Murr Der Dirigent trifft ins Schwarze

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Ein Extra-Highlight: vier Lieder aus Franz Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ Foto: Avanti

Murr - In über 20 Jahren „erstmals ausverkauft“. Diese gute Nachricht verkündete Matthias Bader, als er die Besucher am Samstagabend zum traditionellen Neujahrskonzert im Bürgersaal des Rathauses begrüßte. Diesmal standen literarisch-musikalische Köstlichkeiten zum Thema „Winter“ auf dem Programm – einmal mehr ausgedacht vom Dirigenten Peter Wallinger, der mit seiner „Winterreise“ ins Schwarze getroffen hatte. Mit Riesenapplaus hat sich das Publikum für die Musik und die Rezitationen bedankt, die von Nathalie Cellier und Peter Steiner vom Xenia-Theater Karlsruhe vorgetragen wurden.

Neue Musik vertrauter und vertraute Musik neu erlebbar zu machen hat sich Wallinger zur Aufgabe gemacht. Daran hat er sich in 32 Jahren gehalten, und das zeichnete auch das jüngste Konzert aus, in dem neben Leos Janaceks Suite für Streichorchester 1877 auch Werke von Franz Schubert zu hören waren. Einen leicht beschwingten Auftakt lieferte das Streicherensemble mit Schuberts Deutschen Tänzen Nr. 1 und Nr. 3. „Ich seh’ ihn an und friere“, – so stellte Peter Steiner „den Winter“ im „Lied hinterm Ofen“ von Matthias Claudius vor. Im Wechsel mit Nathalie Cellier folgten Verse von Friedrich Hölderlin, Gottfried Keller, Georg Trakl und Hilde Domin.

Ein Extra-Highlight: Vier Lieder aus Franz Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ in einer Bearbeitung für Viola und Streicher. Hiyoli Togawa, die in Düsseldorf geborene Bratschistin, und Viola von Testore aus Mailand stellten sich als exzellentes „Künstlerpaar vor. Mit den Liedern „Die Wetterfahne“, „Gefrorne Tränen“ sowie „Frühlingstraum“ und vor allem mit „Der Leiermann“ setzte die Solistin mit ihrer überaus gefühlvollen Interpretation Maßstäbe. Hermann Hesses „Wanderer im Spätherbst“ rundete die „Winterreise“ ab.

Einen zweiten Höhepunkt setzte die Solistin Hioly Togawa mit Schuberts „Arpeggione“-Sonate in der Fassung für Viola und Streichorchester. Die vielfachen Auszeichnungen und Preise für die Künstlerin lassen sich, gemessen an ihren großartigen Darbietungen leicht nachvollziehen. Sie ist eine bewundernswerte Künstlerin, die als eine einfühlsame Bratschistin mit einem ebenso feinfühligen wie energischen Strich und vollem, sattem Ton zu überzeugen weiß. Auch die Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi (Violine) konnte mit solistischen Einlagen glänzen. Die Rezitatoren verstehen mit der Sprache zu musizieren und bringen die Worte – ob deutsch oder französisch – zum Klingen.

Die Besucher erlebten im Bürgerssal einen unterhaltsamen und amüsanten Abend, den sie mit anhaltendem Beifall quittierten und dafür noch eine Zugabe erreichten. Einmal mehr brachte sich der Landfrauenkreis an diesem Abend mit Köstlichkeiten ein.

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