Oberstenfeld Ungewöhnlicher Raub beschäftigt die Polizei

Von
Oft haben die Beamten ihr Blaulicht nicht einschalten müssen: Es gab 173 Straftaten und 54 Unfälle im Erfassungszeitraum. Foto: dpa

Oberstenfeld - Es sei zwar nicht alles erfreulich gewesen, was im Jahr 2016 passierte, sagte der Marbacher Polizeirevierleiter Peter Kolwe bei der Vorstellung der Kriminalstatistik im Gemeinderat am Donnerstagabend. „Doch Grund zur Sorge gibt es keinen“, so sein Resümee. Insgesamt sind auf Oberstenfelder Gemarkung 173 Straftaten statistisch erfasst worden, 14 weniger als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote ist von 59,9 auf 62,4 Prozent leicht gestiegen.

Und doch gibt es aktuell „eine Straftat, die mich maßlos ärgert“, so Kolwe. Es handelt sich um einen Raub, der am 2. Mai dieses Jahres verübt wurde. Auf Nachfrage von SPD-Rat Rolf Lutz erläuterte Kolwe die Hintergründe der noch ungeklärten Tat, „ein Delikt, wie es hinterhältiger nicht geht“, so der Revierleiter. Das Opfer, eine 82-jährige Frau, habe in Beilstein Geld abgehoben und sei dann im Bus in Oberstenfeld von dem Täter umgestoßen worden, der die Handtasche entwendete. Glücklicherweise blieb es bei leichten Schürfwunden, „wir erleben in solchen Fällen nämlich auch Oberschenkelhalsbrüche, die das Ende bedeuten können“, so Kolwe. Die Tat selbst sei sehr ungewöhnlich und komme in dieser Form im Verantwortungsbereich des Marbacher Reviers nicht oft vor. „Wir sind guter Dinge, dass der Fall geklärt werden kann“, stellte er in Aussicht. Das Opfer habe wertvolle Angaben zum Täter machen können. Den zweiten Raub aus diesem Jahr, der sich nur einen Tag später nach einem gemeinsamen Gaststättenbesuch von Täter und späterem Opfer ergeben hatte, sei aufgeklärt, so Kolwe.

Zwei Sexualdelikte hat es im Jahr 2016 gegeben. Allerdings müsse das nicht heißen, dass tatsächlich Gewalt im Spiel gewesen sei, so der Polizeichef. Auch eine verbale Beleidigung mit obszönem Inhalt, die zur Anzeige gebracht werde, falle unter diesen Bereich, erklärte Peter Kolwe.

Rauschgiftdelikte sind neun gezählt worden. „Wir können hier also keineswegs von einer Drogenszene sprechen“, beruhigte der Revierleiter die Gemüter. In einem Fall hätten sogar Eltern ihren Sohn angezeigt, aus Angst, er könnte drogenabhängig werden.

Eine deutliche Steigerung hat es bei den Wohnungseinbrüchen gegeben. In der aktuellen Statistik tauchen elf auf, im Jahr davor waren es lediglich drei. Allerdings seien zwei ältere Fälle darunter, weshalb tatsächlich neun Einbrüche gemeldet wurden. „Dass wir dabei eine Aufklärungsquote von null Prozent haben, gefällt mir auch nicht“, so Peter Kolwe. Enttäuscht zeigte er sich aber vor allem darüber, dass eine im vergangenen Jahr angebotene Präventionsveranstaltung im Bürgerhaus nicht angenommen worden sei. „Was man aber auch positiv sehen kann, der Druck bei der Bevölkerung ist einfach nicht so groß.“

Dabei würde die Aufklärung viel bringen, so Kolwe. So lehre die Statistik, dass Einbrüche nach drei bis vier Aufbruchversuchen abgebrochen werden. „Und die Anzahl der Abbrüche steigt.“ Peter Kolwe schließt daraus, dass die Bevölkerung inzwischen für das Thema sensibilisiert ist.

„Jammerschade“ fand auch CDU-Rat Wolfgang Streufert das mangelnde Interesse an der Veranstaltung. Er gehört selbst zu den Einbruchsopfern in der Statistik. Danach hat er sich bei Experten informiert. „Es gibt ganz tolle Ideen für einfache, aber wirkungsvolle Schutzmaßnahmen“ warb er für die Beratung.

Von Erwachsenen, sprich Menschen ab 21 Jahren, sind im Jahr 2016 insgesamt72 Straftaten begangen worden, 14 davon von Flüchtlingen oder Asylbewerbern. Jedoch nicht so wie befürchtet, „wo wir nach den Erfahrungen in Köln zur Silvesternacht mit einer Zunahme von Sexualdelikten gerechnet hatten“. Stattdessen waren Flüchtlinge vor allem an Kleinstkriminalität, Körperverletzungen, Beleidigungen oder Ladendiebstählen beteiligt.

Bei den Verkehrsunfallzahlen konnte sich Peter Kolwe kurz fassen. „Es gibt keine Punkte mit einer Unfallhäufung auf ihrer Gemarkung.“ Zwar ist bei insgesamt 54 Unfällen die Zahl der Unfälle mit Personenschaden von zehn auf 20 angestiegen, es blieb dabei aber glücklicherweise bei nur vier Schwerverletzten. Seit 2012, weiter reicht die Statistik nicht zurück, ist auf Oberstenfelder Gemarkung kein Mensch mehr durch einen Unfall auf der Straße ums Leben gekommen.

Artikel bewerten
7
loading