Murr/Triathlon „Die letzten Kilometer waren wie im Rausch“

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Insgesamt 2455 Athleten sind am vergangenen Wochenende beim legendären Ironman auf Hawaii an den Start gegangen – darunter auch einige Deutsche. Dass Patrick Lange sich mit neuer Rekordzeit den Sieg holte, dürfte inzwischen jeder mitbekommen haben. Auch, dass das Rennen für Favorit und Zweifach-Sieger Jan Frodeno zur Qual wurde. Noch nicht ganz so bekannt ist jedoch, wie sich die drei Athleten vom Murrer Team Silla Hopp beim härtesten Rennen des Jahres geschlagen haben. Während Marc Dülsen bei den Profis gestartet war und einen Platz unter den Top 15 angepeilt hatte, waren Thomas Schmudde und Melanie Altenbeck mit den Altersklassen-Athleten ins Rennen gegangen. Nun, mit etwas Abstand und wieder bei Puste, können alle drei ihr Rennen Revue passieren lassen – und sind einfach nur glücklich über das Erreichte. Wieso, das erzählen die drei Sportler selbst.

 

Marc Dülsen – Platz 18

„Die Ironman-Weltmeisterschaft 2017 ist Geschichte. Für mich war es ein Thriller mit Happy End nach 3,8 Kilometern Schwimmen im welligen Pazifik, 180 Kilometern Rafahren gegen den Sturm und 42,195 Kilometern in der flimmernden Hitze. Gleich nach dem Schwimmstart habe ich einen heftigen Tritt unter den rechten Rippenbogen bekommen, der mir komplett den Atem genommen hat. Für einige Minuten musste ich anhalten, dann schaffte ich es, Brust zu schwimmen und schließlich bin ich als gefühlt Letzter von 59 männlichen Profis in die Wechselzone gelaufen. Danach folgte eine Aufholjagd durch Wind und Hitze. Trotz Schmerzen habe ich mich Platzierung um Platzierung nach vorne gekämpft. Mit einem sehr guten Radfahren und für die anspruchsvollen Bedingungen perfekten Marathon konnte ich dann nach 8:33:20 Stunden als 18. die Ziellinie am berühmten Ali’i Drive überqueren. Damit war ich viertbester Deutscher – und bin absolut zufrieden nach diesem miesen Start. Jetzt steht erst einmal Regeneration auf der Agenda und dann geht es rasch an die Saisonplanung 2018.“

 

Thomas Schmudde – Platz 65

„Ich habe mich bisher in keinem anderen Langdistanzrennen zuvor durchweg so gut gefühlt wie in diesem. Meine Gedanken waren während dem Marathon oft bei meinen Freunden, Verwandten und Trainingskammeraden, die mich so sehr unterstützt haben und von denen ich wusste, dass sie mein Rennen gerade verfolgen würden. Das gab mir immer wieder aufs Neue einen „Schub“. Mit 9:13:05 Stunden und Platz sechs in meiner Altersklasse bin ich überglücklich. Zum Rennen selbst: Erwartungsgemäß bin ich im Mittelfeld mitgeschwommen und war ständig in Positionskämpfe verwickelt, aber mit der Zeit von 1:05:08 Stunden bin ich letztlich zufrieden. Beim Radfahren brauchte ich circa 30 Kilometer, bis ich meinen Rhythmus gefunden hatte. Dann lief aber alles exakt nach Plan. Die Verpflegung, das Pacing – alles schien aufzugehen. Ich sparte mir ein paar Reserven auf, weil ich doch großen Respekt vor dem abschließenden Marathon an diesem heißen, wolkenlosen Tag hatte. Das sollte sich später bezahlt machen. Ich nahm mir vor, die ersten 15 Kilometer kontrolliert zu laufen, bis es die steile „Palani Road“ zum Queen K. Highway hinaufging. Als sich danach meine Beine noch relativ gut anfühlten, habe ich versucht, nun alles rauszuholen, was ich noch hatte. Die Pace, die ich ab da anschlug, konnte ich bis auf eine kleine Schwächephase im „Energy Lab“ bei circa Kilometer 30 zu meiner eigenen Überraschung durchziehen. So stand am Ende Platz 65 – klasse!“

Melanie Altenbeck – Platz 1609

„Das Rennen war sehr hart, aber auch ein unfassbar schönes Erlebnis. Es begann mit dem Massenstart beim Schwimmen. So viele Leute auf einmal im Wasser – da hatte man bis zur Wende doch schon öfter mal einen Fuß im Gesicht oder Hände, die einem die Füße nach unten drücken. Ruhe bewahren war hierbei ganz wichtig. Einen kurzen Stopp musste ich einlegen, um meine Badekappe zurechtzurücken. Diese war so eng, dass ich Kopfschmerzen bekam und mir schon etwas schwummrig wurde. Nach dem Schwimmen ging es dann raus auf den langen Highway. Das Bild, wie sich die Radfahrer in einer ewigen Schlange fortbewegten, war gigantisch. Ab circa 60 Kilometern hatten wir dann extrem böige Winde. Mal von vorn, mal von rechts oder links. In einer Situation hatte ich auch einen Schutzengel. Da kam ganz plötzlich ein verdammt starker Wind von der Seite, dass es mir den Lenker ganz schön umgerissen hatte. Ich konnte das Rad gerade noch so wieder unter Kontrolle bringen. Den Rückweg über hatten wir fast nur Gegenwind, das war sehr zehrend. Das merkte ich dann auch beim Loslaufen. Es lief nicht ganz rund. Die Hitze beim Laufen war natürlich die größte Herausforderung. Aber die Leute am Straßenrand und auch meine Freunde, die dabei waren, haben mich so gepusht, sodass ich es doch schaffte, immer weiterzulaufen. Als es dann langsam dunkel wurde, wurde es von der Temperatur angenehmer. Zum Glück gab es viele Verpflegungsstellen, bei denen man sich mit Eis kühlen konnte. Die letzten zwei Kilometer waren dann wie im Rausch. Man konnte die Party auf der Finishline schon hören. Jeder wurde dort gefeiert wie ein Profi – und das war ein so tolles Erlebnis. Mit meinem Ergebnis am Ende brauch ich mich auch nicht verstecken. Mit 12:23:37 Stunden und einem 38. Platz in meiner Altersklasse und Rang 377 von allen Frauen bin ich mehr als zufrieden. Vor allem für das, dass dies erst mein zweites Ironman-Rennen war!“

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