Steinheim Horrenwinkel kann mit mehr Bussen rechnen

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Für den Bürgermeister Thomas Winterhalter ist das bessere Busangebot „ wie ein Sechser im Lotto“. Foto: Archiv

Steinheim - Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Steinheimer Wohngebiet Horrenwinkel vom Linienbusverkehr komplett abgeschnitten. Inzwischen werden dort zwischen Montag und Freitag immerhin zwölf Fahrtenpaare angeboten. Heißt: Auf dem Weg von und nach Marbach hält der Bus jeweils ein Dutzend Mal. Wie der Ordnungsamtsleiter Rolf Englert am Dienstagabend im Gemeinderat bekannt gab, zeichnet sich ab, dass diese Zahlen bald schon geradezu pulverisiert werden. Das liegt daran, dass das für Transport-Unternehmen überaus attraktive Linienbündel 6 mit dem Bereich Marbach-Bottwartal EU-weit neu ausgeschrieben wurde. Und dafür seien zwei Angebote eingegangen, die ohne Zuschüsse auskommen und ganz ohne Aufpreis sogar zusätzliche Fahrten beinhalten, um in dem Bieterwettstreit zu punkten, erklärte Englert.

Sowohl die Regionalbus Stuttgart GmbH (RBS) als auch die Württembergische Bus-Gesellschaft (WBG) wollen künftig werktags 35 Fahrtenpaare über den Horrenwinkel ins Programm nehmen. Sogar noch einen Schritt weiter geht allerdings die RBS, die das Wohngebiet von Dezember an auch an Samstagen sowie sonn- und feiertags ansteuern will. An diesen Tagen stoppt seither überhaupt kein Bus in der Gegend. Das möchte die RBS nun ändern, die bei der Ausschreibung mit gleich acht Fahrenpaaren für diese Tage ins Rennen gegangen ist. Folglich legte die Verwaltung dem Gremium ans Herz, sich für die Regionalbus Stuttgart GmbH als Betreiber auszusprechen – was die Runde auch geschlossen tat.

Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass der Linienverkehr durch die Ausweitung der Fahrten in die Abend- und Nachtstunden an der Bottwartalhalle durch Besucher beeinträchtigt werden könnte – wenn dort größere Veranstaltungen anberaumt sind. Dazu handele es sich bei der Seestraße, die Kleinbottwar mit Steinheim verbindet und auf der Route der betreffenden Linie 461 liegt, um einen Feldweg, heißt es in der Vorlage zur Sitzung, in der auf die möglichen Probleme bei einer Vervielfachung der Fahrten hingewiesen wird.

„Solange auf der Seestraße nur Busse zugelassen sind und jeder Fußgänger und Radfahrer dies auch als Busspur wahrnimmt, nimmt zwar die Quantität, nicht aber die Qualität des Verkehrs zu“, sagte Rainer Breimaier von den Grünen. Insgesamt sei mit den nun vorliegenden Angeboten ein Qualitätssprung verbunden. Rainer Breimaier ist zudem überzeugt davon, dass dadurch nicht mehr Verkehr im Horrenwinkel entsteht. Die Fahrzeugbewegungen würden sich unterm Strich sogar reduzieren, wenn die Busse genutzt würden. Und die verbesserte Taktung lasse den ÖPNV zu einer „echten Mobilitätsalternative aufsteigen“, hob Rainer Breimaier hervor. Derzeit sei die Angebots-Lücke doch sehr groß.

Renate Eggers von der CDU zeigte sich ebenfalls angetan von dem Ausschreibungsergebnis. „Wir können das Angebot der RBS nur befürworten und begrüßen natürlich vor allem die Fahrten an Samstagen, Sonn- und Feiertagen durch das Gebiet“, sagte sie. Der Widerstand gegen die Linie 461, der von Teilen der Bewohner im Horrenwinkel einst artikuliert worden war, sei Vergangenheit. „Der Bus wird sehr gern genutzt“, konstatierte sie. „Und die Behinderungen mit der Bottwartalhalle sehen wir überhaupt nicht“, betonte Renate Eggers im Namen ihrer Fraktion.

Regina Traub von der SPD sprach sich ebenfalls dafür aus, der RBS den Zuschlag zu geben. „Wir sind froh, wenn der Horrenwinkel mit diesem Zusatzangebot versorgt wird“, erklärte sie. Sie könne auch kein Konfliktpotenzial mit Veranstaltungen bei der Bottwartalhalle erkennen.

Für den Bürgermeister Thomas Winterhalter war das Ganze sogar wie ein Sechser im Lotto. „Wir haben das auch sehr begrüßt und fast nicht für möglich gehalten, dass wir eine Vervielfachung der Fahrten und ein Wochenendangebot bekommen und uns das alles nichts kostet“, fasste der Rathauschef zusammen. Wobei die Stadt in dem Vergabeprozess nicht das letzte Wort hat, sondern nur eine Stellungnahme abgeben darf. Die Entscheidung fällt das Regierungspräsidium Stuttgart.

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