Steinheim Ein Blick zurück und einer nach vorn

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Der Erste Beigeordnete Norbert Gundelsweiler erklärt das strenge Prozedere. Jeder Bewerber hat zehn Minuten, die anderen müssen so lange draußen bleiben. Nach jeder Rede kann 15 Minuten nachgefragt werden. Am Ende darf jeder ein Schlussstatement von einer Minute halten. Foto: Werner Kuhnle

Steinheim - Das Interesse an der ersten offiziellen Kandidatenvorstellung war groß. Nur eine Handvoll der 720 aufgestellten Stühle blieben in der Riedhalle am Mittwochabend leer. Die Ausweichmöglichkeit Tribüne, auf der weitere 200 Zuhörer Platz gefunden hätten, musste nicht genutzt werden. Während Thomas Winterhalter und Ehefrau Lisa bis kurz vor Beginn der Veranstaltung die Bürger im Eingangsbereich begrüßten, hielt sich Amtsinhaber Thomas Rosner mit Familie schon in der Halle auf.

Kurz nach 19 Uhr wurde es dann ernst für alle Bewerber. Die Vorsitzende des Gemeindewahlausschusses, Renate Eggers, begrüßte die rund 700 Gäste samt den vier Kandidaten. Und der Erste Beigeordnete der Stadt, Norbert Gundelsweiler, erklärte das vom Wahlausschuss festgelegte Prozedere und bat die Zuhörer, fair zu bleiben, und die Reden nicht durch Missfallensäußerungen zu stören. Eine Bitte, der in den folgenden gut eineinhalb Stunden nachgekommen wurde.

Als Erster trat Thomas Rosner ans Redepult. Er erinnerte an seine Rede vor acht Jahren. Bürgermeister in Steinheim zu sein, sei seine Lebensaufgabe. Eine Aufgabe, der er sich mit seiner ganzen Kraft und Leidenschaft widmen werde, um wirtschaftlichen Fortschritt und um ein menschliches Miteinander in einem lebenswerten Steinheim zu erreichen. Viel habe man davon erreicht. „Und wir sind auf einem guten Weg, unsere Erfolgsgeschichte fortzuschreiben: Fortführen, was wir erreicht haben, zu Ende bringen, was wir begonnen haben und neue Projekte auf den Weg bringen.“ In seiner Bilanz listete Rosner unter anderem die Breitbanderschließung, die Mensa, die in etwa einem halben Jahr in Betrieb gehe, den Neubau des Kinderhauses in der Lehenstraße, das Holzhackschnitzelwerk und die Vermarktung des Gewerbegebietes Kreuzwegäcker auf.

Natürlich sei das nicht nur sein Erfolg, betonte Rosner. Sondern der Erfolg all derjenigen, die bereit gewesen seien, mitzudenken und mitzumachen. Viele Bürger, die Mitarbeiter des Rathauses, des Bauhofes samt den städtischen Einrichtungen und des Gemeinderates. „Mit den meisten Gemeinderäten verbindet mich eine sachliche, vertrauensvolle Zusammenarbeit“, versicherte Rosner. Natürlich gebe es einzelne Stimmen, die dafür sorgten, dass ihm immer wieder ein kräftiger kommunalpolitischer Wind ins Gesicht blase. Für ihn sei das auch ein Stück weit in Ordnung. „Das gehört nun mal zu unserer Demokratie.“ Traurig finde er hingegen, wenn das immer mal wieder in persönlich feindselige Attacken ausarte. „Noch nicht einmal in erster Linie für mich persönlich, sondern deswegen, weil dies dem Ansehen unserer Stadt schadet. Natürlich – wer mit der Lupe sucht, findet jedes Stäubchen, auch wenn sonst alles seine Ordnung hat.“ Ihn persönlich könne man, so Rosner, nicht mehr treffen. „Am Ende meiner nächsten Amtsperiode bin ich knapp 65 – da höre ich sowieso auf.“

Freuen kann man sich laut Thomas Rosner vor allem auf zwei Projekte: den Neubau der Blankensteinhalle und die konkrete Umsetzung des Stadtentwicklungskonzeptes iST30. Bei allen komme es auf Zuverlässigkeit, Erfahrung, exakte Ortskenntnisse, gegenseitiges Vertrauen, Durchhaltevermögen und Kontinuität an. „Ich erlaube mir, all das für mich in Anspruch zu nehmen.“

Herausforderer Thomas Winterhalter stellte sich den Bürgern zunächst in einem kurzen biografischen Abriss vor. Seit März 2015 ist er Hauptamtsleiter in Pleidelsheim und leitet dort neben dem Hauptamt auch das Ordnungs- und Bauamt. „Durch die enge und sehr kooperative Zusammenarbeit mit meinem Bürgermeister und dem Pleidelsheimer Gemeinderat sind mir die komplexen Aufgaben eines Bürgermeisters sehr vertraut.“ Aufgrund des Studiums und der bisherigen Tätigkeit als Hauptamtsleiter verfüge er über die notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen in allen wichtigen kommunalen Aufgabenbereichen, betonte der 31-Jährige, der seit 2011 ehrenamtlich den Freiberger Kulturverein leitet.

Besonders am Herzen liege ihm das Thema Bildung und Betreuung. Eine bestmögliche Bildung für den Nachwuchs sei die Basis für Lebensqualität und Erfolg. Die Stadt Steinheim müsse hierfür die Rahmenbedingungen schaffen. Im Falle seiner Wahl werde er sich dafür einsetzen, dass die Schulen gut ausgestattet sind und die Kindergärten und Kleinkindbetreuung weiter ausgebaut werden. „Die Betreuungsangebote für unsere Kinder und Jugendlichen gilt es mit verlässlichem Weitblick und der notwendigen Flexibilität zu verbessern. Für viele unter uns ist dies zwingend notwendig, um Familie und Beruf in Einklang zu bringen.“

Darüber hinaus sei der Bürgermeister der entscheidende Wirtschaftsförderer der Stadt. Den Unternehmen wolle er ein kompetenter und verlässlicher Ansprechpartner sein und mit zwei offenen Ohren bei Schwierigkeiten gemeinsame Lösungen finden, betonte Winterhalter. „Ich möchte, dass die vorhandenen Einzelhändler, Gastronomen, Bäcker, Metzger, die Märkte, die Landwirte und Direktvermarkter in Steinheim eine gute Zukunft haben. Sie stehen nicht nur für die ortsnahe Versorgung, sondern sind auch wichtige Orte der Begegnung.“ Außerdem kündigte der 31-Jährige an, sich nachdrücklich für die Umsetzung des Luftreinhalteplanes einzusetzen.

Nach Jahren des Stillstandes werde er, die „aufgelaufenen Themen wie beispielsweise das Stadtentwicklungsprogramm ISt 2030, und den Investitionsstau im Bereich der Sport- und Veranstaltungshallen beherzt angehen und zielstrebig abarbeiten“, sagte Winterhalter. Auch die Reduzierung der Feinstaubemissionen sei eine zentrale ökologische Maßnahme. Bereits im Studium habe er sich intensiv mit dem Thema „Führung im öffentlichen Sektor“ auseinandergesetzt. Damals habe sich der Wunsch entwickelt, Verantwortung in der kommunalen Verwaltung zu übernehmen und das Zusammenleben der Menschen mitzugestalten. „Besonders wichtig ist mir dabei, in einer wertschätzenden Atmosphäre mit allen Bürgern, den gewählten Gremien und der Verwaltung zusammenzuarbeiten.“

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