Recyclinganlage darf erweitert werden
Nicht im Freien, sondern in geschlossenen Hallen, soll nach der Erweiterung geschreddert und sortiert werden.
kuhnle
Benningen Die Gemeinderäte stimmen dem Baugesuch der Firma Hoffmann zu.
Die Firma Hoffmann will ihre seit 2001 bestehende Recyclinganlage schon seit Jahren erheblich erweitern. Bislang scheiterte die Expansion an Auflagen der Immissionsschutzbehörde, weil der Bebauungsplan des Wohngebietes nicht eingehalten wurde. Auch in Erdmannhausen hatte sich das Unternehmen einst ansiedeln wollen. Doch durch eine Veränderung des Bebauungsplanes sowie den Erlass einer Veränderungssperre hatte der dortige Gemeinderat 2007 verhindert, dass eine Müllhalle installiert wird.
Nun liegt der Gemeinde Benningen ein neues Baugesuch vor, zu dem die Räte am Montag einstimmig ihr Einvernehmen erteilten. Demnach soll das Betriebsgelände von derzeit 1000 auf 8500 Quadratmeter erweitert und die Lagerkapazität von jetzt 360 Tonnen auf mehr als 3400 Tonnen erhöht werden. Für insgesamt 750000 Euro entstehen neue Hallen zum Lagern und Sortieren von Abfällen.
In geschlossenen Anlagen können Schutt, Steine, Fliesen, Ziegel, Altholz, Schrott und ähnliche Bauabfälle sortiert, geschreddert und verdichtet werden. "Das ist alles eingehaust", erläuterte Wolfgang Häberle vom Landratsamt die immissionsschutzrechtliche Situation in der Sitzung. "Die Abluft wird abgesaugt und der Staub herausgefiltert." Aus 45000 Kubikmetern Abluft seien in der Stunde nach der Filterung noch 0,45 Kilogramm Staub zu erwarten, die über einen Kamin ins Freie gelangen. "Der Grenzwert liegt bei einem Kilogramm in der Stunde, wird also deutlich unterschritten."
Manfred Meister (SPD) rechnete in der Sitzung aus, dass pro Jahr 2000 Kilogramm Staub entstehen. "Das sind keine gefährlichen Stoffe, die da bearbeitet werden, beruhigte Häberle. Auch Gerüche seien nicht zu erwarten, da die Behandlung von Haus- oder Biomüll ausgeschlossen werde. Die Freiflächen müssten täglich gereinigt werden, um die Staubbelastung so gering wie möglich zu halten.
Auch die zu erwartende Lärmentwicklung wurde untersucht. "Wenn da Steine geschreddert werden, ist das nicht sehr laut?", wollte FWV-Rat Eberhard Lenz wissen. Laut Gutachten werden die Lärmgrenzwerte von 65 Dezibel unterschritten, wenn auch mit 63 Dezibel nur knapp.
"Wir sind zunächst davon ausgegangen, dass es sich um ein Gewerbegebiet handelt", bemerkte Häberle, "sind aber von der Gemeinde richtigerweise darauf hingewiesen worden, dass sich das Gelände in einem Allgemeinen Wohngebiet befindet, das einen höheren Schutzfaktor hat." So wurden die Anlieferung und lärmintensivere Arbeiten auf die Zeit zwischen 7 und 20 Uhr beschränkt. Auch samstags soll gearbeitet werden.
Lärm und Staub werden auch die anliefernden Fahrzeuge verursachen. Rund 65 Lastwagen und 50 Autos werden pro Tag die Anlage ansteuern. Täglich dürfen maximal 350 Tonnen nicht gefährliche Abfälle angeliefert werden. Dazu sollen auf dem Gelände auch bis zu 149 Tonnen gefährliche Abfälle wie behandeltes Altholz, Asbestzement oder andere Mineralfaserplatten gelagert werden. "Diese Stoffe werden aber nicht behandelt, sondern nur bis zum Weitertransport gelagert", erklärte Häberle. Durch die vorgeschriebene luftdichte Verpackung werde es zu keinen Emissionen kommen. Die Einhaltung der Grenzwerte werde sofort nach der Inbetriebnahme überprüft, versprach der Sachverständige. Verbessere sich der Stand der Technik, könne man eine Nachrüstung der Anlagen verlangen.
Die Gemeinde verlangt von der Prüfbehörde im Landratsamt, die "Plausibilität der Prognosen für Staub und Schall ausführlich zu prüfen". Die Hallen müssen auf der Nordseite begrünt und das Gelände mit einer drei Meter hohen immergrünen Hecke eingegrenzt werden. Besonderen Wert legen die Benninger auf die Entwässerung. Schmutz und Regenwasser müssten schon auf dem Betriebsgelände einwandfrei getrennt werden. Teile der Hofflächen sollen an den Regenwasserkanal angeschlossen werden. Sofern dies Auswirkungen auf die von der Gemeinde zu erstellenden Schmutzfangzelle im Pumpwerk haben werde, müsse die Firma Hoffmann die anteiligen Kosten entsprechend der zusätzlichen Schmutzfracht tragen.
Von Frank Wittmer
28.07.2010 - aktualisiert: 28.07.2010 14:01 Uhr