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Das Pferd als Freund und Therapeut

Avanti

Marbach Die Haflingerstute Moni verhilft Kindern, kranken und behinderten Menschen zu mehr Körpergefühl. Von Frank Wittmer
 

Mara hat sich unheimlich auf ihre Reitstunde gefreut. Die groß gewachsene Vierjährige ist bei Nathalie Dieterich in der Reittherapie. Nicht, dass der fröhlichen Mara etwas fehlen würde. "Aber man merkt es schon, wenn sie ein paar Wochen nicht bei den Pferden war", sagt ihre Mutter Andrea. "Sie hat dann keine Lust und traut sich dies und das nicht. Nach dem Reiten ist Mara aber immer total stolz und schafft Dinge, die sie sich sonst nicht traut."

Mara versucht, auf dem Pferderücken balancierend Ringe zu werfen. Plötzlich macht das Pferd einen kleinen Ausfallschritt, nichts Gefährliches, aber eine Bewegung eben. Blitzschnell korrigiert Mara ihren Sitz und wirft die Ringe weiter, als ob nichts gewesen wäre. "Das ist fürs Körpergefühl ganz wichtig, zu spüren, dass das Pferd eben nicht still stehen bleibt", erklärt Nathalie Dieterich.

Die Marbacherin hat vor zwei Jahre aus ihrer physiotherapeutischen Praxis heraus die Therapieformen auf dem Pferderücken weiter entwickelt (siehe Nachgefragt). Das Pferd ersetzt zunächst nur die "bewegte Unterlage". "In der physiotherapeutischen Praxis machen wir viele Übungen mit einer Wippe oder auf einem Trampolin, um eine zusätzliche Dimension in die Bewegung zu bringen", so Nathalie Dieterich.

Das sanfte Schaukeln auf dem Pferderücken löst Bewegungen aus, die das Kind von selbst nicht bewerkstelligen könnte, weil es durch Bewegungsstörungen, Lähmungen oder Spastiken eingeschränkt ist. "Auf dem Pferderücken geht es in allen drei Dimensionen auf und ab, hin und her, vor und zurück, das ist für die Therapie deshalb so interessant, weil es die menschlichen Bewegungen perfekt nachahmt", sagt Nathalie Dieterich. Was auch Gesunden sehr gut tut. "Rückenschule auf dem Pferd ist für manchen Büromenschen eine wahre Wohltat."

Aber die elfjährige, speziell ausgebildete Haflingerstute Moni ist mehr als nur der verlängerte Arm des Therapeuten. "Sie ist sehr sozial und reagiert auf alles, was die Kinder machen." Nathalie Dieterich ist es wichtig, dass die kleinen Patienten erst einmal Kontakt mit dem Pferd aufnehmen. "Viele Kinder sind unsicher und fassen erst nach und nach Vertrauen zum Pferd."

Für introvertierte oder sogar depressiv veranlagte Kinder oder Erwachsene sei es schon eine große Leistung, überhaupt auf das Pferd zu sitzen und eine Runde zu drehen. Zur Sicherheit wird das Pferd "an der langen Leine" geführt. Freundin Nathalie Schunk führt das Pferd von hinten, so dass die Kinder gar nichts davon merken. Geistig oder körperlich behinderte Kinder erleben so ein wahres Hochgefühl, wenn sie zum ersten Mal vom Pferderücken aus die Welt überblicken.

Autistischen Menschen kann das Tier ein Körpergefühl vermitteln. "Das Pferd gibt seine 500 Kilo geballte Kraft an den kleinen und manchmal allzu schwachen Reiter weiter." Da reicht es oft schon, bäuchlings auf dem Pferderücken zu liegen, und zu spüren, wie Stute Moni atmet.

Das schönste heben sich die beiden für den Schluss der Reitstunde auf. Ein kleiner, aber deutlicher Befehl und Moni wechselt vom Schritt in den Trab. Mara lacht. "Die Kinder finden es lustig, mal richtig durchgerüttelt zu werden", freut sich auch Nathalie Dieterich. "Dann lachen, schreien und juchzen sie aus vollem Herzen und sie werden auch immer mitteilsamer. Am Ende einer Stunde gehen sie dann voller Stolz zu ihren Eltern und erzählen, was sie erlebt haben."

Weitere Informationen im Internet unter http://www.reittherapie-pferdestaerken.de.





07.09.2010 - aktualisiert: 07.09.2010 19:21 Uhr

 






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