Oberstenfeld Auswärtige dürfen kaufen, aber vor allem Einheimische sichern sich überraschend Grundstücke. Von Oliver von Schaewen
Eigentlich hätten die Wottawas Anfangs des Jahres schon mit dem Häuslebau anfangen können. "Wir sind beim Bewerbungsverfahren sogar als Allererste gezogen worden", erinnert sich die Hausfrau und Mutter. Der Vorteil: Das Ehepaar konnte sich vor allen anderen Bewerbern einen der 70 Bauplätze aussuchen. Oben auf der Kuppe dürften die Wottawas die Aussicht auf die Landschaft am Lichtenberg besonders genießen.
Die Aussicht auf einen möglichst guten Platz treibt jetzt offenbar aber auch viele der rund 7800 Oberstenfelder zum Grundstückskauf. Jedenfalls bemerkt das Volker Wanner, Bauamtsleiter der Gemeinde. "Wir haben seit April zwölf Grundstücke verkauft, davon zwei Drittel an Einheimische." Ein Befund, der gehörig überrascht. Denn vor drei Monaten hatte der Gemeinderat auf die bis dato schleppende Nachfrage reagiert und den Verkauf der Grundstücke wenigstens teilweise auf Ortsfremde erweitert. Aber nicht nur sie, sondern vor allem die Oberstenfelder greifen jetzt bei Preisen von 250 bis 290 Euro je Quadratmeter zu.
Alles in allem scheint die neuartige Bauplatzvergabe vor allem die bisher zögernden Einheimischen aus der Reserve gelockt zu haben. "Es gibt noch eine sehr gute Auswahl an Plätzen", berichtet Wanner und vermutet, "dass die Interessenten den Auswärtigen bei der Auswahl zuvorkommen wollten." Diese Entwicklung sei erfreulich, "wir hatten sie so nicht erwartet." Volker Wanner sieht darin einen "Weckruf". Außerdem freue er sich darüber, dass er mit 35 immer noch genügend Grundstücke sowohl für Ortsfremde als auch Einheimische parat habe.
Mit dem Beschluss hatte sich der Gemeinderat jahrelang schwer getan, weil nur Bürger, die mindestens fünf Jahre in dem Ort gelebt hatten, in den Genuss von verbilligtem Bauland kommen sollten. Die Wirtschaftskrise zwang die Oberstenfelder Ratsrunde jedoch zum Handeln. Immer mehr Interessenten waren abgesprungen, weil ihnen die Risiken in der Krise zu hoch erschienen. Auswärtige können seit April die Grundstücke für einen Mehrpreis von 25 Euro pro Quadratmeter erwerben. Sie müssen sich aber an die üblichen Vorgaben halten und müssen innerhalb von fünf Jahren bauen. Auch ist eine Nachzahlung von 25 Euro je Quadratmeter fällig, wenn das Grundstück oder Haus binnen zehn Jahren weiterverkauft wird.
Für die finanziell gebeutelte Gemeinde bedeuten die durch den Verkauf erwirtschafteten eine Million Euro eine Wohltat. Die Bottwartalkomunne plagt ein Schuldenstand von rund 4,3 Millionen Euro. In dem Neubaugebiet Kleinfeldle schlummern Grund- und Bodenwerte von sechs Millionen Euro.
29.07.2010 - aktualisiert: 29.07.2010 06:06 Uhr
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