Steinheim Der Bürgerbus kann Fahrt aufnehmen

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Feste Haltestellen, feste Abfahrtszeiten: Das bietet der Bürgerbus in Marbach. In Steinheim wird es bald ähnlich sein. Foto: Werner Kuhnle

Steinheim - In Freiberg und Marbach dreht der Bürgerbus schon eine ganze Weile seine Runden, um vor allem ältere Herrschaften innerhalb des Stadtgebiets von A nach B zu bringen. Nun steht auch Steinheim in den Startlöchern. Nach Möglichkeit noch im ersten Halbjahr dieses Jahres sollen die Touren beginnen, sagten der Rathauschef Thomas Winterhalter sowie Sandra Weiß und Jürgen Thalemann vom Bürgernetzwerk Steinheim am Dienstag bei einem Pressegespräch. Direkt im Anschluss stellten Weiß und Thalemann das Konzept dem Gemeinderat vor, wo sich alle Fraktionen angetan von dem Engagement des Vereins und dem Vorhaben an sich zeigten. Logisch, dass die Runde das Ganze einmütig absegnete.

Allerdings heißt das nicht, dass damit schon ein Knopf dran wäre. Schließlich müssen die Behörden ebenfalls ein Häkchen dahinter machen. Ein strenges Auge hat das Landratsamt Ludwigsburg bei der Prüfung vor allem auf die Routenführung. Voraussetzung für eine Genehmigung ist nämlich, dass der Bürgerbus nicht in Konkurrenz zum bestehenden ÖPNV-Angebot tritt. Das macht die Anbindung von Höpfigheim, das unbedingt ans Bürgerbusnetz angedockt werden soll, kompliziert. Der reguläre Bustakt sei zwar eher grob gestrickt, aber werktags dennoch so, dass man mit dem Bürgerbus nicht hineingrätschen dürfe, erläuterte Jürgen Thalemann. Fahrten in Höpfigheim will man fürs Erste aber zumindest am Samstagvormittag anbieten. In der Hoffnung, später vielleicht doch etwas draufpacken zu können. „Wir sind für Höpfigheim am Ball. Das ist eine Herzensangelegenheit“, betonte Sandra Weiß, Vorsitzende des Bürgernetzwerkes Steinheim, das sich die Umsetzung des Projekts auf die Fahnen geschrieben hat.

Unproblematischer ist die Gemengenlage in der Kernstadt. Dort sollen in erster Linie die bislang vom ÖPNV abgeschnittenen Wohngebiete wie der Horrenwinkel, aber auch der Bereich Richtung Rielingshäuser Straße angefahren werden. Neben zentralen Anlaufstellen wie dem Marktplatz hat das Bürgernetzwerk insbesondere Haltepunkte beim Kaufland, am Friedhof, bei Ärzten, Metzgern und Bäckern im Visier. Kleinbottwar wird hingegen komplett ausgeklammert – aber nicht aus Missachtung. „Da ist die Anbindung relativ gut. Der Ortsvorsteher hat zudem gesagt, dass er keinen Bedarf sieht“, erläuterte Sandra Weiß.

Zu all den anderen Punkten, die man ins Netz aufnimmt, werden die Passagiere von ehrenamtlichen Fahrern chauffiert. Sechs Freiwillige habe man bislang an der Hand, sagte Sandra Weiß. „Wir wären froh, wenn noch zwei oder drei dazukämen“, ergänzte Jürgen Thalemann. Der Bus, den man anschaffen will, soll bis zu acht Personen befördern können. Ob das Fahrzeug geleast oder gekauft wird, ist noch nicht entschieden. Die Tendenz geht eher Richtung Mietvariante. Das ist zum einen wirtschaftlicher, wie Jürgen Thalemann den Räten vorrechnete. Zum anderen sei man dadurch flexibler, sagte der Kassier des Vereins. Vielleicht sei man in Sachen E-Mobilität in drei Jahren schon weiter und könne dann auf einen Bus mit spritfreiem Antrieb umsteigen. Dieses Vorgehen empfahl auch Timo Renz von den Freien Wählern. Rainer Breimaier von den Grünen würde sich ebenfalls einen umweltfreundlichen Motor wünschen. Allerdings reduziere der Bür-gerbus an sich schon die Emissionen, weil man vom Individualverkehr abkomme.

Kosten wird eine Fahrt einen Euro. Der Bus soll an zwei Halbtagen unter der Woche in Steinheim unterwegs sein und dann am Samstag eben in Höpfigheim. Die Haltestellen werden kenntlich gemacht, zudem feste Fahrpläne ausgearbeitet. „Wir bewegen uns im Linienbusverkehr. Da müssen sich die Leute darauf verlassen können, dass ein Bus fährt“, betonte Thomas Winterhalter. Als Reaktion auf eine entsprechende Empfehlung von Renate Eggers von der CDU machte er aber auch klar, dass die Route später optimiert werden kann – wenn sich in der Praxis ein anderer Bedarf abzeichne. Natürlich wäre es auch schön, mittwochs den Markt in Höpfigheim ansteuern zu können, erwiderte er auf eine Anregung von Regina Traub von der SPD. „Aber aktuell ist das nicht vorgesehen“, erinnerte er daran, keine Konkurrenz zum ÖPNV schaffen zu dürfen.

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