Der große Traum eines jungen Organisten
Murr/Steinheim Tobias Köpf aus Steinheim hat einen großen Traum: Er will bald einen Gottesdienst an der Orgel begleiten. Deshalb nimmt der Zwölfjährige Unterricht beim Kirchenmusikdirektor Hermann Toursel.
Von Cornelia Ohst
Vierhändig gespielt ertönt das Lobpreislied "Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben" im Kirchenraum der St. Peterskirche in Murr. Der Schüler Tobias Köpf sitzt zusammen mit seinem Orgellehrer Hermann Toursel auf dem Hocker und greift freudig in die Tasten. Dass ihm das Spiel auf der Kirchenorgel Spaß macht, ist unschwer zu erkennen. "Und das drückt sich auch in seiner Leistung aus", meint Bezirkskantor Hermann Toursel. "Das mehrfach überlagerte Denken, das das Orgelspiel abverlangt, ist sehr anspruchsvoll. Tobias kann es toll umsetzen, und er lernt schnell. Er denkt aktiv mit und überlegt sich während des Spiels recht schnell, welche Harmonie er etwa wählt", erklärt sein Lehrer. "Und dabei muss man auch noch körperlich fit sein", ergänzt der Organist, "denn der Körper muss die instabile Haltung, die durch den ausschweifenden Einsatz der Beine bestimmt wird, ausbalancieren können."
Der Schüler mit dem netten Lausbubengesicht meistert auch das vortrefflich. Und das, obwohl er erst seit Oktober 2009 Orgel-Unterricht erhält. Tobias ist der jüngste der momentan neun Orgel-Schüler, die Toursel wöchentlich unterrichtet. Der Zwölfjährige begeistert dabei mit seiner Liebe zur Orgelmusik nicht nur den Lehrer, sondern auch die Mutter und die gesamte Familie. "Zwar gab es unter den Vorfahren irgendwann einmal einen Orgelbauer", sagt Mutter Köpf, "ansonsten aber kommt diese Neigung nicht aus unserer Familie". Immer noch leicht verwundert erzählt sie von der Zeit, als ihr Sohn begonnen hat, das Keyboard immer auf den Klang der Orgel einzustellen, wenn er geübt hat. Ein Onkel hat ihn daraufhin mit vielen CDs versorgt, damit er seiner Leidenschaft besser frönen kann.
Für Hermann Toursel jedoch ist die ausgeprägte Neigung für das Kircheninstrument nicht verwunderlich. Immer wieder kommen Menschen zu ihm, die das Orgelspiel erlernen wollen. "Einmal kam ein Rentner zu mir und sprach davon, dass es sein Lebenswunsch sei, das Orgelspiel zu erlernen. Mit rund 70 Jahren hat er damit angefangen", berichtet Toursel lächelnd.
Der Gymnasiast Tobias Köpf wiederum hat sich zum Ziel gesetzt, die Organisten der Martinskirche in seiner Heimatgemeinde Steinheim bald unterstützen zu können. "Das ist mein großer Traum, im Gottesdienst die Orgel zu spielen", sagt er und lächelt optimistisch.
Wenn er so weitermacht, steht dem wohl nichts im Wege. Doch vorher gibt es noch ein anderes Ziel, auf das sich der junge Orgelspieler freut: die zahlreichen Register einer Orgel ziehen zu können. Das nämlich hat er bisher während seines Spieles noch nicht getan.
09.03.2010 - aktualisiert: 09.03.2010 21:18 Uhr