Ludwigsburg Das neue Internat gefällt den Schülern prima, doch es dürften noch ein paar mehr werden. Von Verena Mayer
Dabei war Jonathan, der mit Nachname Maier heißt, zunächst gar nicht sicher, ob er das will: Ausziehen von zu Hause, mit vielen Fremden unter einem Dach wohnen, seinen bisherigen Verein verlassen. "Das war eine schwierige Entscheidung", sagt der 17-Jährige, der mehr als zwei Meter groß ist, und sich letztlich auf das Wagnis eingelassen hat. Nun hängt an der Wand in seinem Zimmer nicht nur ein Poster seines Basketball-Idols David Mc Cray, der Nachwuchsspieler trifft den gelben Riesen gelegentlich auch persönlich. Beide spielen für die EnBW Ludwigsburg.
Das Sportinternat in der Kaiserstraße soll eine Kaderschmiede für den sportlichen Nachwuchs werden. Seit vorigem September werden seine Bewohner so betreut, dass sie Zeit zum Trainieren haben und die Schule trotzdem nicht zu kurz kommt. "Die Bedingungen für die Athleten sind hervorragend", pries der Präsident des Landessportverbandes die neue Einrichtung vor der Eröffnung. Die sanierte Königin-Olga-Kaserne befindet sich neben dem Bildungszentrum West und dessen Sportstätten. "Wir brauchen uns nicht zu verstecken", sagt Reiner Braun, der Basketball-Landestrainer ist und einer der drei Geschäftsführer. Im Herbst werden dort 14 Schüler zwischen 14 und 17 Jahre wohnen, sie kommen aus ganz Baden-Württemberg und sogar aus der Schweiz.
Mara Benz kommt aus Nagold. Seit sie in Ludwigsburg zur Schule geht, kann sie jeden Tag drei Stunden lang Tennis trainieren. Früher hatte sie nur zwei Stunden an maximal vier Tagen Zeit. Früher blieb eben viel Zeit auf der Straße von Nagold nach Stammheim, wo die 17-Jährige trainiert. Früher nahm ihr Stundenplan auch keine Rücksicht auf ihre Leidenschaft. Nun hat Mara Benz keinen Mittagsunterricht mehr, dafür wird ihr das Training als Schulstunden angerechnet. "Hier ist es so, wie ich es mir gewünscht habe", sagt die Schülerin, die nach dem Abi auf ein Stipendium an einem Tenniscollege in Amerika hofft.
Für die Erfüllung dieser Wünsche ist Miriam Lang verantwortlich. Die 31-jährige Sportwissenschaftlerin leitet das Internat und ist als solche auch eine Art Ersatzmutter. Sie inspiziert die Zimmer, sorgt dafür, dass niemand zu viel Fernsehen schaut, kontrolliert die Schulnoten und organisiert gebenenfalls eine Nachhilfe. Sie ist im Mietpreis von 590 (Doppelzimmer) und 640 Euro (Einzelzimmer) enthalten. "Es funktioniert gut", sagt Miriam Lang, die zwei weitere Betreuer zu Seite hat.
Doch es könnte ein bisschen besser laufen. Die 21 Plätze müssen zwar erst zum übernächsten Schuljahr 2011/2012 voll belegt sein, doch bis dahin muss das Ludwigsburger Internat noch bekannter werden. Entgegen der Ankündigungen wohnen noch keine jungen Leichtathleten und Tänzer in der Kaiserstraße. "So etwas muss wachsen", sagt Sven Rees vom württembergischen Leichtathletikverband. Und Matthias Fohrer vom Tanzclub Ludwigsburg hat keinen Jugendlichen gefunden, der seinen Standard-Partner aufgeben wollte oder mitbringen konnte. Nun will er mehr werben. "Das Internat ist eine große Chance für den Sport in Ludwigsburg", sagt der Vize-Jugendwart des TCL.
Für Jonathan Maier sowieso. Er will Profi-Spieler werden. "Sonst wäre ich nicht hier", sagt er. Deshalb kommt er früher aus den Ferien zurück - und trainiert.
29.07.2010 - aktualisiert: 29.07.2010 06:07 Uhr
Händler setzen auf Gebrauchtwagen 
Verlässliche Pause für die Angehörigen 
Prinz der Panflöte spielt virtuos auf 
Händler setzen auf Gebrauchtwagen 
Kunst kommt für Kinder unter den Hammer 
Teilsperrungen wegen Belagsarbeiten 
Die Brotbäckerin Verfluchte Ferien 
DIE ZWEI NACHBARN DES KERNKRAFTWERKS 
]