Oberstenfeld Der Weg für Mountainbiker ist fast frei

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Im Wald mit dem Mountainbike zu fahren, kann zu einer Leidenschaft werden. Foto: Trailsurfers

Marbach - Der Wald gehört den Tieren – aber auch den Menschen. Nun steigen immer mehr Zweibeiner auf ein Mountainbike und fahren illegal durch den Oberstenfelder Wald. Die Gemeinde hat deshalb jetzt einen 13,7 Kilometer langen Rundweg des Vereins Trailsurfers Baden-Württemberg genehmigt. Der Parcours soll den Verkehr auf drei Trails kanalisieren – an Stellen, an denen Tiere bereits vermehrt an Menschen gewöhnt sind.

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Die Initiative ging von den Trailsurfers aus. „Wir wollen Ärger vermeiden und den verantwortlichen Stellen die Hand reichen“, sagt Stefan Pyttlik, der Vorsitzende des etwa 200 Mitglieder starken Vereins. Im Nachbarort Beilstein klappte die Zusammenarbeit bereits. Dort ist im Vorjahr die etwa 30 Kilometer lange Hoch-Hinaus-Tour eröffnet worden. Das einstimmige Votum des Oberstenfelder Gemeinderats am Donnerstag erfreut Pyttlik. „Für uns ist das ein Leuchtturm-Projekt“, sagt er und bietet anderen interessierten Kommunen Gespräche an. So stehe der Verein auch mit der Stadt Großbottwar im Dialog für einen Rundweg im Kälblingwald. „Wir wollen den Tourismus im Bottwartal fördern“, erklärt der 43-jährige Pyttlik, der als Niederlassungsleiter einer Firma arbeitet, in Beilstein wohnt und Mountainbike-Fahrer aus verschiedenen WhatsApp-Gruppen zusammengeführt hat. Der Verein betreibt Jugendarbeit und räumt auch im Wald auf.

Offen für die Anfrage der Trailsurfers ist der Oberstenfelder Bürgermeister Markus Kleemann gewesen. Er leitete Mitte 2017 Gespräche zwischen den verschiedenen Interessengruppen im Wald ein. Seitdem fanden drei Termine statt. Mit dabei waren außer der Gemeindeverwaltung und den Mountainbikern noch die Jagdpächter, der Naturschutzbund, der Wildtierschutz, die Forstbehörde des Landkreises und sogar Archäologen – Letztere, weil es mit der Scheiterburg ein Denkmal im Wald gibt, das nicht durch Trails tangiert werden darf. Der Bürgermeister war um einen Ausgleich bemüht, was er am Donnerstag im Gemeinderat unterstrich: „Mir ist wichtig, dass man sich nicht gegenseitig Steine in den Weg legt, und wir eine Lösung finden, die alle mittragen können.“

Der Gemeinderat bekam drei von ursprünglich acht Trails zur Abstimmung: den Gronautrail, den Krugeichentrail und den Birktrail. Diese Teilstrecken sind eingebunden in den 13,7 Kilometer langen Parcours mit Wegen, die breiter als zwei Meter sind. Wichtig war, dass die Trails nicht durch Biotope oder besonders geschützte Flora-Fauna-Habitat-Gebiete verlaufen. Das Gewann Eschach fiel durch, weil das Wild dort Menschen nicht gewohnt ist wie etwa an der Krugeiche. An den Trails liegen hingegen Aussichtspunkte und ein Waldsofa am Wegesrand. Parkplätze ermöglichen den Einstieg. Wer will, kann auf den Beilsteiner Rundweg überwechseln. Eine Anbindung an den Berg- und Talbus am Wochenende sei gegeben, versicherte die Verwaltung.

Die Forstverwaltung entscheidet nach dem Ja des Gemeinderats, ob die Trailsurferd die Wege im Wald bauen und unterhalten dürfen. Als „vernünftige Leute“ und „Glücksfall“ sieht Michael Nill, Leiter des Fachbereichs Forsten im Landratsamt Ludwigsburg, den Verein an. „Wir können den Druck auf illegale Trails reduzieren“, ist er sicher und hofft, dass sich dieses Ziel auch in der Community der Radfahrer herumspricht. Kontrollen seien für die Förster nicht leistbar. Die Strafe falle mit 35  Euro für einen Schwarzfahrer relativ gering aus. „Es werden zu Beginn mehr Mountainbiker kommen“, sagte Michael Nill, aber dass sich auf Dauer Heerscharen ins Auto setzen, um dort auf den Trails zu surfen, glaubt er nicht. Die Mountainbiker sind angehalten, vorsichtig zu fahren, um nicht etwa Kinder zu gefährden, die an Spielplätzen im Wald herumlaufen.

Verbotsschilder für illegale Trails werden nicht aufgestellt, dafür aber Hinweise für den Rundweg. Für den Bau und den Unterhalt sind die Trailsurfers zuständig. Kosten entstehen der Gemeinde nicht, erklärte die Verwaltung.

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