Oberstenfeld Die scheue Wilde soll Heimat kriegen

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Der BUND-Kreisvorsitzende Stefan Flaig, Bürgermeister Markus Kleemann, Landrat Rainer Haas, Wildkatzen-Experte Axel Wieland sowie Joachim Lösing und Andrea Lehning vom BUND (von links) sind zur Vernissage nach Oberstenfeld gekommen. Foto: Oliver von Schaewen

Oberstenfeld - Naturpark Stromberg-Heuchelberg auf der linken Seite, ganz östlich der Schwäbisch-Fränkische Wald, dazwischen Ortschaften, von Freudental bis nach Oberstenfeld. Auf der Landkarte schlängeln sich dazu Neckar und Enz von Nord nach Süd, parallel in Rot, die A81. Manche Flächen sind grün eingefärbt und verbunden. Das Logo „Rettungsnetz Wildkatze“ auf dem Banner fasst das Thema der neuen Ausstellung im Bürgerhaus sehr gut zusammen. Zur Eröffnung sind am Montag viele Persönlichkeiten gekommen, die den Bundeswildwegeplan vorantreiben wollen. Stilvoll umrahmt wurde die Vernissage durch die Musik von „Souzas Traum“. Die Präsentation „Wildkatze und Lebensraumverbund“ vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) klärt mit Schriften und Grafiken über das Wildtier auf.

„Die Wildkatze ist Tier des Jahres 2018“, so Bürgermeister Markus Kleemann zu Beginn. Die Deutsche Wildtier Stiftung habe sie wegen der Gefährdung ihres Lebensraums gewählt. „Es geht um die Schaffung eines Wildkatzenkorridors, der den Stromberg und den Schwäbisch-Fränkischen Wald verbinden soll“, erfahren die rund 100 Zuschauer im Saal. Oberstenfeld unterstütze das Projekt beispielsweise, in dem man im Neubaugebiet „Dürren IV“ eine Eingrünung einbringen wolle, sodass sich die Bebauung von der Natur klar absetze.

„Unter den 294 Landkreisen Deutschlands sind wir der Viertgrößte und einer der höchst verdichteten“, erklärte Landrat Rainer Haas als Schirmherr des Projekts. Die Natur sowie den Lebensraum des Menschen, mitsamt dem Siedlungsdruck, zu erhalten sei ein Spagat. Haas lobt den BUND, der sich dieser Aufgabe annehme. Zudem hofft der Landrat, Kleemanns Kollegen würden sich an der Pilotrolle Oberstenfelds ein Beispiel nehmen.

„Naturschutz ist kein Selbstzweck, sondern wichtig für die biologische Stabilität“, die auch der Mensch brauche, betonte Stefan Flaig anschließend. Der Vorsitzende des BUND Kreisverbandes Ludwigsburg erläuterte, dass 13 Kommunen betroffen seien und für den Erfolg des Projektes noch viel verhandelt werden müsse. „Die Katze ist ein Indikator für einen naturnahen Lebensraum“, erfährt man von Biologe Axel Wieland einen Grund, warum das Tier, das unseren Hauskatzen so ähnelt, dem Projekt vorsteht. Die Wildkatze sei aber auch in vielem anders, weiß der Fachmann.

„Sie schwimmt im Gegensatz zur Hauskatze gerne“, informiert er die Besucher. Wasserwege seien für sie kein Problem, unsere moderne Mobilität aber sehr wohl, wie für viele andere Arten auch. „Die Verkehrsdichte ist ein Hauptproblem“, weiß Wieland. Dazu verdeutlicht eine Netzkarte die Zerschneidung der Landschaft. Beeindruckende Foto- und Filmaufnahmen klären dazu über die Forschungsarbeit mit der Wildkatze und über ihren Lebensbereich auf. „Zum Glück gibt es viele Waldstücke, die wir verbinden können“, so Wieland mit Blick auf die Planlinien auf der Karte.

Nach dem baden-württembergischen Projekt „Wildkatzensprung“, wolle man nun Kommunen und möglichst viele Bürger für die „Wildkatzenwege im Kreis Ludwigsburg“ begeistern. Unterstützung käme auch von der Stiftung Naturschutzfonds sowie von der Glücksspirale. Und selbst der Erhalt der Streuobstwiesenstrukturen sei ein wichtiger Beitrag, erfährt man in der anschließenden Fragerunde.

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