Steinheim-Kleinbottwar Ein Weinfass zum Schmöker-Tausch

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Die ersten Bücher stehen schon im Weinfass. Foto: Werner Kuhnle

Steinheim-Kleinbottwar - Wer Bücher weiterreichen möchte oder neuen Lesestoff braucht, findet seit Mittwoch eine Möglichkeit auf dem Kleinbottwarer Dorfplatz. Dort ist der zweite öffentliche Steinheimer Bücherschrank eröffnet worden.

Alte Telefonhäusle, auch ehemalige Litfaßsäulen oder traditionell Schränke fungieren vielerorts als Büchercontainer, die für Passanten zugänglich sind. 163 gibt es inzwischen allein im Raum Stuttgart. Nachlesbar auf www.lesestunden.de/karte-oeffentlicher-buecherschraenke. Auch in Steinheim, am Rand des Klostermuseums, wurde am 20. September 2015 ein solcher Schrank zum kostenlosen Kulturaustausch aufgestellt. „So wie es der Kleinbottwarer Ortschaftsrat gewünscht hat, dürfen wir ihn heute freigeben“, erklärt Sandra Weiß zur Eröffnung vor einer Handvoll Gästen. Die Vorsitzende des Bürgernetzwerkes Steinheim öffnet im Beisein des Ortsvorstehers Manfred Waters und dem Ersten Beigeordneten Norbert Gundelsweiler die Glastüren, die den Boden eines riesigen Fasses ersetzen.

Nach dem Beschluss im Januar, einen zweiten Bürgerschrank aufstellen zu wollen, wurde die Idee laut, ein geräumiges Weinfass soll dem Zweck dienen. Ähnlich der Art, wie sie zur Begrüßung an den Ortseinfahrten stehen. „Der Zufall hat uns zugespielt“, erzählte Weiß. Im Kaufland seien wegen Umbaumaßnahmen Dekorfässer ausrangiert worden, und die seien groß genug und erschwinglich gewesen. Kurzerhand haben sich die Netzwerker das Gefäß gesichert, die Ärmel hochgekrempelt, am ehemaligen Weingefäß geschliffen, Schutzbleche und ein Fundament ergänzt. „Es stand früher im Innenraum, das Holz wird noch schaffen“, erklärte der zweite Vorsitzende Michael Bokelmann am Aufstellort. Man müsse eventuell noch klaffende Spalten schließen. Und man würde sich um Paten für das neue Möbel bemühen. Aber vor allem hoffen die Initiatoren, der Bücherschrank möge ebenso gut genutzt werden, wie in Steinheim.

Ein paar Anwesende räumen erste mitgebrachte Bücher in Regale. Ob die Leute Bestseller oder Liebhaberobjekte bringen, bleibt offen. Willkommen sind alle Bücher, die keinen Anstoß nehmen. Das kann man auf einem Reglement an der Tür lesen. Und auch, wie das mit dem Büchertausch funktioniert, nämlich, das jeder Bücher bringen aber auch aus dem Schrank nehmen darf. Auch das Lesen an Ort und Stelle, drei Parkbänke auf dem Vorplatz laden dazu ein, ist durchaus erwünscht. „Es könnte ein schöner Flecken für Begegnungen werden“, so Weiß. Ortsansässige, die man als Paten gewinnen möchte, sollen regelmäßig ein Auge auf den Bücherschrank werfen. „Damit er nicht überladen wird“, oder beispielsweise zum Müllabladen missbraucht, erklärt Bokelmann noch. Der Schrank könne auch durchaus als Inspiration zum Lesen gesehen werden. Denn was man hier nicht finde, könne man eventuell in der Stadtbücherei entdecken. Auch deren Öffnungszeiten kleben auf einem Zettel am Fass. Denn der Schrank soll als Ergänzung, nicht als Konkurrenz zum offiziellen Leihangebot gesehen werden.

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