Steinheim 127:9 für die Geflügelbratwurst mit Nudeln

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Täglich werden von der Steinheimer Mensa aus auch Kindergärten und eine Krippe im Umland beliefert. Foto: Michael Raubold Photograhie

Steinheim - Direkte und kurz angebundene Kunden sind in der Gastronomie sonst eher unbeliebt, doch bei Diana Riek ist das ganz anders: „Wenn die sagen, es hat geschmeckt oder es hat nicht geschmeckt, ist das zu 100 Prozent ehrlich“, sagt die Köchin lächelnd. „Das sind richtig schöne Momente!“ Die gebürtige Steinheimerin, 39 Jahre alt, hat im April ihren Dienst in der Steinheimer Mensa angetreten. Der rautenförmige Neubau, durch die grünen, bodentiefen Fensterfronten dezent bis gedämpft erleuchtet, wurde im September 2017 neu eröffnet.

Um 7 Uhr tritt Riek im leicht futuristisch anmutenden Gebäude an jedem Schultag über die Küchenschwelle. Mit ihren Kolleginnen kocht sie nicht allein für den Steinheimer Schulcampus mit seiner Ganztagesbetreuung. Zusätzlich werden von hier aus täglich auch die Kindergärten in Höpfigheim, Kleinbottwar, Murr und Rielingshausen beliefert.

Bis zu 150 Essen – an diesem Dienstag sind es genau 136 vorbestellte Menüs – gehen täglich im Rautenbau an der Murr über den Tresen. An die Kindergärten ausgeliefert werden von hier zudem bis zu 250 Portionen. Mitarbeiterin Simone Di Stefano aus Steinheim schiebt gerade zügig die aufeinander gestapelten, schwarzen Styroporboxen, in denen sie das Essen zum Auto bringt, auf einem Edelstahl-Rollwagen durch den Flur: „Jeder will sein Essen pünktlich haben“, bemerkt sie kurz und bündig, schon ist sie vorbeigerauscht.

Patrick Leisch, Betriebsleiter bei Mensapächter Apetito Catering, erklärt: „Es ist alles ziemlich genau getaktet, die Kleinen brauchen pünktlich ihr Essen.“ Diana Riek erklärt derweil die Rezept- und Speisenauswahl: „Es soll für die Kinder lecker sein, aber auch gesund“, bringt sie die Vorgaben auf den Punkt. Die Altersspanne reicht von den Jüngsten – Kleinkindern in der Krippe in Rielingshausen im Alter von bis zu drei Jahren – zu den 17-Jährigen am oberen Ende des Altersspektrums an der Gesamtschule mit Ganztagesbetreuung.

Ein kleiner, blonder Knirps ruft an der Essensausgabe begeistert: „Nudeln, mein Lieblingsgericht!“ Dann greift er sich ein Schälchen mit Rote Beete, ein Rotschopf daneben zieht ein Dessertschälchen mit Schokopudding aus den gekühlten Fächern. Zur Wahl steht in Steinheim heute „Menü A“, eine Geflügelbratwurst mit Rahmsoße und Spiralnudeln plus Salaten und Desserts aus der Selbstbedienungsbar. Die Essensausgabe ist technisch ausgeklügelt. Vorbestellt wird von den Eltern im Internet an den Vortagen, bis 8 Uhr am Tag der Essensausgabe kann jederzeit storniert werden. „Menü B“ hat als Hauptspeise Gnocchi mit Spinatsoße und Parmesan zu bieten. Die einem Kassenbon ähnelnde Bestellübersicht offenbart den eindeutigen Favoriten: In Steinheim steht es 127:9 für Menü A, die Geflügelbratwurst also. Es ist 11.30 Uhr, der Ansturm der Kinder, der „Überfall“, wie ihn Diana Riek scherzhaft nennt, hat begonnen. Bis 12.45 Uhr steht der Essenssaal nun allen Schülerinnen und Schülern offen.

Erst- und Zweitklässler werden in der Kernzeitbetreuung dienstags, mittwochs und donnerstags vor Ort beim Essen gesondert beaufsichtigt und betreut. So ist garantiert, dass alles auch bei den „Kernikindern“ in geordneten Bahnen abläuft. Eine der drei Betreuerinnen – in der Regel Eltern von Schulkindern – reckt gerade den ausgestreckten Zeigefinger vor den gespitzten Lippen, ruft: „Klasse 1c, versucht, mal leise zu sein!“

Dann bildet sie aus Daumen, Zeige- und Ringfinger wie beim Schattenspiel einen geöffneten Mund, dann führt sie Finger zusammen, spreizt dazu Zeigefinger und kleinen Finger nach oben ab: „Mund zu, Ohren auf“ – der Fingerzeig wirkt tatsächlich Wunder, kurz darauf ist nur noch monotones Besteckklappern zu hören.

„Wer fertig ist und aufgeräumt hat, darf sich vorne bei der Türe in einer Reihe aufstellen.“ Ein Mädchen im sonnengelben Kleidchen stellt ihr Dessertschälchen zuoberst auf den Geschirrturm, der auf dem Rollwagen langsam in die Höhe wächst. Voller Energie geht es für die Kids jetzt weiter in die Hausaufgabenbetreuung – der Geflügelbratwurst oder den Gnocchi sei Dank.

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