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MundelsheimDie Digitalisierung ist im Weinberg angekommen

Sabine Armbruster, vom 18.05.2015 06:00 Uhr
Die Drohne hat am Samstag vorerst am Boden bleiben müssen. Foto: Werner Kuhnle
Die Drohne hat am Samstag vorerst am Boden bleiben müssen.Foto: Werner Kuhnle

Mundelsheim - Die digitale Welt macht auch vor dem alten Kulturgetränk Wein nicht halt. Am Wochenende sollten die Weinberge des Weinguts Herzogs von Württemberg von einer Drohne überflogen werden, um mit verschiedenen Kameras eine Rebstockinventur zu machen. Als Auftakt war am Samstagmorgen der Mundelsheimer Käsberg geplant, doch es kam anders. Erst verzögerte sich der Start wegen des Einsatzes eines Rettungshubschraubers, dann stellte sich heraus, dass ein Teil der Drohne kaputt war und erst repariert werden musste. So blieb das Miniflugzeug trotz bester Wetterbedingungen erst einmal am Boden.

Dabei war extra ein großer Aufmarsch zum Käsberg gekommen: Herzog Michael von Württemberg, die beiden Betriebsleiter des Weinguts – Kellermeister Moriz Just und Vertriebsleiterin Claudia Krügele –, deren Mann Philipp, der den Käsberg bewirtschaftet, und nicht zuletzt das SWR Fernsehen. Das war allerdings nicht wegen des Drohneneinsatzes gekommen, sondern drehte für seine Sendereihe „Musikalische Reise“. Die Folge wird – drohnenfrei – am 3. Juni ausgestrahlt.

Trotz der unvorhergesehenen Panne ist so ein Drohneneinsatz eine feine Sache, ist Moriz Just überzeugt. „So kann man ganz schnell feststellen, wie viele Rebstöcke es insgesamt sind und wo es Fehlstücke gibt. Wenn man das von Hand machen müsste, bräuchte man viel länger und könnte das gar nicht bezahlen.“ Die Aufnahmen werden durch eine entsprechende Software automatisch ausgewertet. So weiß der jeweilige Auftraggeber sehr schnell, wo nachgepflanzt werden muss.

40 Hektar hat das Weingut insgesamt, 2,4 davon am Käsberg. Hier wurden in den letzten drei Jahren Lembergerreben entfernt und durch französische Syrah-Reben ersetzt. „Unser Ziel ist es, hochwertige Rotweine zu erzeugen“, sagte Just. „Durch den Klimawandel, aber auch durch Fortschritte der Technik im Weinbau und im Qualitätsmanagement kann man auch in Württemberg sehr hochwertige Weine erzeugen.“

Den Trollinger möchte Herzog Michael von Württemberg aber am Berg erhalten. „Tradition durch Innovation“, brachte es der adelige Weinkenner auf den Punkt. „Das ist doch super – mit dem Trollinger am Steilhang haben wir die Tradition, mit der Drohne die Innovation. Man muss immer nach vorne schauen.“ Für den Vorschlag seines Kellermeisters, nach der Digitalisierung der Kellertechnik nun auch den Weinberg digital und damit ganz exakt zu erfassen, war er deshalb sofort zu haben.

Die Drohne ist ähnlich wie ein Navigationssystem im Auto auf Satelliten angewiesen, allerdings auf viel mehr. „Wenn wir nicht die Signale von 17 oder 18 Satelliten haben, kann die Drohne nicht fliegen. Das wäre sonst viel zu gefährlich“, erläuterte Aron Kirschen, der sich gemeinsam mit Henning Hünemohr auf den „digitalen Weinbau“ spezialisiert hat.

105 Kilogramm wiegt die Drohne und wird rein elektrisch betrieben. Bei ihrem Flug kann sie nacheinander mit ganz verschiedenen Kameras bestückt werden. So können Ertragsreben, schwache Reben, Neuanpflanzungen und abgestorbene Reben unterschieden werden.

 

 

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