Pleidelsheim Stille Nacht bei Kerzenschein

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Bei Zwölfklang stehen die Stimmen gemischt, was ein besonders intensives Klangerlebnis ermöglicht. Foto: Frank Wittmer

Pleidelsheim - Der schon professionell auftretende Laienchor Zwölfklang musiziert an Orten mit besonderer Akustik. Die Pleidelsheimer Mauritiuskirche hat seit der Innenrenovierung zusätzlich aber auch optisch ihre Reize. Mit der ersten Strophe von „Maria durch ein Dornwald ging“, nur gesungen von den Männerstimmen, zog der Chor ein. Die rund 250 Zuhörer wurden so schon am Freitag vor dem Weihnachtsfest auf dieses eingestimmt – mit 90 Minuten musikalischen Hochgenuss und zwei Lesungen dazwischen. Die großzügigen Stufen vor dem Altar boten dem durch Erkältungen auf 18 Sängerinnen und Sänger geschrumpften Ensemble reichlich Platz, um sich sogar im Halbkreis aufzustellen.

Das bekannte Adventslied „Wir sagen euch an“ ging sehr beschwingt mit einem ungewohnten „Dididu“ los und entwickelte sich im Lauf der vier Strophen zu einem polyphonen Jazzstück. Die Tenöre sangen glockenhell die Melodie, aus der Begleitung heraus übernahmen Solostimmen immer wieder einen Part. Das „Freut euch, ihr Christen“ war lebendig und überzeugend.

Zwischen den Stücken wechselte dabei immer wieder die Aufstellung. Zwölfklang singt alle Stücke auswendig und die Stimmen stehen gemischt, was ein besonders intensives Klangerlebnis möglich macht. Nach dem sehr innigen „O du stille Zeit“ war aber erstmals eine Pause für die Huster im Publikum und auch im Chor notwendig. „Bei uns sind so viele erkältet, dass wir schon überlegt hatten, uns spontan in ,Die Hustinetten‘ umzubenennen“, scherzte der stets mitsingende Chorleiter Sebastian Link.

Auf den Zentimeter genau passte das Marimbaphon von Lorenz Karasek zwischen Altar und Kanzel hindurch. Der 18-Jährige zauberte beeindruckende Klangwirbel aus dem ungewöhnlichen Instrument, das am ehestem mit einem überdimensionalen Xylophon vergleichbar ist. Mit vier Schlägeln waren das Prelude aus der Cello-Suite Nr. 3 von Johann Sebastian Bach und später die Variationen japanischer Kinderlieder von Keiko Abe ein mitreißender Hörgenuss.

Im deutschen Magnificat von Heinrich Schütz und „Sit locutus est“ aus der Bach‘schen Variante zeigte der Chor sein großes Können. Mit träumerischer Sicherheit kam die strahlende Schönheit der Fuge zur Geltung. Sogar im Vibrato schwangen sich die Sängerinnen und Sänger wunderbar aufeinander ein.

Das oft gesungene „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ erklang mit feiner Präzision, während das schon zu Beginn angeklungene „Maria durch ein Dornwald ging“ sich vom traditionellen Satz im Arrangement von Stefan Claas zu einem unglaublich klangvollen Harmonienreichtum hin entwickelte. Bei der doppelchörigen Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ wurde das Ensemble seinem Namen „Zwölfklang“ mehr als gerecht. Perkussiv erklang das „Singet“ immer wieder in den Stimmen, fast jeder wurde zum Solist, und doch war bei aller Vielfalt immer eine wohltuende Einheit zu spüren und zu hören.

Selbstverständlich wollte das begeisterte Publikum die Choristen daher auch nicht ohne Zugabe ziehen lassen. Der irische Reisesegen und „The Lord bless you and keep you“ bildeten schließlich den schönen Rahmen für das wohl schönste Weihnachtslied aller Zeiten: Für „Stille Nacht“, bei dem etliche im Publikum selbst leise die Melodie mitsummten, verlöschten alle Lichter – nur die Kerzen und viele kleine Sterne am Weihnachtsbaum erstrahlten zu diesem wunderbaren weihnachtlichen Moment.

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