Steinheim-Kleinbottwar Amtsinhaber und Herausforderer setzen auf Neuanfang

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Von links: Thomas Rosner, Ulrich Raisch, Thomas Winterhalter.Ulrich Raisch will mit seiner Kandidatur Flagge zeigen für die Demokratie. Foto:  

Steinheim Informationen vermitteln, aber auch versuchen, die Kandidaten von ihrer persönlichen Seite zu zeigen, das war das Ziel des Leserforums. So formulierte es die Moderatorin Karin Götz, Leiterin der Lokalredaktion der Marbacher Zeitung – und stellte zu Beginn des Abends persönliche Fragen an die Kandidaten. Erst nur ganz kurze: Ihre größte Schwäche? Ihr größtes Versäumnis? Woher schöpfen Sie Ihre Kraft? Was nehmen Sie mit auf eine einsame Insel? Dann ging es ans Eingemachte. Götz machte deutlich: Was der Amtsinhaber bei Sachthemen durch einen Wissensvorsprung an Vorteil hat, könnte ihm auch zum Nachteil werden – immerhin gebe es acht Jahre, in denen Kritik aufgekommen ist, über die man sprechen muss. Natürlich könne das oft zitierte schlechte Verhältnis zwischen Bürgermeister und Gemeinderat nicht außen vor bleiben. -

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Da Thomas Rosner immer wieder betont, dass er durchaus zu einigen Räten ein gutes Verhältnis habe, fragte Götz nach und verwies auch auf eine Stellungnahme der Ratsfraktionen. Vier Räte hatten sich vergangene Woche im Namen ihrer gesamten Fraktionen hinter Thomas Winterhalter gestellt. „Wie kann es sein, dass die Wahrnehmung doch so unterschiedlich ist?“ Rosner antwortete: „Die Zusammenarbeit muss nicht so sein, dass wir alle ständig scherzen. Es geht darum, dass wir die Aufgaben, die wir haben, gemeinsam lösen.“ Was den Informationsfluss angehe, gebe es Gemeinderäte, die auch von sich aus nachfragen und Infos einholen. „Es gibt andere, die das nicht tun.“ Wichtig sei für ihn, dass das Ergebnis stimmt. „Wir haben unheimlich viel erreicht.“ Zudem irritiere es ihn, so Rosner, „dass man immer so tut, als wäre ich der einzige Schuldige.“ Zum Streiten gehörten immer zwei.

Auf die Frage nach gemachten Fehlern richtet Rosner erst einmal den Blick auf die anderen und betont: „Insofern habe ich das Gefühl, dass ich es immer wieder probiert habe.“ Erst nach nochmaligem Nachhaken der Moderatorin nach Fehlern, die er gemacht habe, räumt er ein, das Bedürfnis des ein oder anderen nach Wertschätzung und Respekt zu wenig beachtet zu haben. Und wie könnte – im Falle eines Wahlsiegs Rosners – der Neuanfang gelingen? „Es gab in den letzten Jahren viele Verletzungen“, so der Bürgermeister. „Man kann nicht alles vergessen, aber ich kann verzeihen. Ich strecke meine Hand jedem entgegen.“ Und was ist mit Verletzungen, die er selbst anderen zugefügt hat? „Da wäre ich gespannt, welche das wären. Ich habe nie öffentlich jemanden angegriffen“, so Rosner. er habe immer alles intern gemacht. „Aber wenn man intern verletzt, ist es ja auch nicht besser“, hakt Karin Götz nach. „Aber es ist schon ein gewisser Unterschied, ob’s in der Zeitung steht“, so Rosners Antwort.

Auf das Thema Vertrauen setzt Thomas Winterhalter. „Das steht in Steinheim auf der Agenda“, hat er für sich erkannt, wie er sagt. „Aber warum eigentlich Steinheim?“, fragte ihn Karin Götz nach seinen Ambitionen. „Ich habe überlegt, wie ich mich weiterentwickeln kann“, so der Pleidelsheimer Hauptamtsleiter. Da ­schaue man sich um. In der Zeitung habe er gelesen, dass in Steinheim Spannungen da sind. „Da ist bei meiner Frau und mir die Entscheidung gereift, dass ich den Hut in den Ring werfe. Wir sind das Wagnis eingegangen, wohl wissend, dass es schwierig wird.“ Einen Tabubruch sehe er darin nicht, sich in einer Kommune zu bewerben, in der sich auch der Amtsinhaber bewirbt. Er sei auch nicht geholt worden und sicher auch keine Marionette des Steinheimer Gemeinderats, reagiert Winterhalter auf eine entsprechende Frage. „So selbstständig bin ich, dass ich selbst auf die Fraktionen zugehe und meinen Markt abklopfe.“ Dass diese sich jetzt einmütig hinter ihn gestellt haben, habe ihn „vom Underdog auf eine gewisse Ebene gehoben“. Da sollte auch sein Alter nicht stören, findet der 31-Jährige. Die Frage gebe es natürlich immer wieder. Aber im Kreis seien viele junge Kollegen, zum Beispiel in Marbach oder Murr: „Und mein Chef Ralf Trettner war 27 Jahre alt, als er zum ersten Mal in Pleidelsheim zum Bürgermeister gewählt wurde.“

Warum er doch eher vorsichtig in den Wahlkampf gestartet sei, wollte die Moderatorin noch von Winterhalter wissen. „Sind Sie eher ein Zauderer oder ein Macher?“ „Tendenziell bin ich ein Macher“, so der Herausforderer. „Das ist mein erster Wahlkampf, und er ist gegen einen Amtsinhaber. Ich bin kein Zauderer, aber ich bin mit gewissem Respekt in den Wahlkampf gegangen.“

Wahlkampf Nummer 29 ist es für Ulrich Raisch. „Hat man da nicht mal die Nase voll?“, fragte ihn Götz. Nein, sagt der Musikpädagoge. „Wir brauchen Menschen, die für das Gemeinwesen und unsere Demokratie Flagge zeigen.“

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