In der spätgotischen Kirche ist dem Namenspatron gedacht worden - Helmut Sorg ist für 50 Jahre als Dirigent des Posaunenchors geehrt worden
Von Helmut Schwarz
Reigschmeckte hatten wohl Mühe, alles zu verstehen - bei ihnen entschuldigte sich Pfarrer Klaus Dieterle, bevor er verkündigte "Heut isch a bsondrer Dag." Man gedachte des Papstes Alexander, dessen Namen die Kirche trägt. An diesem Tag wollte der Verein zur Erhaltung der Alexanderkirche das spätgotische Bauwerk in ein besonderes Licht rücken. Am Tag des 18. Jahrhundert-Festes in der Stadt besorgte dies ein schwäbischer Gottesdienst mit Pfarrer Rudolf Paul, der Übersetzer der Bibel ins Schwäbische.
"Des isch Liebe zu onserm Herrgott, dass mr seine Gebote beachtet", sagte Pfarrer Paul und kündigte seinen Predigttext zum Sonntag Jubilate (Fraiat eich) über ein Wort aus dem Johannesevangelium an: "I ben dr wahre Meischter, mei Vaddr isch der Wengerter ond ihr seid die Reba." Dem Wengerter Vertrauen, so der Rat des Predigers. Auch wenn man "nix wirklich feschthalta ka" gebe es doch "Grond zom Jubiliera - so dass es andere aschteckt."
Pfarrer Paul, der mit den Kirchenbesuchern den Psalm 118 ("Dehnt es Herrgott am danke, wo er doch so fraendlich isch") las, betete mit den Gläubigen das Gebet des Herrn: "Onser Vaddr - hilf ons, dass ons koe Übel hoemsuacht."
Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst durch den Posaunenchor unter Helmut Sorg und Hermann Toursel an der Orgel. Auch wenn der Schwabe sage "net gschempft isch globt gnuag", sollte das Jubiläum von Helmut Sorg, der über 60 Jahre dem Posaunenchor angehört, den er seit 50 Jahren dirigiert, doch nicht "ogschwätzt überganga werda". 50 Jahre "isch a oglaublich lange Zeit", meinte Hermann Hammer, der dem Jubilar den Dank des Chores übermittelte "der vielleicht net emmer pflegeleicht, aber doch motiviert war". Man habe die Ehrung ganz bewusst auf den Alexandertag gelegt, weil Sorgs ganzes Leben in besonderer Weise mit der Alexanderkirche verbunden war. Der Chor überreichte ihm eine Bibel als Geschenk, Harald Alber als Vertreter des Evangelischen Jugendwerks (EJW) ehrte Sorg mit der höchsten Auszeichnung des Jugendwerks, der EJW-Ehrennadel in Gold. Auch Dekan Werner Neudorfer dankte namens der Kirchengemeinde und übergab dem Ehepaar Sorg einen Scheck. Dass es mit dem Posaunenchor immer so weitergehe, so der Wunsch von Helmut Sorg.
Im Anschluss an den Gottesdienst bot Kirchenmusikdirektor Hermann Toursel eine Orgelführung an und spielte auf der historischen Voitorgel. Zahlreiche Besucher schlossen sich verschiedenen Führungen durch die Kirche an: Jochen Kröner erläuterte das Kirchenschiff, das Schwerpunktthema Architektur legte Markus Pantle seiner Führung zugrunde. Ernst Schönauer erzählte Interessantes zum Christophorusfresko und Otto Arnold hatte die Kanzel mit den Figuren Adam und Eva zum Thema gesetzt.
Mit dem Märchen "Die alte Kirchenglocke" von Hans-Christian Andersen fesselte Dagmar Kohler nicht nur die kleinen Zuhörer. Von Sabine Reiner an der Harfe begleitet war "Das Lied von der Glocke" von Friedrich Schiller, rezitiert von Elke Evert als Schillers Mutter zu hören. Die Rezitation wurde durch die Schillerglocke "Concordia" mit ihrem dumpftonigen Geläute eingeleitet.
Nicht nur Geistig-Kulturelles hatte der gestrige Alexandertag zu bieten - rund um die Kirche herrschte während des ganzen Tages reges Treiben und bot parallel zu dem Geschehen im Städtle Unterhaltung der verschiedensten Art. So ging es bei "Ars fundendi" heiß her. Für das Schau-Glockengießen musste das Metall erhitzt werden, ehe es in die Form von Mini-Glocken gegossen wurde. Glöckchen für alle Gelegenheiten hatte der Glockengießer im Angebot. Wer Lust auf "einen Kurzen" verspürte, konnte am Schnapsstand "Aqua ardens" Station machen, wo aus der Marbacher Destille an der Stadtmauer mehrere Sorten Hochprozentiges für jeden Geschmack ausgeschenkt wurden,
Dem Steinheimer Steinmetz und Bildhauer Peter Dietl konnte man ebenso bei der Arbeit zusehen wie den Zimmerleuten der Firma Rikker, die eine Riesenfichte quergelegt haben. An ihr versuchten auch Marbachs Bürgermeister Herbert Pötzsch und der frühere Schultes von Steinheim, Joachim Scholz, eine Scheibe abzusägen. Die Zimmerleute unterhielten die Zuschauer mit einem Zimmermanns-Tanz, wobei sie singend und klatschend Verse über ihre Arbeit vortrugen.
Ein Schmied und ein Korbmacher zeigten ihre Handwerkskunst, während eine Kräuterfrau ihre Spezereien sowie ein Kräutersüpple feilbot. Mitglieder des Vereins für die Erhaltung der Alexanderkirche versorgten die Kirchenbesucher mit Schmalzbrot, Gebäck und Wein oder Mostschorle.
04.05.2009 - aktualisiert: 04.05.2009 07:00 Uhr
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