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Hickhack um Kosten sorgt für böses Blut

Z1020 Martin Schutt

Oberstenfeld Der Patient Karl-Albrecht Wagner versteht das Verhalten seiner Krankenkasse nicht. Von Oliver von Schaewen
 

Blut ist ein kostbares Gut. Wer zu wenig davon hat, braucht fremdes. Auf Spenden angewiesen ist der Anämiker Karl-Albrecht Wagner. Der 71-Jährige lebt in Oberstenfeld und bekommt dort bei seinem Hausarzt Dr. Manfred Frenzel bisher regelmäßig die dringend notwendigen Bluttransfusionen. Das Verfahren dabei: Frenzel nimmt dem Patienten Blut ab, lässt es per Taxi zum Klinikum in Ludwigsburg fahren. Dort wird untersucht, ob es mit dem Spenderblut verträglich ist. Und in einer weiteren Taxifahrt gelangt das fremde Blut zu Frenzels Praxis, wo es dem Patienten Wagner zugeführt wird.

So weit, so gut. Vermutlich hätte alles seinen gewohnten Gang genommen, wenn Wagners Krankenkasse mhplus in Ludwigsburg sich nicht geweigert hätte, die Transportkosten für das Blut zu übernehmen. "Ich dachte, ich höre nicht richtig", sagt Wagner, als er davon erfuhr, dass sein Arzt die Transportkosten aus dessen Budget übernehmen sollte. Täte er das nicht, müsste Wagner zur Bluttransfusion den rund 30 Kilometer langen Weg zum Ludwigsburger Klinikum auf sich nehmen. Was aus Sicht des Oberstenfelders einem Schildbürgerstreich gleicht: "Ich werde für drei Tage, also mit zwei Übernachtungen ins Krankenhaus eingewiesen - Hinfahrt per Taxi, Rückfahrt ebenso. Hier fragt man sich doch: Was ist preiswerter?"

Auf Seiten der Krankenkasse mhplus glaubt man, alles richtig gemacht zu haben. "Für jede Behandlungsart gibt es eine Ziffer", erklärt der Kundenberater Andreas Tresp. Er beruft sich darauf, dass die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Baden-Württemberg mit den Krankenkassen vereinbart habe, die Transportkosten für Blut in das Arztbudget für diesen Behandlungstyp einfließen zu lassen. Diese Regelung sei zum 1. Januar 2009 eingeführt worden. Dass ein Hausarzt überhaupt eine solche Transfusion in seiner Praxis vornehme, sei eine Ausnahme. "Die meisten Hausärzte überweisen ihre Patienten in Krankenhäuser." Dort könnten etwaigen Komplikationen besser begegnet werden. Dieser Aspekt sei wichtiger als die reine Kostenersparnis.

Für den Arzt Dr. Manfred Frenzel hat das Hickhack um die Transportkosten für das Blut erst in dieser Woche geendet. Die Kassenärztliche Vereinigung übernimmt die Kosten, jedoch erst bei der Honorarabrechnung Anfang des kommenden Jahres. Den Zinsverlust muss er tragen. "Es ist schade, dass Patienten und Ärzte zu Rädchen im Getriebe werden", sagt Frenzel. Die Verwaltungsmitarbeiter der Krankenkassen hätten heute kaum Entscheidungsspielräume, weil er sich an Vorgaben halten müssten. Dadurch könnten sie auf solche Einzelfälle nicht mehr eingehen.

Auf das Prinzip der Kostenkontrolle weist dagegen der mhplus-Kundenberater Andreas Tresp hin. "Wir müssen stärker prüfen, wofür die Gelder eines Budgets eingesetzt werden." Dass Ärzte einzelne Posten vorfinanzieren, dürfe nicht einseitig den Krankenkassen angelastet werden. Denn sie stellten den Medizinern Budgets auch im Voraus zur Verfügung.





03.09.2010 - aktualisiert: 03.09.2010 17:42 Uhr

 






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