Erwin Wawra von der Deutschen Bahn führt die Besucher am Tag des offenen Denkmals durch das Stellwerk 8.
Das Stellwerk ist aus dem Jahr 1918, seine Technik also fast 100 Jahre alt. Ein Zeugnis der Eisenbahntechnik und -sicherheit aus dieser Zeit gibt es heute nur noch sehr selten. Man kann in dem mechanischen Stellwerk sehen, wie die Zugstraßen einmal gesichert wurden. Und das Besondere daran: Das Stellwerk befindet sich noch an seiner eigentlichen Wirkungsstätte, also genau dort, wo noch immer der Betrieb des Rangierbahnhofs herrscht. Ein Besuch des Stellwerks hat damit eine ganz andere Qualität als beispielsweise die Besichtigung eines Lehrstellwerks.
Warum wurde das Stellwerk unter Denkmalschutz gestellt?
Das Stellwerk 8, ebenso wie das Stellwerk 10, verfügen über Details, die erhaltenswert sind. Die Form der Fenster, aus denen heraus der Bahnverkehrs beobachtet wurde, ist im Stellwerk 10 beispielsweise einzigartig - solche Fenster gibt es in heutiger Zeit nicht mehr.
Wie kommt es überhaupt, dass das Stellwerk nach fast 100 Jahren noch in einem so guten Zustand ist?
Das Stellwerk war bis vor einem Jahr noch in Betrieb. Erst im Juni des Jahres 2009 wurde er eingestellt. Entsprechend wurde das Stellwerk über all die Jahre hinweg immer sehr gut gewartet. Wenn zum Beispiel etwas kaputt war, musste der Ersatz einzeln angefertigt werden. Das war natürlich sehr aufwändig. Der Betrieb der mechanischen Stellwerke war außerdem sehr personalintensiv - zu bestimmten Zeiten, je nach Betriebsgeschehen, waren die Stellwerke 8 und 9 mit zwei Mann besetzt.
War das auch ein Grund dafür, warum der Betrieb schließlich eingestellt wurde?
Wir haben die mechanischen Stellwerke letztlich aus wirtschaftlichen Gründen eingespart. Die Technik selbst war bis zuletzt kaum störungsanfällig. Doch dann wurden die elektronischen Stellwerke gebaut.
Wie viele der alten Stellwerke gibt es denn noch auf dem Rangierbahnhof?
Zur Blütezeit des Bahnhofs, der zwischen 1918 und 1920 gebaut wurde, gab es 18 Stellwerke. Bereits in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, mit der Einführung der Relaistechnik, wurden schon eine Menge Stellwerke eingespart. Heute sind nur noch vier davon in Betrieb. Zusätzlich wird, nachdem vor einigen Jahren der Umschlagbahnhof Ludwigsburg geschlossen wurde, vom hiesigen Rangierbahnhof aus auch der Umschlagbahnhof in Kornwestheim mitbedient.
Die Fragen stellte Gaby Mayer-Grum.
08.09.2010 - aktualisiert: 08.09.2010 06:11 Uhr
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