Murr Für Händler geht es nur noch gemeinsam

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Haben den innerörtlichen Einzelhandel unter die Lupe genommen (von links): Foto:  

Murr - Wie steht es um die Zukunft des Einzelhandels und wie können sich Händler für Veränderungen rüsten? Wie kann zunehmender Leerstand von Ladenflächen in Innenstädten vermieden werden und welche Rollen nehmen dabei die Einzelhändler und Kommunen ein? Wie können Geschäfte gegen den Online-Handel ankommen? Diese Fragen haben die „Aktiven Unternehmer rund um Bottwar, Murr und Neckar“ am Montagabend unter der Überschrift „Handel im Wandel“ thematisiert. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse: 150  Selbstständige waren nach Murr gekommen und füllten den Bürgersaal.

„Ganz baff“ zeigte sich der zufriedene Initiator Uli Eitel, Anzeigenleiter der Marbacher Zeitung, der die „Aktiven Unternehmer“ vor fünf Jahren ins Leben gerufen hatte. Die Begrüßung nahmen der Murrer Bürgermeister Torsten Bartzsch und HGV-Vorsitzender Uwe Riedel vor.

Teil des Abends war eine Podiumsdiskussion. Die Runde mit Ralf Binder, Wirtschaftsförderer der Stadt Backnang, Dirk Saffran, Manager des Marstall-Centers in Ludwigsburg, Taube-Buchhändler Markus Schneider aus Marbach, Textilhändler Konrad Buck aus Sachsenheim und Steinheims Bürgermeister Thomas Winterhalter erörterte unter der Moderation von Karin Götz, Leiterin der Lokalredaktion der Marbacher Zeitung, Impulse, welche die Händler für ihren Geschäftsalltag mitnehmen konnten.

Eine Kernaussage: Einzelhändler dürfen nicht nur für sich selbst denken, sondern müssen gemeinsam agieren und sich mehr in den Kunden hineinversetzen. „Vielen ist gar nicht bewusst, wie das Einkaufsverhalten wirklich aussieht“, fand Dirk Saffran deutliche Worte. Ein Gemeinsam könnte es bei den Öffnungszeiten geben. „Ich verstehe, dass die Möglichkeiten begrenzt sind, wenn nur eine Person im Laden steht. Aber es ist wünschenswert, dass es in Städten und Gemeinden gemeinsame Öffnungszeiten gibt, damit Kunden einen Mehrwert haben und den Handel als verlässlicher wahrnehmen“, sagte Markus Schneider. Erstrebenswert seien Öffnungszeiten über Mittag und über 18 Uhr hinaus. „Ich sage ja immer: Wer mittags geschlossen hat, hat wegen Reichtums geschlossen“, untermauerte Dirk Saffran diesen Ansatz. Es sei für Kunden ärgerlich, wenn hier ein Geschäft geöffnet, dort eins geschlossen sei. Großstädte und Einkaufscenter seien da im Vorteil.

Doch auch jeder Einzelhändler für sich könne schon etwas bewegen. „Oft fehlt die Kundenfreundlichkeit“, meinte Konrad Buck. Es fange aber schon damit an, mal selbst vor dem eigenen Laden zu kehren oder einen Blumenkübel hinauszustellen, so Markus Schneider. Und Ralf Binder fügte als Beispiel an, dass manche Händler online nicht mal ihre Öffnungszeiten einpflegen würden, die bei der Google-Suche erscheinen. „Hier richtig zu kommunizieren, ist der Beginn eines guten Weges.“

Deutlich wurde, dass die Stadtverwaltungen eine wichtige Rolle spielen. „70 Prozent aus dem Einzelhandel bleiben in der jeweiligen Kommune. Städte sollten also mehr hinter dem Handel stehen, und geht es nur darum, die Zuständigkeit für die Weihnachtsbeleuchtung nicht auf den jeweiligen Bund der Selbstständigen abzuwälzen“, sagte Konrad Buck.

Die Möglichkeiten der Kommunen sind – das wurde ebenfalls deutlich – jedoch meist begrenzt. Ihre Aufgabe sei es, Rahmenbedingungen zu schaffen und einen Ansprechpartner für die Einzelhändler zu stellen. „Eine Schnittstelle zwischen Handel und Kommune fehlt oft. So lässt es sich schwer gemeinschaftlich auf etwas hinsteuern“, so die Erfahrung von Dirk Saffran. Wichtig sei jemand, der sich kümmert. Während manche Städte hier auf Wirtschaftsförderer setzen, fällt diese Rolle in Steinheim Bürgermeister Thomas Winterhalter zu. „Nur zehn Prozent unserer Einzelhandelsfläche befinden sich in der Innenstadt. Und die Geschäfte reihen sich entlang der Hauptstraße, auf der morgens und nachmittags Stau ist“, macht er die Problematik klar. Sein Glaube, dass ein Wirtschaftsförderer hier viel ändern könnte, halte sich daher noch in Grenzen. Den Einzelhändlern wolle Winterhalter auch keine Vorschriften machen, schließlich seien die Öffnungszeiten der Verwaltung ebenfalls „nicht gerade kundenfreundlich“. „Aber es stehen eben Menschen dahinter.“

Applaus erntete Markus Schneider für seine Aussage, dass die Geschäfte sich besser darstellen müssten. So habe es im Buchhandel bereits vor 25 Jahren die Möglichkeit gegeben, ein Buch auf den nächsten Tag zu bestellen. „Wir haben uns das aber nie groß auf die Fahne geschrieben. Und jetzt hat sich der Online-Handel dieses Motto geschnappt.“ Man könne also viel selbstbewusster sein. „Wir müssen kundtun, was wir können, und auch, was wir für die Stadt tun. Und ist es nur die Anzeige in der Abi-Zeitung. Wir sind es schließlich, die eine Stadt lebendig halten!“

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