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Glasklaren Reflexionen in starken Sätzen

Avanti

Die lobende Beschreibung ihrer Person, welche die für das Zwiegespräch in der Stadthalle hinzu geladene Marion Isabella Kadura vom Kulturamt Stuttgart in bester Absicht vorliest, weist Monika Maron entschieden von sich. Dass diese Kurzcharakteristik, verfasst anlässlich ihrer Auszeichnung als Mainzer Stadtschreiberin, aus Standardtextteilen besteht, wie sie schon für viele andere Autoren verwendet wurden, erwähnt sie höflicherweise freilich nicht.
 

Wohl aber stellt sie klar, dass sie keine "Chronistin" sei, weder der DDR noch des Ostens des vereinigten Deutschlands. Zwar handeln die Bücher, aus denen sie unter dem Titel "20 Jahre Mauerfall" in der Marbacher Reihe "Schiller politisch" vorliest, eben von diesen Gegenden. Doch wer sie liest beziehungsweise hört, merkt rasch, wie ungenügend der Begriff der Chronologie hier ist.

Ihr erstes Buch, "Flugasche" aus dem Jahr 1981, thematisiert die Umweltsünden der DDR auf eine doppelbödige Weise, die mindestens ebenso starke Kritik an der Zensur übt. Über die Figur der Reporterin Josefa Nadler - Monika Maron arbeitete selbst sechs Jahre lang in diesem Beruf - bleibt die Autorin zwar auf dem Boden der Tatsachen. Dennoch entwickelt der Roman eine andere Wirkung als eine reine Reportage. Er besticht durch glasklare Reflexionen, gegossen in perfekte, poetisch starke Sätze, und das, obwohl der Leser teilhaben darf an der Suche Josefas nach den treffenden Wörtern. Dem Verlag in der DDR waren die Sätze über die schmutzigen Arbeits- und Lebensbedingungen in und bei den Bitterfelder Kohlekraftwerken zu klar. Nach dreijährigem Kampf wandte sich Maron über verschlungene Wege an einen Westverlag, der die Geschichte auf Anhieb verlegte.

Im Jahr 1951 zehnjährig mit der Mutter von West- nach Ostberlin gezogen, wo die Mutter den Kommunisten und späteren DDR-Innenminister Karl Maron heiratete, siedelte Monika Maron 1988 wieder in den Westen über.

Ihr jüngstes Werk, "Bitterfelder Bogen", will Maron selbst keiner Gattung zuordnen. Es sei von vielem etwas. Die Reporterin in der Autorin ist aber auch diesem Werk anzumerken. Es spielt nicht nur auf den 2006 eingeweihten "Bitterfelder Bogen" an, ein monumentaler Aussichtspunkt über die bei Bitterfeld-Wolfen neu entstandene Kulturlandschaft. Es schlägt auch einen Bogen von dem Bitterfeld aus "Flugasche" zum heutigen Solar Valley dort mit der weltweit größten Solarzellen-Firma Q-Cells.

Die Autorin beschreibt voller ansteckender Sympathie die chaotisch-idealistischen Anfänge der Firmen Wuseltronik und Q-Cells und setzt den Gründern und der Gegend ein wunderschönes Denkmal.

Monika Maron stimmt mit Kaduras überein, dass negativen Bildern über den neuen Osten viel zu wenig Erfolgsgeschichten von dort gegenüber gestellt werden. Selbst die Ostdeutschen würden sie zu wenig kennen.

Ihr Buch ändert daran etwas, und auch ein Film von ihr, der am 30. Oktober im ZDF gesendet wird.

Von Astrid Killinger

25.10.2009 - aktualisiert: 25.10.2009 17:48 Uhr

 






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