Mundelsheim Windmühlen statt Mauern bauen

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Corinna und Boris Seitz (Mitte) sind mit vielen Präsenten bedacht worden – unter anderem auch mit einem Bohrer, der sinnbildlich für die politische Arbeit stehen soll und von Andreas Link (rechts) im Namen des Gemeinderats überreicht worden ist. Foto: Werner Kuhnle

Mundelsheim - Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.“ So beschreibt Max Weber den Beruf des Politikers und so eröffnete auch Andreas Link als stellvertretender Schultes die Gemeinderatssitzung vor 400 Gästen am Montagabend in der Käsberghalle. Worte, die an diesem Abend vor allem Boris Seitz galten – oder vielmehr nun offiziell: Bürgermeister Boris Seitz. Der 36-Jährige hat vor den Augen von Politikerkollegen, Bürgern und Räten den Amtseid abgelegt.

Mit Blick auf sein Wahlergebnis von 60,32 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 67,09 Prozent bedankt sich Boris Seitz noch einmal für den großen Zuspruch: „Diesen enormen Rückhalt möchte ich nun zurückzahlen.“ Wähler, die einem seiner Mitbewerber ihre Stimme gegeben haben, hoffe er durch seine Arbeit überzeugen zu können. Für ihn und seine Familie habe sich mit der Wahl nun sehr vieles geändert: „Wir stehen im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Das wird nicht einfach sein.“ Er hoffe, dass die Mundelsheimer ihnen weiter so offen und ehrlich begegnen, wie es im Wahlkampf der Fall gewesen sei.

In dieser Zeit sei er auch häufig darauf angesprochen worden, dass er Beruf und Privatleben als Bürgermeister trennen müsse, worauf er auch achten werde – und zwar in beide Richtungen: „Also sehen sie es mir bitte nach, wenn ich am Samstag im Netto mal kein Jackett trage.“ Dem Slogan „Ein Bürgermeister für alle Bürger“ bleibe er treu, „auch wenn ich mich natürlich nicht sofort um alle gleichzeitig kümmern kann“. Er bittet dafür um Verständnis und eine „realistische Einschätzung“. Die Zeit bis 2019 möchte er nun zunächst nutzen, um sich im Rathaus einzuarbeiten. Auch seine erste Gemeinderats-Sitzung steht bereits nächsten Donnerstag auf dem Plan. Er freue sich schon, „gemeinsam an der Zukunft der Gemeinde zu arbeiten“, und hofft, dass einstimmige Ergebnisse in den Beratungen überwiegen werden und Einheit herrscht. Eine Hoffnung, die auch die Räte teilen, für die Andreas Link das Wort ergriffen hatte: „Unser gemeinsamer Nenner ist es, das Beste für Mundelsheim zu wollen.“ Dabei bleiben sicherlich auch Kompromisse nicht aus, „und nicht nur ein Weg ist richtig“. Die Arbeit als Bürgermeister biete eine große Vielfalt, berge jedoch auch viele Herausforderungen: „Sie stehen aber nicht alleine da.“ Landrat Rainer Haas hat ebenfalls Hilfe und Unterstützung zugesagt und betonte, welch großer Aufgabe sich Boris Seitz stellt: „Eine Gemeinde ist nie fertig.“ Zumal der 36-jährige Mundelsheimer ist und daher jede Ecke und jeden Einwohner bestens kennt. „Das heißt nämlich auch, dass jeder was will“, gab der Landrat augenzwinkernd zu bedenken. Außerdem liege die Wahl ja auch noch nicht lange zurück und nun gehe es schon „zur Sache“, führte Haas weiter aus, ehe er betonte: „Ich traue Ihnen das nach dem ersten Eindruck zu.“

Davon könnte sich der Landrat bald auch im Kreistag ein Bild machen, für den Seitz ebenfalls kandidieren möchte. Und auch die Bürgermeister aus den Nachbargemeinden, für die der Besigheimer Rathauschef Steffen Bühler sprach, sind zuversichtlich: „Das Wahlergebnis hat klare Verhältnisse geschaffen und ist als Vertrauensbeweis ein guter Start in das Amt.“ Mit einem Gemeinderat, der bisher stets konstruktiv agiert habe, und einem engagierten Rathausteam stünden ihm als Bürgermeister nun alle Chancen in Mundelsheim offen.

Und die möchte Boris Seitz auch nutzen. „Es steht viel Wegweisendes an“, betonte er mit Blick auf Sanierungsprojekte sowie den Flächennutzungsplan: „Wenn neuer Wind weht, möchte ich keine Mauern, sondern gemeinsam Windmühlen bauen.“

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