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Die Stimme scheint den Raum zu sprengen

Affalterbach Die Gospelsängerin Tracey Campbell hat in derMartinskirche die Passionsgeschichte dargestellt. Von Helmut Schwarz
 

Ich mache, was ich immer und am liebsten mache: Gott anbeten und preisen", so lässt sich die dunkelhäutige Sängerin Tracey Campbell in der Martinskirche vorstellen. Direkt vom Flughafen kommend, war die in London lebende Sängerin eingetroffen, um gemeinsam mit der Gospel-Company Bietigheim zur Passionszeit zu singen. Der Abend wurde zu einem bemerkenswerten Ereignis, das die Leidensgeschichte Jesu bis zur Auferstehung in Wort, Bild und Musik eindrucksvoll erleben ließ. Kein Unterhaltungsspektakel, sondern ein ergreifender Passionsgottesdienst mit der Stimme einer begnadeten Sängerin. Nicht antrainiert, sondern als ein Geschenk der Natur beziehungsweise Gottes sieht Tracey Campbell ihre Stimme, die - mit der Schwere einer Mahalia Jackson ebenso ausgestattet wie mit der Leichtigkeit einer Barbara Streisand - in ihrer Fülle den Raum der Martinskirche fast zu sprengen scheint.

Auf dem Bildschirm erzählen Bilder die Passion von der Gefangennahme im Garten Gethsemane über die dreimalige Verleugnung durch Petrus und die Freigabe von Barrabas durch Pilatus bis hin zur Kreuzigung auf Golgatha, hier ergänzt durch reflektierende Gospelgesänge. Die Musik stammt aus der Feder von Andy Doncic, die Texte hat Evie Sturm geschrieben - die beiden von der Bietigheimer Gospelcompany ergänzen die Soli zwischendurch zum Terzett. Andy Doncic stellt am Piano und am Saxofon sein Können unter Beweis. "Ist es zu Ende, der Held gestorben und alles vorbei?", stellt sich die Frage nach der Kreuzigungsszene. Die Antwort wird in dem Gospel "Herr, du hast die Welt erlöst" gegeben, Hoffnung, Freude und Licht vertreiben die Finsternis. Österliche Verkündigung setzt ein: Du bist unser Retter, dein Wort ist wahr. "We celebrate Jesu", stimmt Tracey Campbell an, die Besucher werden einbezogen, den Herrn zu preisen durch Gesang und rhythmisches Klatschen. Die Gospelsängerin aus London mit jamaikanischem Blut in den Adern bringt den Chor in der Kirche in Fahrt, erinnert an einen Fußballsieg der eigenen Mannschaft im Stadion, um die richtige Intensität des Gesangs zu erreichen.

Tracey Campbell hat eine außergewöhnliche Stimme und ist eine Sängerin mit enormer Erfahrung, die sie in Formationen rund um den Globus erwerben konnte. Gospel schätzt sie besonders, weil diese Musik größte Teile der musikalischen Genres abdeckt, Jazz und Klassik ebenso wie Reggae, Tanz, Funk, Folk, Soul und Rock. In ihrem Sinne: Praise the Lord (Lobe den Herrn) in aller Vielfalt. Ihr Schluss-Solo "Lord The Almighty" (Lobe den Herren den mächtigen König der Ehren) ebenso schlicht wie eindrucksvoll und ergreifend. Schade nur, dass so viele Plätze in der Kirche leer geblieben waren, zumal jeder auf seine Kosten kam - der Fromme auf den Spuren des Evangeliums ebenso wie der Fan mit der Liebe für tolle Stimmen und gute Musik.





29.03.2010 - aktualisiert: 29.03.2010 06:07 Uhr

 






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