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Eindrucksvolles Theater im Miniaturformat

Marbach Im Papiertheater ist "Die Jungfrau von Orleans" aufgeführt worden. Von Cornelia Ohst
 

In einer Welt, in der alles möglich scheint und in der Auge und Ohr von technischen Spezialeffekten geradezu überflutet werden, sucht der eine oder andere Theaterbesucher gern einmal die reduzierte Form der Unterhaltung. Geboten wurde diese am Samstag, als vor einem interessierten Publikum in der Marbacher Stadtbücherei das Papiertheater "Don Giovanni, Käthchen & Co.", die "Die Jungfrau von Orleans" spielte.

Ein auberginefarbener Samtvorhang umsäumt die papierene Bühne, abgedunkelte Fenster lassen den Regen draußen vergessen und warmes Licht erstrahlt. In dieser heimeligen Atmosphäre empfängt Peter Schauerte-Lüke, seine Besucher und erzählt, wie das Papiertheater einstmals entstanden ist. Aus dem Begehren bürgerlicher Schichten heraus, die, ähnlich wie der Adel, Lustbarkeiten und sinnliche Verzauberung erfahren wollten, war die Theaterform aus den damaligen Bilderbogen fortentwickelt worden. "Wo nicht aus Liebe geheiratet wurde, musste man Liebe und Romantik in spielerischer Form erleben", weiß der Gründer und Spieler eines Miniaturtheaters, das er vor über 20 Jahren ins Leben gerufen hat und seither eine Renaissance erlebt. Bei szenischer Einführung und einer Gesangseinlage gibt Peter Schauerte-Lüke eine Kostprobe seines Könnens, während er historische Fakten einstreut. Doch dann geht es schließlich los. Mit donnernder, säuselnder oder gewinnender Stimme lassen Schauerte-Lüke und seine Mitspielerin, Sabine Herder, die Protagonisten aus Schillers Drama, wie etwa die gottesfürchtige und kämpferische Jungfrau vor den Augen der Gäste aufleben.

Eine Tröte schreckt auf. Eindrucksvoll gesprochen, erreichen markante und in Ehrfurcht erregendem Sprachduktus verfasste Aussagen das Ohr des Zuschauers. " . . . muss jeder Zweifel irdischer Klugheit schweigen", lässt der Sprecher eine Figur sagen und den Besucher vergessen, dass es sich nur um einen kleinen, toten Papierdarsteller handelt, der ihn in eine fremde, verwirrende Welt entführt. Mit wirkungsvoll eingesetzten Ton- und Lichteffekten wird das muntere Spiel ergänzt und erzeugt eine Illusion, die heutzutage kaum vorstellbar ist, denkt man an sonstige, aufwendige Produktionen. Das Flackern des Lichts symbolisiert beispielsweise das Brennen der soldatischen Zeltstadt. Bedrohlich ist dies allemal in der Kombination von Schillers dramatischen Worten und der eindringlich-intensiven Vertonung, durch der Spieler Sprache. So entsteht mit den gemalten Pappfiguren und Tönen wie Donner, Pfiffe sowie Tonbandaufnahmen von Schalmeien oder Fanfaren ein Szenario, das ergreifend ist.

Mitunter suggeriert es dem Zuschauer sogar das Dabeisein auf einem menschenüberfüllten Marktplatz und einem Großaufgebot von Heer und Adel. Mühelos handelt das Papiertheater alle großen Gefühle und Verwirrungen der menschlichen Seele ab und lässt das Publikum mitleiden und zittern. Das wiederum ist begeistert und lässt sich nach der Vorstellung hinter der Bühne erklären, mit welchen Methoden die eindrucksvollen Effekte erzeugt wurden. Die ambitionierten Spieler und leidenschaftlichen Sammler von Papierfiguren, Peter Schauerte-Lüke und Sabine Herder, geben dazu bereitwillig Auskunft.

19.10.2009 - aktualisiert: 19.10.2009 07:01 Uhr

 






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