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Steinheim-KleinbottwarEin Jazz-Erlebnis der Feinschmeckerklasse

Cornelia Ohst, vom 15.07.2012 19:34 Uhr
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Jessy Martens hat „eine Stimme zum Niederknien“. Foto: Werner Kuhnle
Jessy Martens hat „eine Stimme zum Niederknien“.Foto: Werner Kuhnle

Steinheim-Kleinbottwar - Eine gehörige Portion Frust war am Freitagabend bei Felix Graf Adelmann herauszuhören. Mehr als nachvollziehbar für alle, die als Besucher eines der stimmungsvollsten Veranstaltungshighlights der Region zugegen waren. „Schlimm genug, dass wir Winzer das ganze Jahr über vom Wetter abhängig sind, das schlussendlich die Qualität unserer Weine und die Ernte bestimmt. Und nun das!“ Der Hausherr von Burg Schaubeck fasste enttäuscht zusammen, was wohl alle Organisatoren der Wein- und Kulturtage, bekannt als „die Sieben Schwaben“, über die zur bunten Schirmparade mutierte Veranstaltung dachten: Trotz aller Bemühungen und intensiver Vorplanung „ist das Wetter das Einzige, das nicht beeinflussbar ist“.

Da tröstet es nur schwerlich, dass sich „Hardcore-Fans“ dekorativ direkt vor der Bühne positioniert haben, um „einem der technisch besten Schlagzeuger Europas“, nämlich Charly Antolini, und seinen hochkarätigen Mitspielern auch bei Regen Beistand zu leisten. Ein Sommervergnügen nämlich sieht anders aus. Doch die rund 600 wetterresistenten Gäste ließen sich ihr Event im Park nicht vermiesen.

Einen großen Anteil daran hatte die Band mit Drummer-Urgestein Charly Antolini und Jan Jankeje als virtuosem Magier am Kontrabass. Die sechsköpfige Formation, die sich in dieser Zusammensetzung das erste Mal auf der Bühne zeigte, steht dabei für Swing-Power pur: Berauschende Schlagzeugsoli, leidenschaftlich-mitreißende Saxofonparts von Tony Lakatos und ein sinnliches Tasten-Vergnügen mit dem gebürtigen Ludwigsburger Olaf Polziehn am Klavier. Die hochkarätigen Musiker ermöglichten ein Jazzerleben der Feinschmeckerklasse und ließen Unbehagen und Frösteln schnell vergessen.

Mit einem „Sich-warm-Spielen“, wie Antolini die ausgelassene und rein instrumentale Jazz-Session zu Beginn deklarierte, zeigten die Musiker vom ersten Ton an, was in ihnen steckt. Eine richtig runde Sache wurde das Ganze, als die beiden Vokalsolistinnen, die die Band mitgebracht hatte, in Aktion traten. Die Marbacherin Daniela Bellin erinnert stimmlich ein wenig an Norah Jones, wenn sie lasziv ins Mikrofon haucht und markante Akzente setzt.

Als Vollblut-Bluessängerin tritt die in New Orleans geborene Kate Daniels in Erscheinung. Ihr aus den brodelnden Tiefen ihres Körpers gesungenes „Georgia“ oder etwa „All Of Me“ ist eine stimmliche Hommage an dieses Genre und verschmilzt mit den Tönen der Band zu einem großartigen Hörgenuss.

Eine meteorologische Wiedergutmachung brachte schließlich der Samstagabend und mit ihr viele erwartungsfrohe Gäste, die vom künstlerischen Power-Angebot her vor eine schwere Wahl gestellt wurden: So faszinierte Jessy Martens unglaubliches Stimmwunder, das durch Mark und Bein geht, die Zuhörer vor der großen Bühne. Im Rosengarten erwartete Khalif Wailin’ Walter mit Band, glücklicherweise etwas zeitversetzt, seine Fans. Für Unentschlossene oder Begeisterte beider Gruppen hieß es demzufolge: mit dem Glas in der Hand lustwandeln und dabei noch nette Begegnungen machen.

Mit der außergewöhnlichen und dabei erst 24 Jahre jungen Blues-Lady, Jessy Martens, zeigte sich ein Mensch gewordenes Vitalserum, das unermüdlich zu unterhalten weiß. Trotz der auszehrenden und lebendigen Show, die sie wie ein Wirbelwind über die Bühne hüpfen und tanzen ließ, zeigte die Hamburgerin keinerlei Ermüdungserscheinungen und brachte ihr Stimme beglückend intensiv ins Gehör. Als „Stimme zum Niederknien“ wird ihr Talent gerne beschrieben. Gemeinsam mit ihren begnadeten Musikern hat Martens ihr anfangs noch schläfrig wirkendes Publikum im Handumdrehen wachgeküsst.

Auch Khalif Wailin’ Walters’ peitschendes Gitarrenspiel, seine verwegene Mimik und die ungestüme Stimme im Chicago-Blues-Stil wirkten an dem Abend wie ein musikalischer Vitamincocktail. Die Drei-Mann-Band trug mit ihrer Performance dazu bei, dass die aufsteigende Kühle kaum wahrgenommen wurde. Mit Soul-Funk-Medleys, gecoverten und pulsbeschleunigenden Stücken à la Jimmy Hendrix sowie den mit lupenreinen Gitarrenriffs versehenen Eigenarrangements, wie „She Took The Vodoo On Me“, legte auch Khalif Wailin’ Walter einen Zauber über sein Publikum, der noch lange nicht weichen wollte.

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