Steinheim Schmiererei zieht sich durch Stadtmitte

Von
  Foto: Oliver von Schaewen

Steinheim - Halloween als Gruselnacht? So lange es im Rahmen bleibt, ist vieles tolerabel. Doch die Schmierspur, die sich seit der Nacht auf Donnerstag durch die Steinheimer Innenstadt zieht, überschreitet deutlich die Grenze des Erlaubten. „Der Täter benutzte wohl schwarze und grüne Metallschutzlackfarbe“, sagt Yvonne Schächtele, Sprecherin des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Genauer betrachtet seien Objekte in der Bahnhofstraße, der Ludwigsburger Straße und der Friedrichstraße betroffen.

Der Schriftzug „71 Steinheim“ deute auf eine typische Jugendstraftat hin, erklärt Yvonne Schächtele, die selbst mal als Jugendsachbearbeiterin bei der Polizei tätig war. Die Postleitzahl sei gängig, um gewissermaßen das Revier zu markieren. Von den Tätern fehle noch jede Spur. „Wir brauchen im Regelfall Zeugen.“ Normalerweise sei Eierwerfen gegen Gebäudewände das Problem in der Halloweennacht. Die Schmierereien jetzt seien aber gravierender.

Besonders ärgerlich ist der Schaden an der historischen Mauer am Museum Kloster. „Da stoßen unsere Bauhof-Mitarbeiter bei der Reinigung an ihre Grenzen“, sagt der Bürgermeister Thomas Winterhalter. Das Thema Vandalismus sei erst kürzlich im Gemeinderat angeklungen, nachdem der Bürgerbus und der Grillplatz auf dem Burgberg beschädigt worden waren. Ein Security-Dienst schaue im Sommer nach dem Rechten. An Halloween will der Rathaus-Chef die schwarzen Sheriffs nicht auch noch losschicken. „Ich hoffe, dass wir ohne sie auskommen.“ Möglicherweise könnten der Jugendsachbearbeiter des Polizeipostens Steinheim, Michael Bokelmann, und der Jugendhausleiter Stefan Maier in ihrem Klientel die Täter ausfindig machen. Könnte ein Streetworker durch die Straßen gehen und mit den Jugendlichen reden, wie es die Gemeinde Oberstenfeld mit Erfolg praktiziert? Thomas Winterhalter verweist auf die enge Verzahnung von Jugendhaus und Schulsozialarbeit: „Hier sind wir ganz gut aufgestellt – unsere Sozialarbeiter kennen die verschiedenen Strömungen.“

Viel von der aufsuchenden Sozialarbeit auf der Straße hält Regina Traub, SPD-Fraktionsvorsitzende im Steinheimer Gemeinderat. Sie sei dagegen, den Security-Dienst ständig einzusetzen. „Ein Sozialarbeiter erzielt mit seinen Qualifikationen ganz andere Wirkungen – seine Aufklärung im Gespräch ist nachhaltiger.“

Sehr verärgert über die Schmierereien ist Matthias Maier, der evangelische Pfarrer in der Urmenschstadt. Er reinigte am Freitag mit seiner Sekretärin Ulrike Winkler länger als eine halbe Stunde die Scheibe des Schaukastens vor dem Gemeindezentrum Arche. Ein Schaden bleibe trotzdem, da die Scheibe auch noch zerkratzt wurde. „Die Destruktivität der Beschädigungen nimmt zu“, sagt der Seelsorger, der davon hörte, dass ein Wohnwagen übel verschmiert wurde. Auch die Wand der Arche wurde in der Vergangenheit bereits sinnlos besprayt. „Vielleicht könnte mal eine erfolgreiche Anzeige eine Form von Abschreckung erreichen.“

Die Rolle der Eltern und der Freunde der Straftäter ruft indes die Polizeisprecherin Yvonne Schächtele in Erinnerung. „Wenn ich sehe, dass mein Kind eine Spraydose in der Garage stehen hat, wird es Zeit für ein Gespräch.“ Auch Jugendliche, die etwas gesehen hätten, sollten sich als Zeugen zur Verfügung stellen. Es fehle am Respekt vor dem Eigentum. Das zu vermitteln sei eine erzieherische Aufgabe.

Fotostrecke
Artikel bewerten
18
loading