Adlige, Handwerker und Soldaten biwakieren am Neckarufer - Die militärischen Truppen aus aller Herren Länder leben aber einträchtig nebeneinander
Von Frank Wittmer
Graf Bernhard Schwabe zu Nau und seine Gattin, Hofsängerin Regina Moretti, begrüßen die Gäste schon am Eingang des großen Lagers. "Hochwohlgeborene Herren und Damen, wir geleiten Euch gerne zur Residenz seiner Königlichen Hoheit August des Starken", lädt der Kämmerer des Kurfürsten zur Audienz ins fürstliche Zelt ein. "Man macht das, weil man ein bisschen verrückt ist", gesteht Hofsängerin Regina mit einem Augenzwinkern. "Aber auch aus Tradition- und Nationalbewusstsein", schieben die beiden vom Traditionsverein Dresdner Barock nach.
Im Biwak locken Spiele - nicht ganz epochengemäß eher mittelalterlich für kleine Rittersleut und Burgfräuleins. Doch den Knappen macht es Spaß, auf dem galoppierenden Steckenpferd den "Roland" mit einem Lanzenstoß zum Drehen zu bringen.
"Herbei, herbei, wer knackt das Ei?", ruft ein Gaukler zum nächsten Wettbewerb. Derweil die Kleinen Korken mit der Armbrust schießen und das historische Karussell probieren, sorgen die Eltern bei der "Flammkuchen & Fettbaeckerey" fürs leibliche Wohl.
Händler und Handwerker bieten ihre Waren feil. Beim Schmied klingen die Schläge. Er versorgt die Soldaten mit Waffen. Viel wichtiger und zum Glück auch häufiger im Gebrauch sind Blechteller und Löffel.
Der Kerzenzieher lässt die neugierigen Gäste bei seiner Kunst zuschauen. Immer vier Dochte an einem kleinen Ring hat Manfred Barth an einem Kranz festgebunden. Reihum tunkt er alle Kerzen in seinen Eimer mit Wachs, bis sie immer dicker werden. "Bienenwachskerzen konnten sich früher nur Kirchen und die Adligen leisten", erklärt der Historien-Begeisterte. "Die Kerzen der einfachen Leute waren aus Talg, also Tierfett, gemacht. Man hat dann Pflanzenessenzen dazugegeben, um den strengen Geruch zu verbessern."
Es gibt Ledergürtel und Holzschuhe, Gewänder für drüber und drunter. Kleider machen Leute. In eindrucksvollem Brokat und schweren Perücken ist würdevolles Schreiten die angemessene Gangart, will man nicht ins Schwitzen geraten. Auch die Uniformen der Soldaten aus dickem Filz scheinen nicht gerade atmungsaktiv zu sein. Die einfachen Leute mit ihren leichten Leinenkleidern sind da bedeutend luftiger dran. Dafür ist der dürftige Hausrat auch schneller eingepackt.
Die Zelte der Adligen sind reicher ausgestattet: Da finden sich kunstvolle Teppiche, gespeist wird aus echten Porzellantellern und Bleigläsern. Edle Damen sitzen vor den Zelten und fächern sich kühlende Luft zu - in einem echten Biwak sicher auch, um Fliegen und Gestank zu vertreiben.
Und dann taucht die eindrucksvolle Gestalt des Kurfürsten auf. Mit wachsamem Blick nimmt August der Starke seine Truppen in Augenschein.
Es wimmelt von Soldaten in dem Biwak. Bunte Uniformen weisen die Verteidiger aller Herren Länder aus. Säbel und Musketen sind an großen Gestellen aufgereiht, man ist ja schließlich nicht im Krieg. Einträchtig teilen die Männer ihre Suppe und ihr Brot. Es wird gescherzt und manches raue Lied angestimmt. Wer das Messer zieht, schält damit nur Kartoffeln.
Ein Zimmermann in Napoleons Diensten baut für den Vormarsch seiner Kameraden Brücken und Verhaue. Der Handwerker kann sich im Bedarfsfall seines Lebens erwehren, seinen Säbel nutzt er aber eher zum Bretterbehauen. Auf der Rückseite ist der Säbel gezackt und kann wie eine Säge genutzt werden. "Der Vorläufer des Schweizer Messers, kommentiert ein Zuschauer.
Auch Frauen sind im Biwak dabei. Die "Cantiere" hat Patent und Marke, sie ist völlig gleichberechtigt und darf von den Soldaten nicht behelligt werden. Als Küchenmeisterin sorgt sie für Nachschub und Verpflegung, schreibt aber auch Briefe für die Soldaten und hält so den Kontakt zur Heimat.
04.05.2009 - aktualisiert: 04.05.2009 07:00 Uhr
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