Oberstenfeld Eitel Sonnenschein unterhalb der Burg

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Sonnenverwöhnt wie ihre Gäste ist Betriebsleiterin Ute Kuttner. Foto: Werner Kuhnle

Oberstenfeld - Die elfjährige Tessa muss nicht lange überlegen: „Weil es so viele tolle Rutschen gibt!“ Als da wären: 100 Meter lange Familienrutsche, eine 40 Meter lange Steilrutsche, eine 27 Meter lange Breitrutsche und eine 25 Meter lange Kinderrutschbahn. Das ist nicht nur für Tessa das entscheidende Argument fürs Mineralfreibad. Ihrer Mutter Pascale gefällt besonders das weitflächige Areal. „Auch bei wirklich heißen Temperaturen wie jetzt wird es hier nicht so proppevoll“, ergänzt sie. Dafür kommen die beiden extra aus Leingarten bei Heilbronn nach Oberstenfeld gefahren. „Seit etwa drei Jahren“, so berichtet die Mutter.

„Das ist mein Lieblingsbad seit Kindheitstagen“, meint dagegen Marion Döring und strahlt übers ganze Gesicht. Die 43 Jahre alte Leonbergerin zieht es wegen ihres Wochenendgrundstücks und den Eltern, die in Beilstein wohnen, regelmäßig hierher. „Ich gehe nicht in andere Bäder“, sagt Döring, die mit ihren beiden Kindern da ist, überzeugt. Es sei in Oberstenfeld nie überfüllt, daher gemütlich, alle seien sehr entspannt.

Es ist Donnerstag, wie im übrigen Baden-Württemberg der erste Tag der Sommerferien auch unterhalb von Burg Lichtenberg und Burg Hohenbeilstein. Die sind vom 1975 eröffneten und idyllisch unterhalb des Petersbergs gelegenen Freibad aus zu sehen. Die Sonne strahlt durch ein paar große, watteweiße Wolken hindurch, die immer wieder etwas Schatten spenden. Trotzdem ist die 30-Grad-Marke geknackt, regungslos im Schatten zu liegen ist neben dem Eintauchen in die Fluten am meisten gefragt bei den Gästen. Dass es durchgehend „nicht zu voll“ ist und „sauber“, lobt Anna Kurek, auch „weitläufiger als das Wellarium“, meint sie noch.

Die Inhaberin eines Tätowierstudios aus Großbottwar präsentiert üppigen Körperschmuck auf ihrer Haut, der neben dem neonfarbenen Bikini besonders ins Auge sticht. Auf dem Oberarm hat sie eine Meerjungfrau eintätowiert, die von der Schulter bis fast zum Ellbogen reicht, inklusive Anker. Zusammen mit ihrem Mann Michael hat sie es sich unter den weißen Sonnenschirmen auf den betongrau planierten Terrassenstufen zwischen den Becken bequem gemacht, die auch von unten gut Wärme abgeben nach ununterbrochenem Sonnenschein. „Bis jetzt haben wir mit dem Wetter nur Glück gehabt diesen Sommer“, stellt Andreas Petry fest, der stellvertretende Betriebsleiter des Mineralfreibads Oberes Bottwartal. „Das Familiäre ist das Besondere hier angesichts der Größe des Bades“, meint er, der seit März 2018 hier angestellt ist. 2,5 Hektar groß ist das Gelände mit Liegeflächen und Becken im Mineralfreibad. Heute organisiert Petry zusammen mit Betriebsleiterin Ute Kuttner und weiteren Helfern die erste „Arschbomben-Meisterschaft“. Bei der lassen Kinder möglichst kräftig das Wasser spritzen, wenn sie vom Einser und Dreier springen. Eine Jury zückt daraufhin Tafeln mit Noten zwischen eins und zehn. Der Schauplatz, das Freibad, erhielt dagegen im Schnitt 4,7 von fünf möglichen Sternen laut 60 000 Google-Kundenrezensionen zu 360 Freibädern, ausgewertet durch das Verbraucherportal Testberichte.de, veröffentlicht im Juli.

„Total überrascht“ vom ersten Platz in diesem deutschlandweiten Vergleich wurden die Verantwortlichen, erzählt Andreas Petry. Für Freibadleiterin Ute Kuttner ist das Ergebnis „ein großer Ansporn, jetzt werden wir aber deutlich genauer beobachtet!“ Die im Bad verteilten getopften Palmen erwähnt die Chefin als Extra.

Heraus sticht aus ihrer Sicht aber vor allem die „sehr gute Wasserqualität“ dank einer 48 Meter tiefen Quelle. Angesichts der hohen Besucherzahl sei Qualität des kühlen Nass keineswegs selbstverständlich: Rund 196 000 Besucher zählte das Freibad 2016, 175­­ 000 kamen in der Saison 2017. Ein Stammgast ist der 13-jährige Jonas König, der direkt neben dem Bad wohnt und als Gewinner der Arschbombenmeisterschaft heute die Jury überzeugt hat mit einem Bombensprung, garniert mit Rückwärtssalto. Die Vielfalt des Bads ist für den künftigen Achtklässler des Beilsteiner Gymnasiums das größte Plus: „Wenn man keine Lust mehr hat zu springen, kann man einfach rutschen!“

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