Winzerhausen Aus Vorfreude wird Ernüchterung

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In Winzerhausen tut sich viel – schnelles Internet aber lässt auf sich warten. Foto: Werner Kuhnle

Winzerhausen - Die Freude war groß, als im November des vergangenen Jahres ein erster Teil von Winzerhausen ans Glasfasernetz angeschlossen worden ist. Schnelles Internet mit einer Geschwindigkeit von bis zu 400 Megabit pro Sekunde – darauf hatten viele Bürger und Gewerbetreibende sehnsüchtig gewartet. Entsprechend positiv war die Stimmung beim damaligen Treffen von Bürgermeister Ralf Zimmermann, Ortsvorsteher Friedrich Link und Vertretern des Betreibers Unitymedia, der die notwendigen Kabel verlegt hatte. Selbst Ministerialdirektor Stefan Krebs vom Landesministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration war zur Feierstunde nach Winzerhausen gekommen.

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Am morgigen Samstag jährt sich dieses Treffen zum ersten Mal – von der Freude jedoch ist nicht viel geblieben. Denn noch immer sind nur rund 100 der 450 Haushalte in Winzerhausen ans Glasfasernetz angeschlossen. Die meisten „Rio“-Bewohner warten weiterhin auf eine schnelle Internetverbindung. Ein „Dauerbrenner“ sei dieses Thema in der Bevölkerung, sagt Friedrich Link, der „permanent“ gefragt werde, wann sich endlich etwas tut. „Viele Menschen fühlen sich dadurch als ein Steuerzahler zweiter Klasse“, stellt er fest. Auch in den Einwohnerfragestunden des Gemeinderats wird diese Frage immer wieder formuliert.

Eine Antwort konnten die Vertreter der Storchenstadt bislang nicht geben. Zumindest keine, die zufriedenstellend für die Winzerhäuser wäre. Was aber nicht an der Stadtverwaltung selbst liegt – denn diese wartet ebenfalls darauf, dass Unitymedia in Winzerhausen wieder tätig wird. Die Dringlichkeit des weiteren Ausbaus hat die Stadt beim Kabelnetzbetreiber zumindest untermauert, wofür Ralf Zimmermann und Friedrich Link bei Unitymedia vorstellig gewesen sind, wie Link sagt.

Doch Signale vom Unternehmen gab es in den vergangenen Wochen und Monaten keine mehr. Auch auf eine Anfrage unserer Zeitung heißt es von Helge Buchheister, Pressesprecher des Kabelnetzbetreibers, nur: „Ein weiterer Ausbau in Winzerhausen wird geprüft. Auch, ob dieser wirtschaftlich vertretbar wäre.“ Eine Antwort, die auch Bürgermeister Ralf Zimmermann erhalten hatte. Und eine Antwort, die nicht so klingt, als stünde der Anschluss der weiteren Haushalte in dem Großbottwarer Teilort kurz bevor. Zwar war für 2018 von Beginn an wenig Hoffnung auf einen weiteren Ausbau gemacht worden, zumindest war es anfangs aber „fest angedacht, Winzerhausen in zwei bis drei Abschnitten vollständig zu erschließen“, wie Fabian Schatton, der für Unitymedia die Kommunen betreut, bei dem Treffen 2017 gemeint hatte.

Die Stadt hängt also – wie die Bürger – gewissermaßen in der Luft. Ralf Zimmermann ist dennoch um Optimismus bemüht. Er hebt hervor, dass zumindest „die Gesprächsbereitschaft“ bei Unitymedia bislang immer da gewesen sei. Die Stadtverwaltung versuche es weiterhin auf gutem Wege, voranzukommen. „Wir warten, bis Unitymedia fertig kalkuliert hat. Das dauert leider länger, als es uns lieb wäre“, so der Rathauschef. Man sei aber natürlich froh, „wenn sie es denn wirklich tun“.

Was die Situation für die Stadtverwaltung schwierig macht: Sie selbst darf in den privatisierten Markt nicht eingreifen, da in Winzerhausen offiziell kein Marktversagen durch die Anbieter vorliegt. Im Gegenteil: Laut dem Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, in dem Breitband-Internetanschlüsse aufgeführt werden, verfügen mehr als 95 Prozent der Haushalte in Winzerhausen dank des Anbieters EFN eifel-net über eine Verbindung von mehr als 30 Megabit pro Sekunde. Im Zentrum des Teilorts stünden den allermeisten Haushalten gar 50 Mbit/Sekunde zur Verfügung. Werte, von denen die Bewohner jenseits des Gebiets Wanne, in dem Unitymedia das Glasfaser sogar bis in die Häuser verlegt hat, aber oft nur träumen können. Meist liegen die Maximalwerte bei weit unter 20 Mbit/Sekunde. Zudem ist die Datenmenge je nach Vertrag auf beispielsweise 30 Gigabyte gedeckelt – wer die verbraucht, kämpft sich einen Monat lang nur mit etwa 1 Mbit/Sekunde durchs Netz.

Die Stadt muss also weiter ausharren, sieht sich in diesem Rahmen aber gut aufgestellt. So verfügt Großbottwar laut Ralf Zimmermann für das gesamte Stadtgebiet über eine Masterplanung, aus der entnommen werden kann, bei welchen Straßensanierungen auch Leerrohre für Glasfaser, so genannte Speedpipes, verlegt werden. Diese werden gerade auch in der Kernstadt sowie in Hof und Lembach mit verlegt, wo die Telekom buddelt, um bis Februar 2019 schnelles Internet herzustellen. Auch bei der Ortskernsanierung in Winzerhausen sollen diese Leerrohre mitverlegt werden.

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