Pleidelsheim Störche entdecken das Wiesental für sich

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Die beiden imposanten Vögel sind dabei, das Nest herzurichten. Die Brutzeit kann also bald beginnen. Foto: Claus König

Pleidelsheim - Claus König war Leiter der Ludwigsburger Vogelschutzwarte, Chef des Stuttgarter Naturkundemuseums und ist immer noch ehrenamtlicher Naturschutzwart im Kreis Ludwigsburg. Der83-jährige Ornithologe hat also schon unzählige Vögel gesehen, analysiert und beobachtet. Und doch freut er sich momentan über einen Anblick ganz besonders: Im Pleidelsheimer Wiesental tummeln sich zwei Störche. Und nicht nur das. Die imposanten Adebare richten emsig ihr Nest her und sind kräftig am Balzen. Claus König geht deshalb davon aus, dass bald die Eiablage beginnt. „Mitte bis Ende April könnten dann die Jungen schlüpfen“, schätzt der Experte.

Sollte es so kommen, wäre es eine kleine Sensation. Letztmals hätten frei fliegende Störche in hiesigen Gefilden 1956 Nachwuchs bekommen. „Damals hat nur ein Jungvogel überlebt“, erinnert sich Claus König. Bei der Ludwigsburger Vogelschutzwarte sei das Tier aufgepäppelt worden, ehe es dann mehr als 20 Jahre rund um den Favoritepark seine Kreise gezogen habe. Das Storchenpaar im Wiesental ist aber auch aus einem anderen Grund für Claus König ganz speziell. „Jetzt haben wir eine Freibrut außerhalb von Ortschaften“, erklärt der Ludwigsburger. Dazu komme, dass sich das Nest auf einem Baum inmitten einer Kolonie von Graureihern befinde. Sonst ließen sich die Adebare ja eher auf Dächern nieder. Darüber hinaus hätten sich die beiden Vögel in einem Naturschutzgebiet angesiedelt. „Das ist ein Gebiet von überregionaler Bedeutung. Durch die Störche wird es zusätzlich noch aufgewertet. Das sind Pioniere“, fasst der Experte zusammen.

Bei den beiden Störchen handele es sich um keine Unbekannten in der Gegend. Die Tiere seien im vergangenen Jahr beim Blühenden Barock gesichtet worden. „Ursprünglich kommen sie wohl aus Gefangenschaft“, vermutet Claus König. Er tippt auf eine Vergangenheit in der Wilhelma oder Tripsdrill. Sicher sei jedenfalls, dass die Adebare im Winter nicht nach Süden geflogen und jetzt wieder zurückgekehrt seien. Schließlich sei das Paar bereits im Spätwinter in Pleidelsheim aufgetaucht. Die Adebare könnten aber unter Umständen im Laufe der Zeit verwildern und eine Population aufbauen, die dann doch wieder den Drang verspürt, sich über den Winter in deutlich wärmere Gefilde aufzumachen.

Überhaupt hofft Claus König, dass sich die Störche in der Gegend wieder ausbreiten. „Darüber kann man aber nur spekulieren“, sagt der 83-Jährige. „Das Nahrungsangebot ist an vielen Stellen noch nicht ausreichend“, gibt er zu bedenken. Auf dem Speiseplan eines Adebar stünden vor allem Mäuse, Würmer und Insekten. Ob es davon im Wiesental und drum herum genügend für die Vögel gibt, müsse sich zeigen. Grundsätzlich sei das Areal aber für die beeindruckenden und schon von weitem ins Auge stechenden Tiere geeignet – die in der Hierarchie der Vögel hierzulande ganz weit oben stehen. „Da sind sie die Bosse“, sagt Claus König schmunzelnd. Deshalb konnten sie auch zwischen den Reihern ein Nest in Beschlag nehmen. Wobei der Ornithologe nicht mit Gewissheit sagen kann, ob die Nistgelegenheit verwaist war oder ob die Störche sie einem Reiher abgeluchst haben.

In Großbottwar würde sich diese Frage gar nicht stellen. Die Stadt mit dem Storch im Wappen hat nämlich exklusiv für die Adebare vier Nester hergerichtet. „Es hat sich aber noch nichts getan“, vermeldete der Bürgermeister Ralf Zimmermann Ende vergangener Woche. Kein Thema sei dennoch für dieses Jahr, es mit einem Gehegestorch als Lockmittel zu probieren. Dafür habe man sich bei einem Abstimmungsgespräch mit der Landesstorchenbeauftragten Ute Reinhard, dem Winzerhäuser Fachmann Dieter Fischer sowie dem Ortsvorsteher Friedrich Link darüber ausgetauscht, wie die Flur optimiert werden könnte, damit sich das Wappentier im Bottwartal irgendwann wieder heimisch fühlt.

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