Steinheim Raute macht beim Freibad das Rennen

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Die Rautenform hat den Zuschlag bekommen. Foto: Büro Richter + Rausenberger

Steinheim - Die Zeit eilt. Wenn die Umgestaltung des Wellariums wie angedacht nach der kommenden Freibadsaison starten soll, führt kein Weg daran vorbei, die Arbeiten für den ersten Bauabschnitt schon im Juli zu vergeben. Damit dieser Termin eingehalten werden kann, mussten sich die Gemeinderäte in Steinheim und Murr am Dienstag für ein- und dieselbe Dachform für die Umkleiden und den neuen Gastro- und Personalbereich entscheiden – was die Gremien auch taten. Die Verantwortlichen gaben der Variante den Zuschlag, die wie eine Raute geschnitten ist. Ein Typus, den auch schon der Gemeindeverwaltungsverband Steinheim-Murr als Träger des Bads favorisiert hatte.

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Das Dach soll mit Bullaugen versehen werden, durch die das Licht in die gewünschten Bereiche dringt. Die Fachwerkträger werden schräg über das Gebäude hinweg verlaufen. „Das gibt die Raffinesse. Das Dach ist schwebend über dem Gebäude“, erklärte die zuständige Architektin Julia Leibiger den Räten in Steinheim. Die Zustimmung im Gremium der Urmenschstadt dafür war dennoch nicht ganz vorbehaltlos. Einige Räte sprachen sich für eine der beiden anderen Varianten aus, die Julia Leibiger ebenfalls präsentiert hatte: In einem Fall wäre das Dach in rechteckiger, im anderen Fall in geschwungener Form gewesen. Die Fachfrau gab jedoch zu bedenken, dass mit der rechteckigen, bis auf eine Höhe von 5,30 Meter reichenden Konstruktion auch „Bereiche überdacht sind, die nicht unbedingt überdacht sein müssen“. Beispielsweise die Zonen, in denen der Müll gesammelt wird.

Die geschwungene Version wäre laut Leibiger zwar viel niedriger und am raffiniertesten ausgefallen. „Aber das ist natürlich eine viel aufwändigere Konstruktion“, sagte sie. Folglich hätte man dafür am tiefsten in die Tasche greifen müssen. Für diesen Typ wären 738 000 Euro fällig geworden. Dagegen schlagen die Alternativen mit jeweils 644 000 Euro zu Buche. Wobei bei einem rechteckigen Dach die Fassade noch so gestaltet werden sollte, dass hier mit Mehrkosten von 70 000 Euro zu rechnen war – womit die letztlich auserkorene Form auch die günstigste ist.

Ein Argument, das für Günter Blank von der CDU Gewicht hatte, wie er betonte. Aber das war für ihn nicht alleine ausschlaggebend. Die Gestaltung sei so auch ansprechend, stellte Blank fest. „Das passt städtebaulich sehr gut“, erklärte er.

„Ich sehe es ein bisschen kritisch“, meinte hingegen Regina Traub von der SPD. „Wir wollten einen richtigen Neubau und ich hatte mir eine architektonische Verbesserung erhofft“, sagte sie. Was nun im Entwurf vorgelegt werde, sei aber im Grunde keinen Deut anders als die Version aus der Studie. Mit der rechteckigen Ausführung könne man zwar nichts falsch machen, als störend empfinde sie jedoch die immense Höhe des Dachs von rund fünf Metern. Der geschwungene Typ sei da schon viel ansprechender und leichter, aber auch unpraktisch, weil hier ausgerechnet im Hauptzugangsbereich Pfosten verwendet würden, die dann im Weg stünden. Bei der Rautenform vermisste Regina Traub unter anderem „den Bezug zu den Baulichkeiten“. Zudem werde überflüssigerweise eine Grünfläche abgedeckt.

Timo Renz von den Freien Wählern zeigte sich weniger kritisch, hätte aber dem geschwungenen, aus seiner Sicht „schöneren Dach“ den Zuschlag gegeben. Dafür würde er dann auch mehr Geld in die Hand nehmen. „Am rautenförmigen Dach stört mich die relativ große Bauhöhe“, erklärte er.

Für Rainer Breimaier von den Grünen hat die Rautenvariante hingegen durchaus Raffinesse, wenngleich der geschwungene Typ sicher am ansprechendsten ausfalle. Unterm Strich plädierte er dennoch für die Rautenform – sofern es in puncto nachhaltiger Bauweise nicht irgendwelche gravierenden Unterschiede gebe. Die Materialien, die man beim Aufbau verwende, würden sich erst im Rahmen der Ausführungsplanung ergeben, erwiderte Julia Leibiger.

Letztendlich fiel der Entschluss pro Raute dann einmütig, bei allerdings sechs Enthaltungen. Abriss und Neubau des Personal- und Gastrobereichs sollen direkt nach der anstehenden Badesaison von Herbst an über die Bühne gehen. Die Umgestaltung der Umkleiden und des Sanitärtrakts sind dann ein Jahr später an der Reihe. Die Gesamtkosten für das Projekt betragen nach aktueller Schätzung 3,18 Millionen Euro, von denen Steinheim zwei Drittel und Murr den Rest stemmen muss.

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