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Der Wind weht gute Wünsche gen Himmel

Melanie Braun

Marbach. Helga Waibel stellt nach dem Vorbild tibetischer
Gebetsketten deutsche Wunschfahnen her. Von Melanie Braun
 

Wer Helga Waibel kennen lernt, merkt schnell: Diese Frau ist Optimistin. Sie lacht gerne, erzählt mit Begeisterung von Reisen in ferne Länder und neuen Erfahrungen - und will ihre positive Einstellung an andere weitergeben. Sie weiß auch schon wie: mit Hilfe von Wunschfahnen.
Seit Wochen nutzt die 42-Jährige die freien Stunden neben ihrer beruflichen Tätigkeit als Physiotherapeutin, um die Fahnen selbst herzustellen. Sie sollen genauso sein, wie sie es sich vorstellt. Vorbild für Helga Waibels Kreation sind die traditionellen tibetischen Gebetsfahnen. Die kleinen rechteckigen Flaggen in leuchtenden Farben spielen im tibetischen Buddhismus eine große Rolle.

Kennengelernt hat Helga Waibel diese bei einem Besuch in Dharamsala, dem Sitz der tibetischen Exilregierung in Nordindien. "Dort hängen die überall", schwärmt die Marbacherin. Sie werden draußen angebracht, damit sie im Wind wehen können. "Die Idee dahinter ist, dass so die Gebete und guten Wünsche in den Himmel geschickt werden", erklärt Waibel. Es sei durchaus erwünscht, dass die Flaggen zerfleddern, denn "mit jedem Faden verbreiten sich die guten Wünsche weiter". Wenn es jemandem schlecht geht, werden besonders viele Gebetsketten rund um dessen Haus befestigt, um ihm Mut zu machen. "Manchmal sind das ganze Fahnenhaufen", erzählt die Physiotherapeutin mit leuchtenden Augen. "Ich finde das eine sehr schöne Idee." So gebe es immer wieder einen positiven Input in die Welt.

Nun möchte Helga Waibel dafür sorgen, dass sich die Fahnenketten auch hier in Deutschland etablieren. "Mein Ziel ist es, dass irgendwann mindestens genauso viele solcher Flaggen hier hängen wie dort", sagt die Marbacherin.

In der Tat seien die Gebetsfahnen in Deutschland ja nicht ganz unbekannt. "Aber die Texte darauf sind auf tibetisch geschrieben, das versteht ja keiner", bedauert Waibel. Deshalb hat sie nun Sätze auf Deutsch formuliert, die sie bei einer kleinen Firma auf bunten Stoff drucken lässt. "Eine Eins-zu-eins-Übersetzung der tibetischen Texte hätte nichts gebracht", findet sie. Denn die enthielten zu viele buddhistische Bilder und Symbole, die für westlich geprägte Menschen nicht zugänglich seien. "Ich wollte aber Worte, die uns ansprechen und uns etwas sagen", erklärt die Marbacherin. Daher habe sie die tibetischen Wünsche lediglich sinngemäß übersetzt. Zwei verschiedene Textversionen hat Helga Waibel erarbeitet: Eine, in der die Erde im Vordergrund steht und eine mit Wünschen für Kinder. Nun stehen Sätze wie "Danke für all die verschiedenen mannigfaltigen Landschaften und die perfekt abgestimmten Abläufe in der Natur" oder "Mögen wir zu unser aller Wohl lernen, partnerschaftlich miteinander umzugehen und nicht zu konkurrieren" auf den Erdfahnen und eine Hommage an kindliche Eigenschaften auf den Kinderfahnen.

Doch nicht nur die Texte hat die Marbacherin selbst gemacht. Von einem Händler lässt sie sich Stoffbahnen in den fünf verschiedenen Farben der Gebetsfahnen (blau, weiß, rot, grün und gelb) kommen, schneidet sie selbst zu, lässt sie bedrucken und näht sie anschließend in Handarbeit zu Ketten zusammen. "Die erste Auflage ist fast schon weg", freut sich Helga Waibel. Immerhin waren das jeweils 130 Erd- und 130 Kinderfahnen. "Aber ich habe auch viele davon verschenkt", räumt sie ein.

Das soll in Zukunft nicht mehr so sein. Nicht, weil die Marbacherin mit den Fahnen reich werden will, sondern weil sie den Erlös wohltätigen Zwecken spenden will. Das könnte das "Tibetan Children's Village" in Dharamsala sein, das Helga Waibel schon mehrfach besucht hat. Dort werden tibetische Kinder aufgenommen, die nach Indien geflüchtet sind. "Aber ich will auch hier etwas tun", betont sie. Der Erlös der Kinderfahnen soll jedenfalls verschiedenen Initiativen für Kinder zugute kommen, der aus dem Verkauf der Erdfahnen Umweltprojekten.

Obwohl die Physiotherapeutin derzeit damit beschäftigt ist, ihre eigene Praxis samt einem Laden in der Niklastorstraße einzurichten, arbeitet sie fleißig am zweiten Schub ihrer ganz persönlichen Wunschfahnen. Und sie lässt sich dabei keine Bedenken anmerken, dass ihre Idee nicht funktionieren könnte - eine Optimistin eben.

Verkauf Die Wunschfahnen sind zum Preis von 9,80 Euro (kleinere Version) beziehungsweise 10,80 Euro (größere Fahnen) bei der Marbacherin Helga Waibel erhältlich. Informationen und Bestellmöglichkeiten unter http://www.wai-do.de oder unter Telefon 07144/8971596.





31.08.2010 - aktualisiert: 31.08.2010 18:36 Uhr

 






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