Pleidelsheim Ortskern darf sich moderat weiterentwickeln

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Ein ortsbildprägender Bau wird die Geschäftsstelle der Firma Paulus sein. Foto: Paulus Wohnbau

Pleidelsheim - Es sei eine „interessante Gemengenlage“, so Ruprecht Neulinger vom Büro Zoll bei der Vorstellung des Bebauungsplans für die Bereiche Hindenburgplatz, Badstuben- und Römerstraße. Man habe kleine „Uralt-Gebäude“ und wenige Meter weiter moderne, dreigeschossige Wohn- und Geschäftskomplexe.

Um in der Innerortslage den historisch interessanten Bestand zu erhalten und gleichzeitig eine „moderate und angepasste“ Bautätigkeit zu ermöglichen, hat der Gemeinderat jetzt die Aufstellung eines Bebauungsplanes für den Bereich beschlossen. „Der Gassencharakter soll erhalten bleiben“, meinte Neulinger.

Geringfügig zurückgesetzte Baulinien ermöglichen allerdings die „Aufweitung“ der engen Kurven. Sollte neu gebaut werden, müssen die Gebäude 50 Zentimeter zurück rücken. Albrecht Reuther (WIR) befürchtete mit neuen und größeren Gebäuden einen „Schluchtcharakter“. Noch weiter zurück gesetzte Bebauung sei aber nicht sinnvoll, so Neulinger: „Wenn wir nur Briefmarken-Baufenster ermöglichen, wird da gar nichts mehr gebaut und wir haben nur Garagen oder Brachflächen.“

Größere Baukörper müssen giebelständig zur Straße stehen und mit Zwischenelementen wie Flachdächern gegliedert werden, um nicht zu massiv zu wirken. Die Firsthöhen sind im dörflichen Bereich auf 12,50, im Bereich des Hindenburgplatzes auf 13,80 Meter beschränkt. Ein Augenmerk liege auf „dem Erhalt und der Weiterentwicklung der Wohnnutzung“. Gabriele Kauß-Brockmann vom Büro KMB hat das Gebiet analysiert: „Es sind noch landwirtschaftliche Gebäude da, aber das Wohnen ist auf dem Vormarsch.“ An der Mundelsheimer Straße mit dem Hindenburgplatz will man allerdings „einen anderen städtebaulichen Schwerpunkt setzen“, so die Planer. Ein konkretes Vorhaben stellte die Pleidelsheimer Wohnbaufirma Paulus vor, die am Hindenburgplatz 1 als Geschäftszentrale für die 50 Mitarbeiter ein modernes „Dreigiebelhaus“ bauen möchte.

Christel Staudenmaier (WIR) hinterfragte, ob die Zielsetzung des Bebauungsplans damit nicht außer Kraft gesetzt werden, nämlich „typische innerörtliche Freiräume“ zu erhalten, fand den Entwurf aber „gar nicht so schlecht“. Der Platzcharakter mit dem Gänsebrunnen und dem Baum bleibt erhalten und wird durch eine große Freitreppe vor dem Gebäude gestärkt.

Der Entwurf hat sich in einem Architektenwettbewerb durchgesetzt, bei dem auch Bürgermeister Ralf Trettner und KMB-Architekt Michael Kerker im Preisgericht saßen. „Sie dürfen nicht glauben, dass wir uns immer gleich einig waren, da ist es auch laut geworden“, informierte der Schultes. Letztlich sei auch er überzeugt, dass der Bereich aufgewertet würde. „Ich finde das einen hochinteressanten Bau. Die Gliederung des Gebäudes ist sehr gelungen, mit den unterschiedlichen Fenstern hat das Gebäude einen Charme.“ Gerade die verschiedenformatigen Fenster gefielen Hermann Höhne (SPD) nicht, Klaus Feiss (CDU) hingegen fand den Entwurf sehr gelungen. „Ich erkenne da die Verwandtschaft zur Hamburger Speicherstadt.“

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