steuer erwischt worden war. Kommunalpolitiker sind halt auch nur Menschen. Deshalb ist die neue Nähe zwischen SPD und CDU fast schon rührend. Auch in Hemmingen. Dort hat Wolfgang Stehmer eine Anfrage an seinen Landtag geschickt, in der er Auskunft über die Hilfsfristen des Rettungsdienstes im Landkreis wünscht. Dass sein Landtagskollege von der CDU drei Tage zuvor dieselbe Anfrage für den Landkreis Calw stellte, liegt natürlich nur daran, dass Politiker stets Brüder im Geiste sind.

Wohlan, nicht ist unmöglich. ena





08.09.2010 - aktualisiert: 08.09.2010 06:11 Uhr

 






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