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Alt und Jung kommen auf einer rhythmischen Welle zusammen

Avanti

Marbach Über das Trommeln im Grünen lacht längst niemand mehr - außer der Sonne. Von Astrid Killinger
 

Es war ein Spätsommersonntag, und das Wetter war schön. Wie jedesmal, wenn die Marbacher Grünen im Grünen trommeln. Unter den alten Bäumen auf der Wiese am Neckar neben dem Bootshaus haben sie Bänke im Halbrund aufgestellt. Alt und Jung lassen sich mit ihren mitgebrachten Trommeln darauf nieder und machen ohne Dirigent einfach zusammen Rhythmus. "Es ist schön, wenn man auf einer Welle zusammen kommt", versucht Andreas Roll das Gefühl zu beschreiben, wenn sich trotz fehlender Anleitung immer wieder eine Harmonie einstellt. Der Sprecher des Ortsvereins von Bündnis 90/Die Grünen hatte vor Jahren die zuerst teils belächelte Idee, so ein Trommel-Treffen für jedermann unter freiem Himmel zu organisieren. Zum vierten Mal hat es jetzt gegen Ende der großen Ferien stattgefunden, und zum vierten Mal haben die Grünen Glück mit dem Wetter, freut sich Roll. Er hat außerdem festgestellt, dass es für viele eine der wenigen Gelegenheiten sei, ihre zuhause herumstehenden Trommeln zum Tönen zu bringen.

Es ist sommerlich genug, so dass weitere Gäste Decken auf dem Gras ausbreiten. Ein Vater streckt sich zum Nickerchen aus, das Töchterchen belagert ihn mit einer kleinen Trommel, und schon musizieren die beiden vierhändig aus dem Untergrund mit. Fürs Picknick-Gefühl gibt es Getränke vom eigens aufgebauten Stand unter grüner Zeltplane, der auch von radelnden und wandernden Passanten in Anspruch genommen wird. Trotz des Getrommels, das sich irgendwie mit dem lauen Lüftchen zu verbinden scheint, versprüht der Ort sonntägliche Ruhe und beschert die Erkenntnis, dass Zeit relativ ist. Dass scheinbar sinnfrei dahin geronnene durchaus gewonnene Stunden sein können. Ein Spruch von Astrid Lindgren taucht aus der Erinnerung empor, demnach es möglich sein müsse, einfach mal da zu sitzen und vor sich hinzuschauen. Die Trommler schauen aber nicht nur vor sich hin, sondern einander an, kommunizieren stress- und hierarchiefrei im Spiel, das schon Schiller als den Raum für menschliche Freiheit ansah. Das schnelle Treiben der Straße und der S-Bahn an den Horizontlinien rückt in weite Ferne. Beständig werden Spaziergänger von dieser kleinen Insel angezogen, in der das Einfache der wahre Luxus ist. Ein Mann gesetzteren Alters klopft in Ermangelung einer eigenen Trommel auf seine Knie.

Einfallsreich war auch Lara Heinz. Die Tochter von Vorstand Hans-Dietrich Heinz hatte eine Keksdose zur Trommel umfunktioniert. Damit hat sie einen der obligatorischen Preise der Trommelprämierung in Form eines Eisgutscheines gewonnen. Besonders gefallen hat der dreiköpfigen Vorstandsjury, zu der neben Heinz und Roll noch Karin Moll gehörte, auch das Instrument von Ralf Niehues. In wochenlanger Arbeit hat er es während eines Afrikaaufenthalts aus Holz und Antilopenhaut hergestellt. Mit seinem Tanz zu den Trommelklängen hat Niehues spontan für einen Höhepunkt der dreistündigen Veranstaltung gesorgt. Von den Stuttgarter Protesttrommlern gegen das Bahnprojekt S21 hat sich einer auf den Weg nach Marbach gemacht, wo er sich aber ganz der streitfreien Sonntagsstimmung ergab.





07.09.2010 - aktualisiert: 07.09.2010 15:41 Uhr

 






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