Steinheim Schillers Mutter auf Stippvisite im Steinheimer Kleeblatt

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Elke R. Evert hat sich in Foto: Werner Kuhnle

Steinheim - Es ist der einzige Bankrott, der sich segensreich auf die Geistes- und Literaturgeschichte ausgewirkt hat.“ Elke R. Evert hat am Mittwochnachmittag über ein Detail von Friedrich Schillers Ahnen gesprochen. Im großen frühlingshaft dekorierten Saal des Kleeblatts hatten sich rund 30 Bewohner des Heims eingefunden, um dem Vortrag „Wenn ein Dichter Schwäbisch schwätzt“ zu lauschen.

Evert begann mit dem Schillerwein. Es hätte durchaus sein können, dass die Vorfahren deshalb den Namen erhalten hätten, weil sie den schillernsten Wein hergestellt hätten. Im Hochmittelalter, als die Nachnahmen entstanden seien, wäre ein signifikantes Unterscheidungsmerkmal durchaus Grundlage für eine Namensgebung gewesen. Sicher sei, dass die Familie Schiller aus Tirol stamme. 1550 sei ein Jacob Schiller in Großheppach aufgefallen. Und bezeichnend sei auch, dass alle Vorfahren neben Handwerkern oft Schultheißen gewesen seien. „In Marbach gehen die Wurzeln auf die Familie Kodweis zurück“, erfahren die Zuschauer weiter. Georg Friedrich Kodweis, ein Bäckermeister und Großvater Friedrich Schillers, habe Anna Marie geheiratet und den „Goldenen Löwen“ erworben. Er sei nicht nur Wirt der Schildwirtschaft gewesen, sondern habe sich auch als Holzinspektor verdingen wollen, so Evert. Das er damit pleite gegangen sei, habe die gesamten Bahnen der Familie gelenkt. Zunächst aber habe ihre einzige Tochter Elisabetha Dorothea mit 16 Jahren den Wundarztes Johann Caspar Schiller geheiratet. Durch das Drama habe er wieder zum Militär müssen. Was dadurch später dazu geführt habe, das Friedrich Schiller zur Ausbildung auf die Karlsschule gekommen sei. „Er hat immer schwäbisch gesprochen“ erfährt man über den Dichter. „Man sagt, er habe sich sogar später als Geschichtsprofessor einen Dolmetscher gehalten“, plaudert Evert weiter.

Er habe sogar seinen „Fiesco“ mit dem Vortrag in breitestem Schwäbisch „niederschmetternd“ verhunzt. Allerdings habe er seine Werke überwiegend in Hochdeutsch verfasst, antwortete Evert auf eine Frage. Im zweiten Teil des Vortrags verwandelte sich Evert in Elisabetha Dorothea Schillerin. In schwarzem langen Kleid und passendem Häubchen erzählte sie in Versen, wie es der Familie weiter ergangen ist. Sie habe ihre Eltern oft in Marbach in ihrer letzten Wohnstätte, dem Torwärterhäuschen besucht. Unterhaltsam ließ sie ihren Mann ebenso zu Wort kommen, wie ihren Vater. Dazu konnte sie Erfreuliches über Sohn Friedrich berichten. Nie hätte er die Räuber geschrieben, wenn er Marbach nicht in jungen Jahren verlassen hätte.

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