Steinheim Großer Bahnhof für das alte Bähnle

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Für die Lok heißt es Abschied nehmen und nach Hause zurückkehren. Foto: avanti

Steinheim - Großer Bahnhof gestern für die fast 100 Jahre alte Lok. Rund 70 Eisenbahnfans verfolgten das Spektakel, wie die 30 Tonnen schwere Dampflokomotive der ehemaligen Bottwartalbahn an einem Schwerlastkran hängend durch die Luft schaukelte. Auf einem Transporter ging die Fahrt dann nach Ochsenhausen. „Nach über 50 Jahren kehr ich wieder heim zum Öchsle“, stand in Kreide geschrieben auf der Flanke.

Die Schmalspurbahn hat eine bewegte Geschichte, weiß Andreas Albinger, Geschäftsführer der Öchsle-Betriebsgesellschaft. Ein bewegender Moment sei das, so Albinger. „Das war unsere Lok in Ochsenhausen.“ 1918 sollte die Lok wie 14 andere vom Typ VI K (wie Kleinspur) für die Kaiserliche Heeresfeldbahn an der Front Richtung Warschau fahren. Weil der Erste Weltkrieg aber vor dem Lokbau zu Ende war, wurde die Bahn in den Dienst der Sächsischen Staatseisenbahn gestellt und fuhr auf der Strecke Heidenau bei Dresden bis Altenberg im Erzgebirge. 1928 kam die Lok nach Ochsenhausen und rollte hier als „Öchsle“ bis zur Stilllegung der Strecke im Jahr 1964 auf der Strecke zwischen Biberach und Ochsenhausen. Die Dampflokomotive 99 651 wurde ins Bottwartal „umbeheimatet“. Allerdings war ihr hier durch die Einführung der Dieselloks nur eine kurze Zukunft beschieden. „Die Dampfloks fuhren noch im Winter, weil die Waggons mit dem Dampf besser beheizt werden konnten“, berichtet Andreas Albinger.

1969 wurde die Lok „voll betriebsfähig“ einfach stehen gelassen. „Die rottete dann vor sich hin“, bedauert Albinger. Jetzt sagt sie leise „Ade“ zum Bottwartal. Dass die 99 651 jemals wieder als „Öchsle“ zum Einsatz kommt, ist mehr als unwahrscheinlich. „Dazu bräuchten wir eine denkmalrechtliche Genehmigung“, betont Albinger. „Man müsste sehr viel Substanz erneuern.“ Auch die geschätzten Kosten von einer Million Euro sprechen gegen die Restaurierung.

Die originale Öchsle-Bahn soll im Lokschuppen in Ochsenhausen ausgestellt werden. „Wir werden die Lok rollfähig machen, das heißt, dass wir sie mit einer anderen Lok rangieren können, Lampen, Nummernschilder und anderes im Originalzustand komplettieren und die Farbe erneuern“, erklärt der Experte.

Für den Umzug ist kein Geld geflossen. Die Lok bleibt als Dauer-Leihgabe im Besitz der Stadt Steinheim. Für die angemessene Unterbringung hätte die Urmenschstadt um die 250 000 Euro investieren müssen. „Insofern haben wir der Stadt ein Problem abgenommen“, lacht Albinger.

In seiner Sitzung am Dienstag hat der Steinheimer Gemeinderat den Leihvertrag zischen der Stadt und dem Verein Öchsle Schmalspurbahn abgesegnet. Zudem wird die Stadt Mitglied im Verein.

Für Wolfram Berner geht mit dem Abtransport ein Kapitel zu Ende. „Aber es ist gut, im wahrsten Wortsinn einen Haken dranzumachen.“ Man wolle jetzt den historischen Bahnhof in Steinheim bewahren, beispielsweise mit einem dem Original entsprechenden neuen Schild zur Höhenmarke. Im Klostermuseum wolle man mit Unterstützung der Heimatpflegerin Helga Becker eine Vitrine zur Bottwartalbahn einrichten. Und der Schienenstrang, der gestern mit Hilfe des Schwerlastkrans aus dem Boden gelupft wurde, soll als Kleindenkmal der Bottwartalbahn in Oberstenfeld eine neue Heimat bekommen. Und natürlich gibt es die Broschüren über die Bottwartalbahn, wie die neueste „Friedliche Kriegslok“, die auch bei der Marbacher Zeitung erhältlich ist.

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