Pleidelsheim Betroffenheit im Ort nach Messerattacke ist groß

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Die Polizei ist am Donnerstagabend am Hindenburgplatz unübersehbar Foto: KS-Images.de

Pleidelsheim - Ein Familienstreit ist am Donnerstagabend in einem Friseursalon am zentralen Hindenburgplatz in Pleidelsheim eskaliert. Eine 41-Jährige Mutter stach laut Polizei mit einem Messer auf ihre 18-jährige Tochter und deren gleichaltrige Freundin ein. Beide wurden durch die Attacke schwer verletzt. „Die Verdächtige macht zum Tathergang bislang keine Angaben“, so Polizeisprecher Peter Widenhorn. Die beiden 18-Jährigen seien ebenfalls befragt worden, auch im Umfeld der Familie werde ermittelt. „Zu dem Inhalt der Vernehmungen und einem möglichen Motiv können wir aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts sagen“, so Widenhorn auf Nachfrage der Marbacher Zeitung.  

Die Betroffenheit im Ort ist am Tag nach der Tat groß. Bereits am Vorabend war das große Aufgebot an Rettungskräften auffällig. Die Polizei sowie zwei Notärzte mit Rettungswagen standen vor dem Salon. Der Hindenburgplatz war komplett gesperrt. Selbst der Bus musste einen Umweg nehmen, um in die Mundelsheimer Straße zu kommen.

Mitarbeiter der Spurensicherung waren am gestrigen Freitag vor Ort. In dem Hinterzimmer des Friseursalons, in dem die Frau laut Polizei auf die beiden 18-Jährigen eingestochen hat, werden Spuren aufgenommen, um die Tat zu rekonstruieren. „Es ist nichts mehr zu sehen“, sagt eine Mitarbeiterin im weißen Anzug. Die Besitzer des Friseursalons sind sichtlich betroffen, wollen aber keine Auskünfte erteilen.

Im benachbarten Döner-Imbiss und der Pizzeria ist die Tat das Gesprächsthema Nummer eins. Reine Spekulation sind Gerüchte, dass die psychisch labile Mutter die Freundin ihrer Tochter angegriffen hat, weil diese angeblich einen schlechten Einfluss auf die junge Frau hatte. Dem Vernehmen nach wollte die Tochter zu Hause ausziehen und die Mutter sei deswegen ausgerastet. Der Angriff habe demnach eher der Freundin gegolten, und die Tochter sei dazwischengegangen und deshalb auch verletzt worden.

Alle sind erschüttert, dass im beschaulichen Pleidelsheim ein Familiendrama stattfindet. Auch Bürgermeister Ralf Trettner findet es „schrecklich, dass so etwas passiert, egal wo das ist, in Pleidelsheim oder anderswo“. Immerhin herrscht Erleichterung, dass die Polizei die Verletzungen der jungen Frauen als nicht lebensgefährlich einstuft. Die Angreiferin wurde festgenommen. Über ihr Motiv herrschte zunächst Unklarheit.

Zum Tathergang teilte die Polizei am Freitag Folgendes mit: Den bisherigen polizeilichen Ermittlungen zufolge hatte die 41-Jährige den Ausbildungsbetrieb ihrer Tochter zunächst beobachtet und die Geschäftsräume gegen 19 Uhr betreten. Dort stach sie mit einem mitgebrachten Messer auf die beiden 18-Jährigen ein, die sich gemeinsam in dem Nebenraum aufhielten. Die Tatverdächtige konnte von einem beherzten Zeugen überwältigt und entwaffnet werden. Die Polizei nahm sie noch am Tatort vorläufig fest. Die Beamten stellten auch die Tatwaffe sicher. Ein Rettungsdienst brachte die beiden Verletzten in ein Krankenhaus, wo sie stationär aufgenommen wurden. Die jungen Frauen trugen bei der Messerattacke schwere, jedoch nicht lebensbedrohliche Verletzungen davon.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat die Ermittlungen gegen die 41-Jährige aufgenommen. Die Kriminalpolizei Ludwigsburg ermittelt nun nicht nur wegen versuchten Totschlags, sondern zieht aufgrund der Tatumstände einen versuchten Mord in Betracht. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat der Haftrichter daher beim Amtsgericht Stuttgart einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes gegen die Frau erlassen. Die 41-Jährige ist jetzt in einer Justizvollzugsanstalt.

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