Murr Junge aus dem Ort haben Vorrang

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Für Wohnraum im Neubaugebiet Foto: Oliver von Schaewen

Murr - Hauptsächlich junge Familien aus dem Ort zu fördern – das hat sich die Gemeinde Murr vorgenommen, als sie den dritten Abschnitt des Neubaugebiets Langes Feld VI entwickelte. Inzwischen ist das Neubaugebiet erschlossen. Die ersten Bauherren sind bereits aktiv. Besonders bemerkenswert war der große Andrang auf die Flächen, die von der Gemeinde aufgekauft worden waren. „Wir hatten 128  Bewerbungen für unsere 28  Grundstücke im Baugebiet“, berichtet der Murrer Bürgermeister Torsten Bartzsch. Nicht etwa das Los entschied, wer bauen durfte. Der Gemeinderat hatte mit einem Kriterienkatalog festgelegt, wer die größten Chancen haben sollte.

„Es sind örtliche junge Familien, die bisher noch kein Einfamilienhaus besitzen und nun eine Gelegenheit bekommen, sich zu vergrößern“, erklärt Torsten Bartzsch. Ob die jungen Familien bisher in einer Miet- oder Eigentumswohnung gelebt haben, spielte laut Bartzsch keine Rolle. Dafür aber die soziale Anbindung an den Ort: „Wer seine Kindheit hier verbracht hat und dessen Eltern hier noch leben, hatte ebenfalls eine Chance, berücksichtigt zu werden.“

Insgesamt gibt es in dem zwei Hektar großen Neubaugebiet 42 Baugrundstücke. Neben der Gemeinde haben auch private Grundstücksbesitzer Immobilien verkauft. Angesichts stark steigender Preise für den Grund und Boden habe die Gemeinde zwar auch den Preis von 350 auf 380 Euro pro Quadratmeter angehoben, erklärt der Rathauschef, doch bewusst nicht so hoch, wie in anderen Orten des Großraums Stuttgart, wo inzwischen Preise von 500 bis 600 Euro normal seien. „Das sehen wir als indirekte Förderung junger Familien an.“

In dem Neubaugebiet können aber auch Senioren geeigneten Wohnraum erwerben. So entstehen sechs Bungalows ohne Keller. Dort spielt sich das Leben quasi auf einer Etage barrierefrei ab. „Diese Häuser sind aber auch für Familien interessant“, sagt Torsten Bartzsch, der mit dem Stuttgarter Planungsbüro FPZ das Konzept entwickelte, wonach keine höheren Mehrfamilienhäuser gebaut werden können. Diese seien im Rahmen der Innenverdichtung vorgesehen. Dort verfolge die Gemeinde im Rahmen der Ortskernsanierung einige Projekte. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Neubaugebieten am Rand und dem Innenbereich der Kommune hält der Bürgermeister für wichtig. „Wir haben seit Beginn der Ortskernsanierungen rund fünf Hektar geschaffen, die wir sonst in Neubaugebieten mit dem entsprechenden Flächenverbrauch bereit gestellt hätten.“

Die FPZ-Planerin Petra Zeese sähe Mehrfamilienhäuser in der ebenen Fläche des Langen Feldes als „städtebaulich nicht erstrebenswert“ an. Die Gemeinde habe in der Innenverdichtung im Kernort „genügend Alternativen“, Wohnungen bauen zu lassen. Obwohl die Gemeinde im Langen Feld nur Einfamilienhäuser, Doppel- und Kettenhäuser zulasse, habe sie auf eine verdichtete Bauweise dort geachtet. So schreibe der Regionalplan 22 Wohneinheiten pro Hektar vor, man selbst läge im Langen Feld VI bei 24 Wohneinheiten pro Hektar. Das Neubaugebiet übererfülle zudem mit 53  Einwohnern pro Hektar die Vorgabe von 25  bis 30  Einwohnern. Zeese sieht darin eine „effektive Bauweise“, die dennoch ein „angenehmes Wohnen“ ermögliche. Dazu trage auch ein Platz bei, auf dem sich die Generationen treffen könnten.

Der Bau dieses Platzes steht allerdings noch bevor. Das Neubaugebiet sollte Ende September erschlossen worden sein. Es wurde zwei Wochen später, was allerdings bei einer sechsmonatigen Laufzeit durchaus im Rahmen liege, findet der Bürgermeister Torsten Bartzsch. Auch werde wohl der Kostenrahmen von 1,1 Millionen Euro für die Erschließung durch die Firma Klöpfer eingehalten.

Von einem „normalen“ Verlauf der Tiefbauarbeiten berichtet Christian Opitz, stellvertretender Leiter des Verbandsbauamtes Großbottwar. Dass man beim Verlegen der Kanäle auf Fels gestoßen sei, findet der Ingenieur „als normal für Murr“. Glasfaserkabel seien von der Telekom bis zu den Grundstücken verlegt worden und ermöglichten schnelles Internet.

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