Steinheim Dampflok kommt nach Ochsenhausen

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Die Tage der Dampflok 99651 in Steinheim sind gezählt. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Steinheim - Das wird die Mitglieder des Museumsvereins der Öchsle Schmalspurbahn freuen. Mit großer Mehrheit haben die Gemeinderäte am Dienstagabend beschlossen, das technische Denkmal nach Ochsenhausen zu verleihen. Seit Anfang 2014 werben die Aktiven des Vereins um die Leihgabe. Die Verwaltung wurde beauftragt, den Leihvertrag und die Leihmodalitäten gemeinsam mit dem Verein auszuarbeiten und gegebenenfalls die erforderlichen Genehmigungen und Absprachen mit den Denkmalbehörden einzuholen. So hatte es SPD-Rat Michael Uhl in einem Antrag formuliert.

Die Verwaltung ging mit ihrem Vorschlag, die Dampflok zu behalten und die Restaurierung zu veranlassen sowie ein angemessenes Überdachungskonzept vorzulegen, am Dienstag baden. Dabei hatte sich Bürgermeister Thomas Rosner in der Sitzung einmal mehr dafür stark gemacht, die landläufig als „Entenmörder“ bekannte Lok zu behalten. Schließlich habe die Stadt das Denkmal erworben und somit das Recht, über den Verbleib zu entscheiden. „Außerdem höre ich jede Woche, wenn ich bei Senioren bin, dass wir sie behalten sollen.“

Uhl hatte Rosner Unsachlichkeit vorgeworfen. In der Sitzungsvorlage bediene er sich „pathetischer Floskeln“. Unterschwellige Beeinflussungen mit Worten wie „Heimat verkauft man nicht“ seien fehl am Platz. Das Regierungspräsidium Tübingen halte, so Uhl, eine Zusammenführung der Lok 651 mit der Öchsle-Bahn auch in räumlicher Hinsicht für sehr wünschenswert. Wenngleich auch das Landratsamt Recht habe, wenn es das Kulturdenkmal der Lok 651 als Teil der Bottwartalbahn sehe und einen Verbleib in Steinheim befürworte. Ob jedoch ein „Verbringungsverbot“ bestehe, sei strittig. Die entscheidende Frage könne also nur sein: Wie man dem Kulturdenkmal der Lok am besten gerecht werde. Mit dem Verbleib der Lok kämen erhebliche Kosten auf die Stadt zu, betonte Uhl. Und die seien nicht annähernd abschätzbar. „Bei den bisher geschätzten 244 000 Euro wird es bei Weitem nicht bleiben.“ Im Öchsle-Verein würden sich fachkundige, engagierte, ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitglieder um den Erhalt, die denkmalgerechte Restaurierung bei fachgerechter Unterbringung kümmern. „So könnten auch unsere Enkelkinder die Lokomotive, zwar nicht in Steinheim, jedoch bei der Öchslebahn besichtigen.“ Eine Idee, die Thomas Rosner überhaupt nicht gefällt. Das sei wie wenn man am Wochenende die Oma im Sanatorium besuche. Außerdem könne seiner Kenntnis nach, die Lok nicht wieder zum Fahren gebracht werden. Eine Äußerung, die FWV-Rat Michael Bokelmann auf den Plan rief. Es sei eine Frechheit, dies zu behaupten, sagte er und verwies auf die Mitglieder des Vereins im Auditorium. Rosners Replik: „Das ist meine Sicht. Keine Behauptung.“

Manfred Waters (CDU) warb vergebens dafür, die Entscheidung zu vertagen und zuvor noch Fragen wie Zuschussmöglichkeiten und das „Verbringungsverbot“ zu klären. Rainer Breimaier von den Grünen sprach sich für den Verbleib des Denkmals in Steinheim aus, stellte jedoch klar, dass er nicht für die Fraktion spreche. Die Lok verkörpere für ihn den Anschluss des Bottwartals an die Moderne. „Diese Qualitat als Industriedenkmal gilt es zu bewahren. Von einer Plastik geht nicht dieselbe Symbolkraft aus.“ Auch ihr sei der „Entenmörder“ ein lieb gewordenes Kleinod, erklärte Fraktionskollegin Petra Möhle. Doch in Ochsenhausen werde er seiner Rolle als technisches Denkmal optimal gerecht. „Das können wir hier nicht leisten.“

Die Freien Wähler hatten am 5. Februar eine Online-Umfrage gestartet. Exakt 968 Bürger hatten ihr Häkchen bis Dienstagnachmittag gesetzt und auf die Frage geantwortet, ob die Lok in Steinheim bleiben oder an den Museumsverein veräußert werden soll. Das Ergebnis ist eindeutig – wenngleich es natürlich nicht repräsentativ sein könne, räumte Renz ein. Außerdem könne man auch Mehrfachabstimmungen nicht ausschließen. Etwa 90 Prozent der teilnehmenden Bürger haben sich für die Weggabe nach Ochsenhausen ausgesprochen. Eine Position, die Timo Renz nachvollziehen kann. „Ich sehe die Kosten im Vordergrund und glaube nicht, dass die rund 60 000 Euro für die Restaurierung reichen.“ Darüber hinaus habe ihn keine einzige E-Mail erreicht, in der sich jemand für den Erhalt ausgesprochen habe.

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