Beilstein Beim Training der Handball-Jugend-Nationalmannschaft ist die Stimmung am Dienstag gedrückt gewesen. Der ehemalige Kleinbottwarer Patrick Zieker fällt für die EM wohl aus. Von Julia Spors
Nachdenklich tribbelt er auf der Stelle herum, ruft dann die Mannschaft zusammen. "Wir dürfen den Kopf nicht hängen lassen", fordert er eindringlich mit lauter und motivierender Stimme. Die Jugendlichen sind trotzdem betrübt. Denn: Patrick Zieker, einer der Köpfe der Mannschaft, wird voraussichtlich bei der Europameisterschaft in Montenegro ausfallen. Sicher ist das zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht. "Wir müssen abwarten, was der Arzt sagt", erklärt Schwarzer und schickt seine Mannschaft zum Dehnen.
Ein paar Minuten später geht die Türe auf. Patrick Zieker kommt mit hängendem Kopf in die Langhanshalle, geht zu Trainer Christian Schwarzer und unterhält sich lange mit ihm. Danach läuft er zu seinem Team aufs Feld, verkündet die Diagnose: Meniskusriss im Knie. Tränen laufen dem Nachwuchstalent dabei übers Gesicht, einige seiner Kameraden weinen mit, nehmen den Spieler der SG BBM Bietigheim dann in ihre Mitte und sprechen ihm aufmunternde Worte zu. Danach setzt sich Zieker an den Hallenrand, schüttelt immer wieder den Kopf. "Das habe ich mir wirklich ganz anders vorgestellt", sagt er geknickt. "Ganz, ganz anders." Drei Tage lang hatte Zieker leichte Schmerzen im Knie, ging deshalb zum Arzt. Der erklärte ihm nun, dass die Schmerzen schlimmer werden können, wenn er weiterspielt. Im schlimmsten Fall riskiert er damit eine dauerhaften Schädigung des Gelenkknorpels und damit seine Karriere.
Deshalb hat der ehemalige Kleinbottwarer jetzt die Wahl - jedoch eine, die kein Sportler gerne haben möchte. Will er bei der Europameisterschaft mitspielen, geht das nur mit Medikamten. Lässt er sich sofort operieren, ist die EM im August durch die Regenerationsphase in jedem Fall für den 16-Jährigen gelaufen. "Ich weiß wirklich nicht, was ich jetzt machen soll", sagt er zu seinem Dilemma. Entscheiden muss das Nachwuchstalent das nun alleine. Trainer und Mannschaft mischen sich dabei nicht ein, auch wenn sie Torjäger Zieker gerne in ihren Reihen hätten. Sieben Tore erzielte er alleine im ersten Testspiel gegen die Slowakei, war damit bester Torschütze im deutschen Team. In den Spielen zwei und drei steuerte er fünf Treffer bei.
Im Gästehaus Krone in Gronau kann er sich nun die kommenden Tage Gedanken machen, sich zudem von seinen Teamkameraden trösten lassen. Und die sind alle für ihren Linksaußen da. Denn: Teamgeist gehört mit zur Pyramide des Erfolges. Und diese hängt für alle sichtbar an der Hallenwand. Auch als Zieker seinen Kollegen die Hiobsbotschaft überbringt.
29.07.2010 - aktualisiert: 29.07.2010 06:07 Uhr
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