Sommerserie Der Horror-Urlaub, der dann doch keiner war

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Die Familie Rogel ist für ihren Mut belohnt worden. Foto: privat

Erdmannhausen - USA – unser schönes Allgäu: Dort lässt es sich wirklich prima Urlaub machen, deshalb hat Familie Rogel aus Erdmannhausen das auch jahrelang getan. Doch: „Irgendwann hatten wir alles durch und wollten mal was anderes“, berichtet Matthias Rogel. Der Vorsitzende des GSV-Fördervereins dachte da an Sonne, Strand und Meer – Italien zum Beispiel. „Wir wollten eine kleine Anlage, Sandstrand, Liegen…“ Das ist aber kurz vor den Sommerferien gar nicht so einfach. „Wir hatten schon aufgegeben, dann hat meine Frau zwei Wochen vor Abreise doch noch etwas gefunden“, berichtet Matthias Rogel. Eine kleine Anlage, die im Internet ganz nett aussah. „Etwas geschockt waren wir nur vom Preis, das war schon sehr günstig“, erinnert sich der Erdmannhäuser und gibt zu: „Irgendwie sucht man dann ja den Haken an der Sache.“ Und den fanden Rogels auch bald, als sie sich im Internet auf die Suche machten. Auf verschiedenen Internet-Bewertungsportalen gab es eine Reihe von „Schock-Bildern: undichte Dächer, Ungeziefer, Betten, die die Bezeichnung Bett nicht verdienen“, zählt Matthias Rogel auf. Was tun? Der Familienrat tagte und beschloss: Wir ziehen das durch, gehen aber vorher nochmal einkaufen. Unter anderem wurden Luftmatratzen angeschafft, um notfalls nicht in den Betten im Bungalow schlafen zu müssen.

Mit gemischten Gefühlen machte sich Familie Rogel auf die Reise nach Rosolina Mare, das südlich von Venedig am Meer gelegen ist. Rund 800 Kilometer sind es von Erdmannhausen nach Rosolina Mare, dafür braucht man laut Routenplaner um die acht Stunden. Rogels hatten Pech. Vollsperrung auf der Autobahn, Blockabfertigung am Fernpass, und, und, und… Nach 16 Stunden kamen Matthias, seine Frau Heike und die Kinder Luca und Ida, damals 13 und zehn Jahre alt, im Ferienort an der Adria an. Die Ferienanlage war nicht zu finden, Hunger und Durst plagten das Ehepaar und die beiden Kinder. „Wir haben das Auto einfach mitten im Ort abgestellt und sind in die nächste Pizzeria rein“, berichtet der Familienvater. Die hatte um 23 Uhr den Pizza-Ofen natürlich schon aus. Doch Pizzabäcker Luca hatte Mitleid – und wollte seinen hungrigen Namensvetter samt Familie nicht abweisen.

Frisch gestärkt setzten Rogels ihre Suche nach der Ferienanlage in Rosolina Mare fort – und wurden schnell fündig, denn sie hatten das Auto direkt neben der unscheinbaren Einfahrt geparkt. Also auf in den Bungalow. „Das war echt ein komisches Gefühl. Mitten in der Nacht und du hast diese Horrorbilder im Kopf mit Riesenspinnen und Ameisenstraßen“, sagt Matthias Rogel. Dann die Überraschung: „Es sah drinnen ganz okay aus.“ Auf das Aufpumpen der Matratzen wurde verzichtet und alle fielen todmüde in die Betten.

Bei Tageslicht dann die Bestätigung: „Es war alles echt okay und sauber, der Strand picobello, das Wasser glasklar.“ Woher die Gruselbilder und Horror-Geschichten im Internet kamen? „Wir glauben inzwischen, dass einige Feriengäste ihr Feriendomizil für sich behalten wollten. Deshalb haben sie wahrscheinlich die schlechten Bewertungen eingestellt – damit der Geheimtipp auch geheim bleibt“, mutmaßt Matthias Rogel. Die scheußlichen Bilder seien jedenfalls in der ehemaligen Polizeistation des Ortes in der Nachbarschaft gemacht worden, weiß er inzwischen.

Rogels sind froh, dass sie sich von den Internetbewertungen nicht haben abschrecken lassen, denn „das war der schönste Urlaub, wir sind am Strand gelegen, sind spazieren gegangen, haben gelesen, alle waren ausgeglichen und zufrieden.“ Es war sogar so schön, dass Familie Rogel seither immer wieder dort war – auch dieses Jahr.

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